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Showberichte
Nein, zum ersten Mal dienstlich in Nürnberg waren wir nicht, im Frühjahr haben wir dort Enussahs „Total Oriental“ besucht und waren so begeistert, daß wir auch ihre zweite Festival-Reihe, „Tribal Convention“ kennenlernen wollten. Und auch das haben wir nicht bereut, im Gegenteil. Was sich dort alles getan hat, lest ihr jetzt, und es lohnt sich.
Photos © Konstanze Winkler
Grafik/WebDesign: Konstanze Winkler
Illan Rivière
Rakas
Mahsa
Duo Aleyna
Wie mittlerweile jedes Festival, das auf sich hält, führt auch Enussah ihren eigenen Wettbewerb durch, den „Tribal Fusion Star“, dazu gibt es eine Menge Workshops, eine Abend-Gala und Rakas, die Show-Tanzgruppe des Hauses, die nicht nur bei der Show auftritt, sondern auch sonst überall zu finden ist und das symbolische fröhliche Lachen dieses Festivals darstellt.
Der Auftakt der Gala kommt von eben den Rakas, die im vergangenen September ihre erste eigene Abend-Show nicht nur durchgeführt, sondern auch mit Grandezza bestritten haben. Sie tanzen jetzt aus dieser Show die Eröffnungsnummer, und bei ihnen ist Lukas mit einigen ausgesuchten artistischen Darbietungen. Wir erleben insgesamt eine kunstvolle und ganz und gar prächtige Aufführung mit Isis-Flügeln.
Nun erst zeigt sich Moderatorin Birte (Foto s. oben) auf der Bühne und begrüßt nicht nur uns, sondern auch die Wettbewerbs-Sieger, die „Tribal Fusion Stars“, wenn das Wortspiel erlaubt ist.

In der Kategorie „Gruppe“ ist dies das Duo Aleyna (Samantha & Laura), noch jung an Jahren, aber sehr harmonisch und aufeinander eingestimmt, die uns eine interessante Tribal Fusion-Choreographie bieten.
Bei den Solisten stand Mahsa auf dem Siegertreppchen, nun bekommen wir sie und ihren Puppentanz zu arabisch untermaltem Dub Step zu sehen. Eine Portion Ballett ist auch drin, und wir spüren, warum sie es auf den ersten Platz gebracht hat.
Sie darf auf keinem Tribal-Festival fehlen, die dienstälteste ATS-Gruppe in Deutschland, Neas Tribal. Uns erwartet zunächst ein langsames Stück mit einigen eigenen Figuren, wie ja dieser Stamm eben gern „Neas Tribal“ tanzt. Das zweite Stück ist deutlich schneller und hat etwas von einem Trommelsolo in sich. Wie sehr diese Frauen wieder Spaß haben bei ihrem Tanz!

Aus England stammt Alexis Southall, die ihre Musikauswahl – Dub Step, natürlich – mit vielen Shimmies anreichert.
Das österreichische Duo Nakari tanzt jung und sportlich, ein Schuß Ballett ist auch mit dabei, und sie lieben es anscheinend auch, ganz eigene Figuren einzubringen. Am besten gefallen sie uns, wenn sie nahe beieinander tanzen.

Leylah Sadim trägt zu Dub Step-Musik einen tollen Schleiertanz vor, das Accessoire entpuppt sich mittendrin als Voi Poi, und die nun gezeigten Bewegungen sind voller kraftvoller Dramatik. – Romy vom internationalen BDSS-Ensemble und gleichzeitig Mitglied bei „Rakas“  präsentiert eine der allerneuesten Spielarten des Tribal Fusion, den „Neo Swing“. Keck, sexy und quicklebendig mischt sie ihren Charleston mit Bauchtanz-Einlagen, so als hätte sie ihr Leben lang nichts anderes getan.
Nea's Tribal
Alexis Southall
Wenn man an Tribal Fusion aus Frankreich denkt, fällt einem spontan Illan ein, der nicht mehr ganz so häufig bei uns zu sehen ist, weil er bei seiner mittlerweile internationalen Karriere ständig irgendwo unterwegs ist. Was er mit seinem Körper alles anstellen kann und wie sehr er ihn beherrscht, fasziniert immer noch wie beim ersten Mal.
Yela gehört ebenso zu Rakas und hat auch als Solistin etwas zu bieten. Ihr Tribal Fusion ist wild und expressiv und besticht durch den Einsatz ihrer blonden, wallenden Haarmähne, die sie hin- und herwirft, stützt ihr Tanz sich doch auf Heavy Metal (gar nicht so einfach, auf Schwermetall zu tanzen, Yela beherrscht es).
Romy
Leylah Sadim
Duo Nakari
Illan Rivière
Yela
Moderatorin Birte
Tribe of Goths gehört zum Hause „Scarabeo Palace“, Enussahs Tanzschule, denn sie tanzen unter der Leitung der dortigen Tribal-Lehrerin Leylah Sadim. Insgesamt 14 Tänzerinnen tummeln sich auf der Bühne, und das paßt ausgezeichnet zu ihrem Balkan Tribal Fusion mit viel Röckewirbeln, zünftiger Choreographie und Nachschlag.

