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Photos © Konstanze Winkler
Der alljährliche Höhepunkt des Tribal-Lebens in Deutschland und Europa kommt für gewöhnlich um Juni über uns, und dann zieht es Tribal-Tanzwütige und –freunde aus ganz Europa nach Hannover. Uns natürlich auch, und weil es auf diesem Festival so viel zu bestaunen gibt, haben wir den Bericht auch in mehrere Kapitel aufgeteilt.

VON BDSS BIS MERKABA

Zum 6. Internationalen Tribal Festival Hannover,
7.-9. Juni 2013

Text: Sylvia Sophia Assmann & Marcel Bieger,
Graphik: Konstanze Winkler

Zum sechsten Mal hintereinander (von 2008-2013) fand im Juni das alljährliche Internationale Tribal Festival Hannover statt, und so etwas darf sich nicht nur Tradition nennen, es ist tatsächlich eine. Und dieses TFH ist immer noch quicklebendig, beweist ständig aufs Neue Innovationskraft und zeigt keinerlei Anzeichen von Alter oder Verschleiß. Mehr noch, Veranstalterin Asmahan el Zein hat mit diesem Festival bewiesen, daß ihr Tribal-Festival den europäischen Olymp erreicht hat und auch längst rund um den Erdball eine Rolle spielt. Wieder sind die besten und prominentesten Stars des Genres angereist, und natürlich haben auch die talentiertesten und ehrgeizigsten Künstlerinnen der nächsten Generation den Weg nicht gescheut.

Sogar die legendären „Bellydance Superstars“ haben auf ihrer zur selben Zeit stattfindenden „BDSS Club Tour“ durch Deutschland einen Abstecher nach Hannover eingelegt und dort vornehmlich Tribal-Workshops gegeben (statt wie sonst üblich in verschiedenen Bereichen des Bauchtanzes).Asmahan hat ihnen gern den Festival-Freitag abgetreten, den sie mit ihrer Show und der sogenannten „Pre Show“ gefüllt haben. Letztere gehört zum festen Programm der BDSS-Tournee, und dort sollen dann vor allem Künstlerinnen auftreten. Anders bei Asmahan, sie schickte eine Welt-Auswahl von Tribal-Künstlerinnen in die „Vor-Show“. Über die Bellydance Superstars siehe den Folge-Artikel, der Mitte November in dieser Zeitung erscheint, zeitgleich und in Absprache mit dem führenden US-Magazin „Zaghareet".
Der Samstag gehörte dann wie gehabt den Wettbewerbs-Beiträgen zum „Tribal Star“, der Offenen Bühne und als Höhepunkt der Abend-Gala. Der Sonntag schließlich stand ganz im Zeichen des Wettbewerb-Finales und der Siegerehrung mit der Preisverleihung.

Seit drei Jahren findet die Veranstaltung (im wesentlichen) im noch aus der Kaiserzeit stammenden “Turn Klubb Hannover” statt, einem Haus voller wunderbarer Atmosphäre, romantischen Bogennischen und vor allem viel Platz. Die Bühne steht mitten im Raum, an den Wänden bieten die unterschiedlichsten Händler ihre Waren feil, und weil alles so geräumig ausfällt, gelangen Besucher, Kauflustige und Neugierige rasch von einem Punkt zum anderen, wenn sie denn wollen. Auch wenn sich hier, auf dem größten Tribal-Festival Europas, selbstredend sehr viele Menschen einfinden, hat man in der Halle dennoch nie das Gefühl, im Gewühl ersticken zu müssen.
   
Fast die ganze Zeit über herrscht auf der Offenen Bühne Betrieb, wo Neulinge sich zum ersten Mal vor einer richtigen Menge (und nicht nur bei einer Familienfeier) bewähren wollen, aber auch alte Häsinnen, die einfach aus Spaß an der Tanzfreude ein neues oder älteres Stück aufführen. Diese „Open Stage“ wird mehr und mehr zu einer der tragenden Säulen dieser Veranstaltung, die Bewerbungen kommen nicht nur aus Deutschland oder den Nachbarländern, sondern aus ganz Europa und sogar von jenseits des großen Teiches.

