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Photos ©: Jacek Karckmarczyk, Margofoto, Shimon Rogala
Unsere „Hagalladies“ Doro und Michaela waren wieder für „Hagalla“ unterwegs, diesmal nach Warschau zum 2. Tribal Hafla Festival, wo sie auch selbst aufgetreten sind. Die Nakari haben einen umfassenden Bericht in englischer Sprache verfaßt, den wir hier gern online stellen, allerdings in zwei Teilen. Wir glauben, daß man kaum einen tieferen und besseren Einblick in die polnische Tribal-Szene erhalten kann.

GANZ EUROPA IN WARSCHAU

Zum Tribal Hafla Festival, 6. Mai 2016

von Doro und Michaela, die gemeinsam „Nakari“ sind
Ins Deutsche übertragen von Marcel Bieger

TEIL I

Wir waren zum ersten Mal auf einem Tribal Festival in Polen, und wir sind davon zutiefst beeindruckt und wollen mehr …

Unsere Reise zum Tribal Hafla Festival in Warschau fängt schon in aller Herrgottsfrühe an, aber der herzliche Empfang von den Veranstalterinnen, Agata Zakrzewska und Dominika Suchecka, macht alles wett.

Die Tribal Hafla ist noch ein recht junges Festival, es fand in diesem Jahr zum zweiten Mal statt. Die ganze Veranstaltung konnte nur mit tatkräftiger Hilfe der Warschauer Szene auf die Beine gestellt werden, und alle machten mit: Tänzer, Freunde und Anhänger. Agata sagte dann auch voller Stolz: So muß Tribal sein.

Eingerahmt von der „Trance-Formations Show“ des eigentlichen Festivals und der „Tribal Smash Party“, die nunmehr bereits zum vierten Mal von Patsy Dyjas und Magdalena Wilczynska vom „Kachina Tribe“ durchgeführt wird, steht das Workshop-Programm, in dem sich alle möglichen Spielarten des Tribal und Tribal Fusion fanden: In diesem Jahr American Tribal Style, Tribal Fusion Choreographien, Urban Fusion und der historisch erste Unmata Improvisational Tribal Style in Polen!

Doch zunächst zur großen Show, der 

TRANCE-FORMATIONS SHOW

Zur Einstimmung der Vor-Show erwartet uns eine traditionelle Tribal Fusion Choreographie von Agata Zakrzewska, dargeboten von ihren beiden Tribal Fusion Schülerinnengruppen mit insgesamt zwölf Tänzerinnen. Allesamt frische Tribal-Talente aus Polen. Das Publikum heißt sie mit lautem und herzlichem Applaus willkommen. - Iza Cichowska tanzt ein Isolations-betontes Fusion-Solo mit starken Akzenten und harten Kontrasten. Dazu gibt es einen Pop Song-Remix.

Natalia und Asia vom Perperuna Project geben eine American Tribal Style-Improvisation zu einem kroatischen Volkslied und schwingen ihre farbenfrohen Röcke zu einem unkonventionellen Hin und Her zwischen schnellen und langsamen Bewegungen. - Dominika Sucheckas Klasse aus der „Riviera“-Tanzschule in Warschau präsentiert sich mit einem rasanten Fusion-Quintett, zu dem sich zwei weitere Tänzerinnen gesellen, als im Anschluß ein OT-Trommelsolo ansteht.
Selbstsicher und selbstbewußt zeigt Sara in einem Dubstep Fusion Solo, wie gern sie tanzt und mit welchen Schritten sie am liebsten arbeitet.
– Aus ihrer Lieblings-Musik und ihrem Lieblings-Tanzstil haben Agata Andrzejewska & Katarzyna Świtoń ein Dark Fusion-Duo entwickelt. Heute treten sie zu einem Stück von „Nine Inch Nails“ auf und versehen das mit vielen uhrwerkartigen Armbewegungen.

Dominika Sucheckas Schülerinnengruppe bieten modernen Tribal Fusion zu „Do You?!“ von „TroyBoi“. Das Quintett unterstreicht das Stück mit Ticking-Technik und hübschen Formationswechseln. – Man lasse sich von dem Namen Noir nicht irreleiten. Auch wenn sie finstere Absichten verfolgen, haben sie doch auch enormen Spaß daran, die unterschiedlichsten Stile miteinander zu verschmelzen. An diesem Abend fusionieren die vier fernöstliche Einflüsse mit Elektro-Swing und bilden schöne Rahmen-Formationen, um die wechselnden Solistinnen herauszustellen.

Moderatorin Ania Kornacka schlüpft aus ihrer Gastgeberrolle, um ein introspektives Solo zu geben, das zu dem Stück „Black Ivory“ zu einem ausdrucksstarken Ausklang findet. – In ihrer lustigen Spaß Balkan-Nummer mit ATS-Elementen spielen die vier von Mantykora mit interessantem Wechsel zwischen Chorus, Duos und Solos.