Ida Mahin hat sich wieder etwa ganz Besonderes ausgedacht: Ihr „Sterbender Schwan“ hat, bis auf den Anfang, nur noch wenig mit dem berühmten Ballett gemeinsam, denn Idas Schwan bricht nach kurzer Zeit wie von einer Kugel getroffen zusammen, und die Augsburger Künstlerin drückt das in irrer Mimik und Todeskampfakrobatik aus, und die hektische Dub Step-Musik tut ein übriges zu dieser atemberaubenden Darbietung.
Aus dem Hannoveraner Stamm „Perlatentia“ kommt Patricia, die uns jetzt puppengleich zu spanischer Gitarrenmusik tanzt. Ihre außerordentlichen Shimmies auf der einen und ihre unnahbare Ausstrahlung auf der anderen Seite verleihen diesem Beitrag etwas wahrhaft Ungewöhnliches.
Die Deutsch-Russin Eliana ist in jedem Genre zuhause, manchmal schwermütig, aber immer leidenschaftlich tanzt sie heute an den Bossa Nova angelehnt zu einem Pop-Musik-Stück. Sehr locker im Vortrag, auch wenn sie uns dazu eine eher melancholische Geschichte erzählt.

Noch einmal Illan, aber begleitet von den Teilnehmern eines seiner Workshops bei diesem Festival. Gut zwanzig Personen oder mehr tummeln sich auf der Bühne, der junge Maitre hat ein Modern-betontes Tribal Fusion-Stück ausgewählt, und die Tänzer strecken die Arme mal zu den Seiten und mal nach oben aus, so daß man an einen Tag im Leben einer Riesen-Seeanemone erinnert wird.
Aus Ingolstadt stammt die Formation Anima Sana, der die Künstlerin Gamila vorsteht, eigentlich eine bekannte OT-Tänzerin. Doch hat sie sich mit dieser Truppe einen Traum erfüllt und tanzt zu mittelalterlicher Musik recht authentisch so, wie man vor 500 oder 1000 Jahren auf Kirchweih, Hochzeit und Erntedank getanzt hat.
Nach der Pause führt uns Ida Mahin mit ihrer Gruppe Ereshkigal vor, wie es in der „Linie 9“ zugeht. Ein urkomisches Slapstick-Tanzstück mit Anlehnungen an Charlie Chaplin, wie es wohl nur Ida zustandebringt. – Lukas, der Kraftmensch und Athlet, den wir vorhin zusammen mit der Gruppe Rakas erleben durften, führt uns nun in seinem Solo mit Tisch, Stühlen und einer Flasche vor, wozu man solche Geräte artistisch weiterverwerten kann. Ein unglaubliches Talent.
Wieder ist es Zeit für Rakas, in deren Mitte Romy wie eine Soul-Diva aus den 60er und 70er Jahren auftritt. Sie tanzt sehr körperbetont, und die „Romyettes“ (wie man sie damals in den USA genannt hätte) umfloren sie mit Bändern an Stöcken. Eine fetzige Nummer. – Applaus für die Meisterin selbst, Enussah lädt uns ein zu ihrem Säbeltanz in goldenem und schwarzem Amazonenkostüm, im zweiten Teil wird es hochdramatisch, wenn sie als Hohepriesterin auftritt, und im dritten Teil beruhigen sich unsere Nerven wieder, als sie ganz klassischen OT gibt.
Der zweite Beitrag des Tribe of Goths bringt uns den Steampunk zurück, wenn auch nur in Anleihen, die Spieluhr wird mit Schlagzeug unterlegt, und Dub Step bildet die Grundlage dazu.
Galathea als „Loreley“, warum ist da nur nicht eher einer drauf gekommen. Beide, Tänzerin wie Sagengestalt, sind wie füreinander geschaffen. Galathea erzählt, im mittelalterlichen Reigen schreitend, die uralte Geschichte.