Die Moderatoren in diesem Jahr waren Elena und Jan, die man sicher als die dritte Ansager-Generation bezeichnen darf. Jan war zum ersten Mal dabei, und wenn man das verständliche Lampenfieber außen vor lässt, hat er seine „Feuertaufe“ sehr gut bewältigt. Elena betreut die Shows schon seit mehreren Jahren, und sie hat sich ganz ohne Frage zu einer der Fix-Punkte der Veranstaltung entwickelt. Zu den tragenden Säulen gehören auch die zahlreichen unsichtbaren Helfer, ohne die einfach nichts klappen könnte. Beginnen wir jetzt sozusagen mittendrin, nämlich mit der Samstags-Abend-Gala:

SAMSTAGSABEND-GALA:

Die Show startet mit einem Wirbelwind, bestehend aus den zwölf Tänzerinnen von Anima Sana (inklusive der Chefin Gamila), und sofort verbreitete sich Mittelalter-Atmosphäre im Saal. Die Mädels tanzen wie entfesselt, und den Takt gibt ihnen Rudi von Zackenflanke auf seiner Baß-Tabla vor. Kurzum, gleich zu Beginn wird das Haus gerockt.

Von der Vergangenheit in die Zukunft, Fire, die früher bevorzugt indisch getanzt hat, hat ihre Liebe für maschinenhafte Bewegungen gefunden, und weil sie das alles schon in tanzbare Formen gegossen hat, bevor es dem Begriff „Steampunk“ gab, nennt sie ihre Kunst „Robo-Dance“, weswegen ihre Fans sie auch „Robo-Queen“ nennen, und beide haben recht. - Von der Zukunft zurück in die Vergangenheit, diesmal in die Kaiserzeit. Anita Blake sieht aus, als sei sie einer alten Postkarte entsprungen, auf der eine orientalische Tänzerin abgebildet ist, und ihre eleganten und zarten Bewegungen im Verein mit der traurigen Geigenmusik erwecken das Gefühl, einen getanzten Seufzer zu erleben. – Martina Viewegova tanzt zu Dub Step-Begleitung Szenen aus dem Film „Titanic“, zumindest will es so erscheinen. Sie gehört zu den besten Tänzerinnen Tschechiens.
Später werden wir sie noch einmal sehen, dann gemeinsam mit ihrer Kollegin Afsana, eines der Flaggschiffe der tschechischen Tribal-Szene. Die beiden zeigen uns einen exotischen, erotischen und eleganten Schwerttanz. Afsana wird im nächstens Jahr in Prag das nomadisierende Festival „Tribal Umrah“ empfangen, während Martina auch 2014 wieder ihr Festival „Tribal Fest Prague“ durchführen wird. Diese Veranstaltung mausert sich zu den großen und wichtigen in ganz Mitteleuropa.
Aus Deutschland kommt Amina, und sie liebt Asien. Ihr Kostüm setzt sich aus japanischen und thailändischen Teilen zusammen, und darin bietet sie einen Schleiertanz dar, dem eine leichte Kürzung gut tun würde.

– Aus Berlin sind wieder Majallah dabei, und die zeigen, daß sie immer noch sehr frech sein können. Sie tanzen wie in einer Diskothek, aber nicht das übliche Gewackel, sondern eine Art Modern-Tribal: die sehr tanzbare Musik stammt übrigen von Sayed Balahas neuester CD.
Nach der Gruppe Libra Sisters mit improvisiertem ATS® stürmt die Gruppe Ambrosia aus Slowenien angetan als Dämonen die Bühne und tragen mit ihren Poi Vois zur Zerstreuung ihrer Herrin Vesna bei. Ein Anblick, der für Gruseln und Gänsehaut sorgt. In der anschließenden Pause können wir wieder zu Atem kommen. Ambrosia war nicht zum ersten Mal in Europa und darf immer noch als die Mutter allen Tribals in dem Land im Norden des ehemaligen Jugoslawiens gelten.
Nach den Dämonen bekommen wir es mit Piraten zu tun, dem Stamm Benat Kom Ombo, angeführt von Käpt’n Dunyazade. Die wilden Gesellinnen bedrängen einander mit dem Krummsäbel, lassen die Fächerschleier (natürlich die Piratenflagge „Jolly Roger“) flattern und werden von Orchestermusik begleitet, die ein wenig, oder auch ein wenig mehr an die Film-Serie „Fluch der Karibik“ erinnert.

– Präzise Bewegungen und Einsatz des ganzen Körpers beim Tanz sind die Markenzeichen von Patricia Zarnovican. Was als Dub Step beginnt, endet in Zigeunergeigen.