Die Gruppe Kachina betritt die Bühne mit brennenden Kerzen in den Händen und läßt mit ihrer mystisch dynamischen Choreographie eine vielarmige Gottheit erstehen. Geschickt weichen sie dem Kitsch aus und zeigen einen wunderschönen Tanz voller Leichtigkeit und Stärke, voll Individualität und Harmonie, voll Licht und von Schatten. – Die Performance Group von Dominika Suchecka aus der Warschauer Tanzschule „Saggat“ zeigt uns eine Fusion-Choreographie Dominikas zu einem Remix des Stücks “Left Alone”. Die acht Tänzerinnen in ihren schnörkellosen, stromlinienförmigen Kostümen nutzen die Bühne in ihrer vollen Tiefe und Breite und lassen sich von Elementen des Modern leiten.

Nur die Macht, die aus der Gemeinschaft der Frauen entsteht, ermöglicht uns, unsere Dämonen zu zähmen. Nur unerschütterliches Selbstvertrauen erlaubt uns die Zerstörung der heilenden Trance …  Die (eigentliche) Show setzt mit einer atemberaubend eindringlichen Interpretation des Zar-Rituals durch die Flames of Bellydance ein; geboten wird eine Choreographie von Agata Zakrzewska, die an der Musik-Akademie von Lodz Choreographie und Tanztechnik studiert hat. Das Zar-Ritual wird traditionell in der arabischen Welt durchgeführt: Frauen kommen zusammen, um sich in Trance zu tanzen und auf solche Weise die Dämonen, die sie plagen, zu zähmen. Das Dazugehörigkeitsgefühl zu einer weiblichen Gruppe und die gegenseitige Unterstützung stellen das Verbindungsstück zwischen diesem alten Brauch und dem modernen Tribal Fusion dar. Und sie gab auch der Schöpferin die Eingebung für dieses Fusion-Spektakel. Die Tänzerinnen sind in blutroten Kostümen und wehendem offenen Haar angetreten, und da sie auf der Bühne alles geben, verzaubern sie den ganzen Saal. Erst nach dem letzten Trommelschlag erkennen wir, daß wir die ganze Zeit den Atem angehalten haben.
Ana Sejfried & Beata Dogan tanzen schon seit drei Jahren miteinander. Heute bescheren sie uns indisches Gefühl mit einem Lied aus Radschastan und kommunizieren mit ihren ausdrucksstarken Gesten, die von den wunderhübschen traditionellen Kostümen noch unterstrichen werden, mit dem Publikum. – Alicja stürmt in silbernem und grauem Kostüm zu elektronischer Musik auf die Bühne, und in ihrem Solo verwebt sie Drehen, Wirbeln und Shimmies, verknüpft sie Kraftfülle mit zierlichen, weichen Bewegungen.
Nun erwartet uns eine hübsche ATS-Nummer von Gosia & Kasia, in der sich alle Möglichkeiten und Variationen des Zweitanzes wiederfinden. Zusätzlich unterstützen sie ihre Darbietung mit Zimbeln. - Iza Logonowicz gründet ihr Solo auf unerwarteten und aufregenden Bewegungen, bedient sich dabei der von ihr studierten Laban-Techniken und läßt die subtile Musik in den Räumen zwischen Ruhe und Spannung lebendig werden.
Wir selbst, das Duo Nakari, führen nun unser jüngstes Stück vor, „Swamp Gods“, zu dem uns die Musik von Thriftwork und ein Gedicht von Mary Oliver inspiriert haben: “Here is the endless wet thick cosmos, the center of everything… Here is swamp, here is struggle, closure - pathless, seamless, peerless mud.”
Chorasan ist eine alte Provinz im östlichen Iran. Die Frauen der Nomaden-Stämme weben hier ihre berühmten Teppiche, als plötzlich eine von ihnen Klage über ihre Einsamkeit führt und von ihrem Liebsten erzählt, der in den Krieg gezogen ist. Alexandra Afsanesara Apsara zeigt uns einen einmaligen Fusion mit Elementen des Tribal und denen der verwandten Tänze Persiens und Zentralasiens.
Das Menada Dance Collective aus Warschau zeigt sich uns jetzt in Person von Eka Madziarowicz und Kasia Zagubieniak in ihrem sprichwörtlichen Stil von frechem und starkem Tribal Fusion zu Elektro-Pop. Ihre flotten Formationswechsel bilden eine attraktive Harmonie, wenn sie viel Bein zeigen und die Musik mit raschen Tritten und Schritten unterstreichen.
Nun folgt eine Collaborative Belly Dance Performance in drei Akten:

"Sucht – Dämonen, Einsamkeit, Erlösung" wirkt auf den ersten Blick ganz ruhig, doch untendrunter scheint Spannung zu herrschen. Ständig wandelt das Bild zwischen Gruppen und Soli, zwischen kampfkunstartigen Bewegungen und minimalistischer Kostümierung und  zu harter elektronischer Musik. Die Choreographie stammt von Magdalena Wilczyńska, und die Tänzer sind: Dominika Suchecka, Izabela Cichowska, Catherine Wronka, Magdalena Wilczyńska, Nika Woźnicka and Karolina Pawlowska.