Und da wir schon im Mittelalter angekommen sind, wird es jetzt Zeit für den zweiten Auftritt der Anima Sana. Was so einfach aussieht, ist doch Ergebnis einer komplexen Choreographie. In immer neuen Formationen tanzen die Mädchen, und der graue Assyrer trommelt dazu.
Zurück in die Moderne mit Amanda aus der Schweiz. Zu Unterwassermusik bewegt sie sich in langsamen, flüssigen Formen drückt sie Freiheit und Gelassenheit aus, bis die Musik hektischer und elektronischer wird und Amanda erst nach einigen schnelleren Tanz-Sequenzen zum Frieden der Unterwasserwelt zurückfindet.
Patricia zum zweiten: Eine Italo-Western-Gitarre bietet ihr die Grundlage für einen langsamen Tribal Fusion in bester technischer Perfektion. – Im zweiten Teil präsentiert sie uns die „Bulgarian Chicks“, eines der Stücke, mit denen sie und „Perlatentia“ bekanntgeworden sind. Und man könnte wirklich meinen, diese Nummer sei ihr (und ihnen) auf den Leib geschneidert. - Auf der Stelle stehen bleibt Alexis Southall bei ihrem Tribal Fusion, verzichtet diesmal aber auf ihre Shimmies, arbeitet stattdessen mehr binnenkörperlich.
Der zweite Auftritt der beiden Frauen von Nakari. Uns erwartet zunächst ein Modern-Stück mit ernsten, sphärischen Klängen und Trommel. Im zweiten Teil kommen sie uns mit einem rasanten Zigeuner-Swing a la Django Reinhard und tribaln dazu (doch, das geht, wie wir sehen können).
Die Gruppe Dulcinea aus Ulm kommen uns jetzt etwas mystisch, auch wenn sie dazu Sonnenschirme drehen, dann geht es charmant weiter mit einem Balkan-Neo-Swing („Bucovina“), und dazu wird kräfit getribalt. Wie hübsch, und wieviel Spaß sie dabei haben!

Und noch einmal dürfen wir Illan erleben, diesmal mit einem Samurai-Rock bekleidet, den sein übergroßes Talent zu allen möglichen Kapriolen zu gebrauchen weiß. Endlich trägt er ihn wie eine römische Toga und entwickelt daraus einen Tanura. Da fehlen einem die Worte. – Yela & Lukas verführen uns mit einem sehr romantischen und sehr akrobatischen Paartanz. Bei diesen beiden ist soviel Potential zu erkennen, daß man sich schon auf den nächsten Auftritt freut.

Jetzt sehen wir Leylah Sadim wieder, diesmal mit der Gruppe Eilistraee, und sie tanzen uns zu opernhafter Fantasy oder Gothic-Musik mit Rock unterlegt einen mystischen Isisflügel-Tanz. – Eliana hat ein Remake des alten Cindy-Lauper-Hits „Girls Wonna Have Fun“ ausgegraben und interpretiert ihn natürlich ganz auf ihre unnachahmliche Weise. Mit Spinett-Klängen, türkischer Folklore und kernigen Rock-Klängen. Und selbst das tanzt sie überragend, leidenschaftlich und ihrer ganz eigenen Eleganz. - Fröhlich, flott und frech beenden Rakas jetzt diesen wunder- baren Abend. Zehn Frauen wirbeln über die Bühne, Enussah ist auch dabei, aber sie gehört ja auch dem Ensemble an, und mit viel, sehr viel guter Laune verschmerzen wir das Bedauern, schon am Schluß angelangt zu sein …
Jetzt ist es wieder Frühjahr, und erneut öffnet Enussah ihre Pforten in der fränkischen Stadt. Wir haben zwei großartige Festivals von ihr und ihren Gästen erlebt (siehe auch Bericht über „Total Oriental“ in dieser Zeitung), und wir freuen uns auf das nächste „Total Oriental“-Festival am 2. Mai 2015.
www.total-oriental.de
www.tribal-convention.com
Tribe of Goths
Ida Mahin
Anima Sana
Eliana
Patricia
Illan Rivière und Projektgruppe
Ida Mahin und Ereshkigal
Lukas
Romy und Rakas
Tribe of Goths
Enussah
Galathea
Amanda
Patricia
Alexis Southall
Anima Sana
Duo Nakari
Dulcinea
Yela & Lukas
Illan Rivière
Eliana
Eilistraee
Rakas
Finale

TRIBAL CONVENTION
Photos © Konstanze Winkler
8. November 2014 in Nürnberg

Showbericht
von Marcel Bieger