– Schrille Aufmachung, flauer Tanz, ob von Holy Pie mal etwas Neues kommt?

Californien hat uns Martha Saunders beschert, die dort in der zweiten FCBD®-Gruppe getanzt hat, bevor sie nach Deutschland kam und dort blieb. Aber sie tanzt den Solo-ATS® immer noch wie keine zweite, und ihre Kunst ist voller Ausdruckskraft und Erhabenheit. – Die Deutsch-Russin Eliana verwöhnt uns mit einem Volkslied aus ihrer Heimat, das sehr langsam und traurig beginnt, dann aber immer mehr an Fahrt gewinnt, bis alle im Saal klatschen und pfeifen. Die Künstlerin läßt sich immer wieder etwas Neues einfallen und gehört zu den ganz Großen unserer Szene.
Gleich im Anschluß ein weiterer Höhepunkt, Neas Tribal aus dem schönen Westerwald. Sie gehören zu den allerersten deutschen Tribal-Stämmen (einige meinen sogar, sie wären der älteste) und feiern im kommenden Jahr ihren 15. Geburtstag. Gleich ob sie in ganz großer oder nur in großer Besetzung auftreten, man bekommt bei ihnen eine gute Vorstellung davon, warum der ATS® so populär geworden ist und seine Akteurinnen so stolz und voller Freude wirken.
– Es folgt ein Tribal Fusion von Eliran aus Israel (vormals Bulgarien) in viel zu spärlicher Kostümierung.
Apsara Habiba, konnte in diesem Jahr ebenfalls Bühnen-Jubiläum feiern, und bleibt auch in heuer ihrem leichten Hang zu gewalttätigen Bühnen-Szenen treu. Sie läßt zwei ihrer Stämme als Straßen-Gangs mit Messern aufeinander los und einige markante Szenen aus dem bekannten Musical „Westside Story“ nachtanzen. Doch im Gegensatz zum Original geht am Ende alles gut aus, und man verträgt sich wieder miteinander.
Aus Großbritannien stammt Alexis Southall, wo sie allerlei Tribal-Zusammenkünfte organisiert. In England ist die schwarze Variante des Tribal Fusion sehr angesagt, und so etwas bekommen wir auch von ihr geboten, düster und ausdrucksstark, aber mit einer romantischen Geschichte.
Kurz vor dem Schluß-Akt kommen die, die in Hannover niemals fehlen dürfen, die Mädels von der Vorzeigetruppe des Nordens, Perlatentia. Sie bieten ihren gewohnt professionellen ITS, und all dieses Drehen und Wehen und Flattern und Laufen ist von beeindruckender Synchronität
Als Ende dann der US-Star Deb Rubin mit einem der für sie typischen Tribal Fusion-Stücke, mit denen im Gepäck sie um den ganzen Erdball gereist ist. Doch damit nicht genug, kündigt sie eine Überraschung an: ihr Merkaba-Projekt. Darin erscheint sie mit Tänzerinnen aus dem Land auf der Bühne, in dem sie gerade zu Gast ist. Hier und heute sind das Guiliana Angelini und Inga Petermann, zwei unserer talentiertesten neuen Künstlerinnen und Mitglieder der „Jungen Wilden“. Nicht umsonst hat Deb diese beiden erwählt, denn nun erleben wir ein fulminantes Trio von Tempelpriesterinnen, die gemeinsam sehr schön synchron tanzen, aber auch jede für sich ihren Solo-Part bekommen. Was für ein Paukenschlag als Schluß-Akkord!
Ambrosia
weiter zum Interview mit Contest Gewinnerin Camew ...
Finale
Moderatoren-Duo Elena Sapega und Jan Trummel
Anima Sana
Fire
Martina Viewegovà
Martina und Afsana
Anita Blake
Amina
Majallah
Libra Sisters
Ambrosia
Benat Kom Ombo
Patricia Zarnovican
Martha Saunders
Holy Pie
Eliana
Eliran
Neas Tribal
Apsara Habiba und ihre Stämme
Alexis Southall
Perlatentia
"Merkaba" - Giuliana Angelini, Deb Rubin und Inga Petermann
Veranstaltungsort: Turn Klubb Hannover

6. Internationales Tribal Festival

Hannover, 7. -9. Juni 2013
Die Samstagabend Gala