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Photos © Konstanze Winkler
Eines der ältesten und in Europa (und vermutlich der ganzen Welt) wichtigsten Festivals ist die alljährliche “World of Orient” in Hannover, die sich, vielleicht nicht jedes Mal, aber doch oft genug, gern neu erfindet. In diesem Jahr krönte der „Fashion Award“, ein Preis für Bauchtanz-Mode in allen Spielarten, die Veranstaltung. Das lag gewiß an der hohen Zahl der Wettbewerbs-Teilnehmer als auch an den durchgehend qualitativ hochwertigen und pfiffigen Kleidungsstücken. Das Publikum nahm diese Neuerung mit Begeisterung auf. Nicht zu vergessen die tänzerischen Darbietungen und verschiedenen anderen Extras, die hier aufzuzählen zu lange dauern würde. Lassen wir doch einfach Sylvia Sophia Assmann zu Wort kommen:
Das internationale Festival für orientalischen Tanz und Kultur bot in seinem 14. Jahr einiges an Neuerungen und innovativen Ideen und Extras.

Der erste Höhepunkt war die Grand Opening der Freitagsgala „Latin Fever Meets Oriental Power“: Eine Fashion Show mit den neuesten Kostümen des argentinischen Stardesigners Fernando Corona. Die Präsentation der Kostüme war in eine Mini-Choreographie verpackt, die die unterschiedlichen Kostüme wunderbar in der Bewegung präsentierte.

Darauf folgte keck und fröhlich Schachlo (Usbekistan, Deutschland)  „als Engel der Liebe, welchen du schon lange gesucht hast“, einem usbekischem Folkloretanz, reizend und professionell dargeboten. – Gut vorbereitet ging es auch mit den Oriental Divas (Schweiz) und einem Tango Arab Fusion weiter. Hier verbanden sich die runden Bewegungen des orientalischen Tanzes mit den eleganten, klaren Linien des Tangos.

Brazil Fusion war das Thema der zarten und quirligen Deby Moreira (Brasilien), die stimmig zur flötengetragenen Musik einen brasilianischen Volkstanz mit dem orientalischen Tanz verband. Schade, dass sich der Folkloretanz nicht im Kostüm wiederfand. - Das deutsche Duo Brisa fusionierte munter weiter. Die beiden Tänzerinnen verbanden drei Musikstücke mit Akrobatik, Hula Hop-Reifen, ATS®-Bewegungen und viel Enthusiasmus.

Da aller guten Fusion-Dinge drei sind, gab es danach noch eine tänzerisch perfekt getanzte Tribal Fusion Burlesque von Amirah (Belgien). Amirah darf sich stolz als „Wuchtbrumme“ betiteln, denn es bedarf großen tänzerischen Könnens, einen Tanz technisch perfekt und gleichzeitig humorvoll zu tanzen. - Mit dem ersten klassisch orientalischen Tanz des Abends erwartete das Publikum ein Leckerbissen. Nabila (Österreich) interpretierte einen Klassiker von Oum Kalthoum auf so wunderbare und sinnliche Weise, dass das Publikum mitklatschte.

Eine völlig andere Art von Erotik und Sinnlichkeit boten danach die Bellyrock-Ladys der deutschen Gruppe Mutabor. Sie setzten ihr Motto „Rock Free And Rock Your Belly“ in Lack und Leder, klaren Bewegungen und ungewöhnlichen Formationen um. - Bodenarbeit und einen Backbend brachte Sabuha Shahnaz (Deutschland) während ihres Gypsy-Potpourris viel Applaus vom Publikum ein. Nicht ganz so begeistert waren die Zuschauer vom mit Zimbeln begleiteten Trommelsolo, bei dem das virtuose Zimbelspiel leider nicht ausreichend zur Geltung kam.

Bewegung und Darbietung in herausragender Qualität und rasanten, für das Auge fast zu schnellen Abfolgen, boten Eliana, Djamila & Lorena als Vertreter der jomdance-company. - Eliana und Lorena tanzten im zweiten Teil gemeinsam mit Meral, Karima und Inci in Tarnhosen und Netzhemden einen zeitgenössisch orientalischen Tanz voller Power und der Perfektion der jomdance-company.