Sie kommt aus Peru, lebt aber zur Zeit in der Schweiz, Fiorella, die mit ihrem Tanz der stillen Freude, der subtilen eleganten Bewegungen und der femininen Energie voller dramatischer Dreher und begeisternder Bauchrollen ihre Liebe zur Heimat unter Beweis stellt. -  Samarkanda stammt aus Krakau und verknüpfen in ihrer Choreographie zwei Welten, wie man sie sich entfernter kaum vorstellen kann. Die Bewegung zwischen ihnen erfordert einen ständigen Wechsel der Ebenen bei festen Formationen, die sich über die gesamte Breite der Bühne bewegen. Die Rede ist von der Fusion zwischen irischem Tanz und Tribal, und die gelingt der Gruppe meisterlich.
Aus Deutschland ist Melli Sarina angereist, und sie zeigt mit ihrer präzisen Technik und ihren fließenden Übergängen, wie weit sie sich fortentwickelt hat. Sie interpretiert die Musik durch sanfte Akzentuierungen und gleitende Bewegungen. – Drei ATS Sister Studios in Gestalt von Agata Zakrzewska und Katarzyna Lidia aus Warschau und Philippa Moirai aus London haben sich zusammengetan, um ihre meisterliche Beherrschung dieses Stils unter Beweis zu stellen. Es fängt ganz langsam an und wird mählich schneller, und dazu schwingt das Trio die weiten Röcke, um seine Bewegungen zu unterstreichen und das Publikum in einen Wirbelwind von Farben zu ziehen.
Dominika Suchecka verzaubert uns mit einem verträumten, in sich gekehrten Solo, folgt der Musik mit flinken Isolationen und eleganten Drehungen und verleiht dem Tanz mit Bodenarbeit-Einschüben und einem ergreifenden Finale seine ganz besondere Note. - Magdalena Niernsee Lakshmi hat vor kurzem ihr vierjähriges Studium des Kathak in Neu-Delhi abgeschlossen und unterrichtet zur Zeit im „Centre for Indian Culture and Sport“ in Warschau. Ihre heutige Darbietung erzählt von einer jungen Frau, geschmückt mit den schönsten Ornamenten, die während der Monsun-Zeit auf ein Treffen mit ihrem Liebsten wartet.
Die britische Künstlerin Philippa Moirai gönnt uns nun ein ATS-Solo zu einer Musik von „Djinn“, zu dem sich bald Agata und Katarzyna gesellen und das flotte Stück bis zum aufregenden Finale mit ihren Zimbeln begleiten. -  Piny Orchidaceae aus Portugal beschreibt sich selbst als Träumerin und Kunstliebhaberin. Aus ihrem Solo „Sincerity“ kündet emotionale Aufrichtigkeit. Mit ihrer Spezialität des kraftvollen Auftritts und der Körperkontrolle nimmt sie das Publikum vom ersten bis zum letzten Moment gefangen.

Die heute in Spanien lebende gebürtige Kanadierin Mat Jacob betritt nun die Bühne zu einer Choreographie, die Gegenstand ihres Workshops gewesen ist. Es ist immer eine ganz besondere Erfahrung, ein Stück auf der Bühne zu sehen, das man gerade vor ein paar Stunden erlernt hat. Mats anmutige und kraftvolle Bewegungen finden vor dem Hintergrund eines psychedelischen indischen Liebesliedes aus den Siebzger Jahren statt und enthalten viele unerwartete Nuancen und ein verträumtes weibliches Grundgefühl.
Doro & Michaela, Nakari
Perperuna
Iza Cichowska
Schülerinnen von Dominika Suchecka
Sara
Kasia und Agata
Schülerinnengruppe Dominika Suchecka
Noir
Kachina
Ania Kornacka
Mantykora
Schülerinnen Dominika Suchecka
Flames of Bellydance
Ana & Beata
Iza Logonowicz
Alicja
Apsara
Doro & Michaela,  Duo Nakari
Menada Dance Collective
Samarkanda
Collaboration Belly Dance Performance
Melli Sarina
Fiorella
Dominika Suchecka
Lakshmi
Philippa Moirai, Agata Zakrzewska und Katarzyna Lidia
Pini Ochidaceae
Mat Jacob
Philippa Moirai
Gosja & Kasia
Grafische Gestaltung/WebDesign: Konstanze Winkler
Homepage: www.tribalhafla.pl
Tribal Hafla Festival bei facebook ...
Homepage Nakari: www.nakari.info
Duo Nakari bei facebook ...
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