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Marta Bedriová ist eine der bekanntesten und erfolgreichsten Tribal-Tänzerinnen der Slowakei, und so etwas sagt sich nicht leicht daher. Mittlerweile tummelt sich in Mitteleuropa eine Szene, die sich sehen lassen kann. Noch trifft man sich hauptsächlich untereinander – in Tschechien, der Slowakei, in Ungarn, und auch Österreich öffnet sich dem immer mehr. Doch das zieht schon weitere Kreise, und auch bei uns waren einige dieser Künstlerinnen bereits zu sehen – die weiter unten aufgeführten Alexandra & Eszter, die im letzten Jahr als „Duo Mahasti“ bei Leyla Jouvanas Orienta- lischem Festival aufgetreten sind, oder die beiden Veranstalterinnen des Tribal Prague-Festivals, die mit ihrem Stamm beim diesjährigen 4. Tribal Festival in Hannover sehr erfolgreich angetreten sind. Wer also in diesen Kreisen als eine der bekanntesten gilt, wie Marta Bedriova, der muß schon einiges vorzuweisen haben. Umso mehr freuen wir uns, von dieser Künstlerin einen Bericht vom lebendigen Treiben in Mitteleuropa erhalten zu haben, zum Beispiel im Frühjahr 2011 in Prag. (Da kommt noch mehr, auch in dieser Zeitung.)
"TRIBAL IM ZENTRUM"

Tribal Prague, 25. März 2011
von Marta Bedriová

Übersetzung und Vorwort von Marcel Bieger

Freitag, 25. März, nachmittags. Ich sitze im Zug und fahre dem wunderschönen Prag entgegen, schon ganz gespannt auf „Tribal Prague“. Zum zweiten Mal findet dieses tolle Festival statt und wird immer populärer und internationaler. Aus allen möglichen Ländern werden Tänzerinnen auftreten, und wir erwarten auch einen besonderen Gast. Ich freue mich auf alles – die Offene Bühne, die Gala-Show und die Workshops mit dem speziellen Gast.

Der heutige Freitag steht ganz im Zeichen der Offenen Bühne, auf der neue und unbekannte Tänzerinnen, aber auch experimentelle Aufführungen ihre Chance erhalten, unter anderem. Ich fiebere dieser Schau entgegen! Um halb acht soll es im Theater „Na prádle“ losgehen, und bis dahin bleibt mir noch einiges an Zeit. So schiebe ich mich mit der Menge durch den Basar und bestaune all die wunderbaren Sachen, welche die Händler mitgebracht haben. „Tribal Prague“ ist allem Anschein nach schon zu einer festen Einrichtung geworden; viel mehr Leute sind gekommen als im letzten Jahr, und auch der Basar ist größer und voller geworden. Mir bleiben noch ein paar Minuten, um einen Blick hinter die Bühne zu werfen und ein wenig von dieser einmaligen Atmosphäre von letzten Vorbereitungen, Rascheln und Scharren, Aufgeregtheit und schwerem Schminke-Duft in mich aufzusaugen.
Ich sehe lächelnde Mienen, starre und nervöse, und ich spüre den allgemeinen Streß, als wäre er zum Anfassen. Aber ich spüre auch eine Menge starker weiblicher Energie. Wie kann man das am besten beschreiben? Mit positivem Streß? Ich mag das alles. Da ich die Mädchen nicht zusätzlich verrückt machen möchte, ziehe ich mich diskret zurück und suche mir einen Sitzplatz, von dem aus ich alles von der Show mitbekommen kann, denn heute abend bin ich hier nur Zuschauer.
Pünktlich um 19 Uhr 30 betreten die beiden Veranstalterinnen, Martina Viewegová und Katka
Havelková
die Bühne, heißen jedermann willkommen, und die Show kann beginnen.

Der Startschuß geben die jungen Mädchen vom Habibi Tribe, die zimbelnd zu Zigeunermusik und Trommeln tanzen. Eine hübsche Nummer und ganz anders als die folgende, Zuzana Korbelová mit einem Gothic-Tanz.

Richtig komisch wird es mit den Damen von Freya, die als Barbie-Puppen auftreten, gefällt mir sehr gut. Bislang war mir Monika Petrová eine Unbekannte, aber die Gruppe U2 ist mir natürlich nicht fremd, und so erlebe ich jetzt, daß Tribal Fusion und U2 durchaus zusammengehen können.
Huchi Kuchi und Tereza führen uns Tribal mit einem leisen persischen Unterton vor. Rasha präsentiert danach gewagten Tribal Fusion.

Nun tanzt das Duo Baribal eine recht interessante Choreographie zu stimmiger Musik, ich meine, auch einige afrikanische Elemente darin zu erkennen. - Hanka Lilith Kminova wartet ebenfalls mit Gothic auf, dem es nicht an Dramatik mangelt.