Den zweiten Höhepunkt der Freitags-Gala stellte die Ehrung von Morocco (USA) dar, einer der wichtigsten Tänzerinnen im Bauchtanz, die sich große Verdienste um die Erforschung des orientalischen Tanzes erworben und sich um seine Vielfalt verdient gemacht hat. Die Laudatio hielt Sabuha Shanaz, die auch Moroccos gerade erschienenes Buch „You Asked Aunt Rocky“ ins Deutsche übersetzt hat.

Tänzerische Vielfalt präsentierte Salwa (Belgien) zuerst mit einem Pop Oriental, leicht und zart dargeboten. Die Romantik dieses Tanzes wich allerdings schnell, als ein böser Geist von Salwa Besitz ergriff und sie mit einem Ajub „erweckte“. Mit diesem völlig anderen Tanzstil als erwachter Zombie entlockte Salwa dem Publikum zu Michael Jacksons „Thriller“ so manches Lachen. – Panta Dora, das sind Deby Moreira, die wir vorhin schon mit einem Brazil Fusion gesehen haben und ihre Tanzpartnerin Kamilla aus Polen, sie tanzen einen schwungvollen Raks Sharki- Tango Spice war danach angekündigt und es wurde ausgesprochen würzig; dafür sorgte Apsara Habiba (Deutschland) mit feinen, hervorragend auf die Musik abgestimmten Bewegungen.

Fast zu fetzige Schleierarbeit präsentierte Cleopatra (Frankreich, Deutschland) und versank dann in den Armen ihres Tanzpartners Antonio Rodriquez (Brasilien, Deutschland). Eine der seltenen Gelegenheiten ein Paar in Verschmelzung tanzen zu sehen. - Wie es aussehen kann, wenn im „big stage stil“ Musik mit dem Körper in Bewegung umgesetzt wird, konnte dann an Lorena Galeano (Uruguay, Deutschland) bewundert werden.
Im Gegensatz dazu dann die minimierten persischen Tanz-Bewegungen des Ensemble Maktub mit einem sicher präsentierten klassisch persischen Tanz. - Aus der Verzauberung riß die fulminante Musik, die Eliana (Rußland, Deutschland) für ihre Darbietung als Diva gewählt hatte. Anmutig und in der ihr eigenen feinen Ausstrahlung entführte sie das Publikum in ferne Welten.

Auf die Erde zurück katapultierte uns der Stargast des Abends, als er das Publikum zu lautstarken Begeisterungsrufen verleitete: Amir Thaleb (Argentinien). In seinen beiden Tänzen bot er ein umfangreiches Spektrum von romantisch bis dramatisch, von erdig bis leichtfüßig, von ernst bis animierend. Amir Thaleb ist Tänzer mit Leib und Seele, sofort im Kontakt mit dem Publikum und bringt es, auch mit Hilfe des „Eigenlebens seiner Schulter“, zum Toben!

Moderation: Maral
Fernando Corona (Argentinien)
Duo Brisa
Oriental Divas (Schweiz)
Schachlo (Usbekistan)
Deby Moreira (Brasilien)
Amirah (Belgien)
Nabila (Österreich)
Ensemble Mutabor
jomdance-academy
jomdance-academy
Sabuha Shahnaz
Eliana (Russland/D)
Amir Thaleb (Argentinien)
Ensemble Maktub
Panta Dora (Brasilien/Polen)
Lorena Geleano (Uruguay)
Cleopatra & Antonio
Die Ehrung von Morocco (USA)
Salwa (Belgien)
Apsara Habiba
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Grafische Gestaltung/Web Design: Konstanze Winkler
Die World of Orient Freitagsgala:
LATIN FEVER MEETS ORIENTAL POWER
Hannover, 15. März 2013

Showbericht
von Sylvia Sophia Assmann

Das "Fashion Defilee" von Fernando Corona zu einer Choreografie von Said El Amir