Die fulminante Energie des Tribal bietet der Red Rose Tribe auf, das ganze gepaart mit einem Zigeuner-Rhythmus, sie tragen weite Röcke und ein noch breiteres Lächeln. – Die stets beeindruckende Karolina Kalašová zeigt uns einen anmutigen Vintage. Ich liebe ihre starke Technik, und ihre immer wieder ansprechende Musik-Auswahl.
Der Galeb Tribe von Katka Havelková, begeistert uns mit einer komischen Fusion-Choreographie zu einer Musik, bei der frau nicht stillsitzen kann, ich wippe ebenfalls auf meinem Platz hin und her. – Den ersten Teil dieses Abends beschließt die großartige Michaela Sládečková mit „India Calling“, einem Tribal Fusion mit indischem Einschlag. Wie wunderbar sie die Eka Pada Radschakapotasana-Position hinbekommt! Ich nutze die kurze Pause, um das zu verarbeiten, was ich bis jetzt gesehen habe.
Galeb Tribe von Katka Havelková
Michaela Sládečková
Lilith
Karolina Kalašová
Duo Baribal
Zuzana Korlbelová
Martina Viewegová und Katka Havelková
Monika Petrová
Huchi Kuchi und Tereza
Marta Bedriová
Den zweiten Teil eröffnet eine spektakuläre Schwarzlicht-Show der Gruppe Siderea. Wir erkennen auf der Bühne nur leuchtende Masken, Kostüme und andere Accessoires. Die dramatische Musik kommt dazu sehr gut. – Nach dieser Einführung haben wir uns einen Tribal verdient, hier vorgetragen vom Veronika Tribe.Das spielerische Fusion-Stück von Zuzana Veselá verzaubert mich, und ihr hübsches Kostüm samt wunderhübschem Rock wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben. Gar nicht erst zu reden von ihrem fröhlichen Tanz. – Ganz anders dagegen die Gruppe Vespera Sidereus, sie tragen Masken und wirken auch sonst dunkel und dramatisch.
Und schon wieder etwas ganz anderes: die fließenden Bewegungen und jazzunterstützten Bewegungen der beiden ungarischen Mädchen Alexandra & Eszter, die mir wie Wesen aus einer anderen Welt erscheinen, einer Welt voller Schönheit und „Amon Tobin“. - Damit zur ersten Darbietung aus meinem Heimatland Slowakei: Monika Múčková überzeugt mit einem großartigen Stück Tribal Fusion. Ich bin wirklich freudig überrascht, in der Slowakei brauchen wir noch mehr so gute Tänzerinnen.

Von der Gruppe Orchidee Noire bekommt man immer interessante und ungewöhnliche Choreographien geboten, und auch dieses Gothic-Stück weist neuartige Akzente und Elemente auf, die mich sofort überzeugen. Die asymmetrischen Masken verleihen den Mädchen ein geheimnisvolles Aussehen. - Kateřina Tabhaee Nechvátalová bringt den Geist Indiens auf die Bühne und begleitet ihren indischen Tribal Fusion mit Zimbelklang.

Von Afra und ihrer Gruppe bekommen wir einen lustigen und koketten Tingel Tangel zu sehen. Die Mädels tragen Vintage-Kostüme, und ein Stuhl spielt bei ihrer Darbietung eine große Rolle. – Ungewöhnlich der Beitrag von Anička & Lady Stania mit seiner interessanten Choreographie, denn manchmal schienen sie gemeinsam zu tanzen und dann wieder gegeneinander.

Die noch recht junge Byakko tanzt ihr interessantes Solo zu elektronischer Musik. – Der letzte Beitrag des heutigen Abends stammt von den Alishaba Mädels, die aus der Slowakei kommen. Ihr Beitrag zeichnet sich durch Dynamik und einem großartigen Wirbeln der langen Röcke aus. Das würdige Ende einer großen Offenen Bühne-Show!

Was kann ich am Ende dieses Abends noch hinzufügen? Die Show wurde von reichlich Kreativität bestimmt. Das eine oder andere Mal hätten allerdings ein wenig mehr Gesten nicht geschadet, und einige Mädels scheinen das Lächeln noch nicht gelernt zu haben. Aber schließlich sind die meisten noch jung im Geschäft, und deswegen sollte man nicht zu hart über solche Kleinigkeiten urteilen. Insgesamt habe ich mehr als einmal über das hohe künstlerische Niveau und die teilweise sehr inspirierenden neuen Ideen gestaunt. Ich glaube, wir können alle voneinander lernen, wenn wir einander zuhören und uns mit Achtung begegnen. Gut gemacht, meine Damen. Und jetzt wird es höchste Zeit, schlafen zu gehen und sich auf den morgigen harten Tag vorzubereiten.
Rasha
Sidera
Veronika Tribe
Zuzana Veselá
Vespera Sidereus
Alexandra & Eszter
Kateřina Tabhaee Nechvátalová
Orchidee Noire
Monika Múčková
Afra
Alishaba
Byakko
Anička & Lady Stania
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Grafik und Layout: Konstanze Winkler
Photos ©: "Marta Bedriová" © Petr Vyhlidal, Martina und Katka © Martina Tana, alle anderen © Major Sládková