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Showberichte
Photos © Konstanze Winkler
weiter zur Tribal Fusion Night...
ORIENTALE 2014
Düsseldorf, 27.2 - 02.03.2014
von Marcel Bieger

Die Orientale, längst im dritten Lebens-Jahrzehnt, erfuhr im Rahmen einer hausweiten Umstrukturierung eine Programmkürzung und fand nur noch an drei Abenden statt. Und als sei dies, wenn auch kein Allheilmittel, so doch eine Vitaminspritze, wurde das Haus an allen drei Abenden proppenvoll, das Festival erhielt 2014 an 3 Tagen bald mehr Zuschauer als in früheren Jahren in einer Woche. Hier unser Bericht:
ERÖFFNUNGS-GALA, 27. Februar 2014
Aus Aachen kommt Dia Dence, ihres Zeichens Fachfrau für „burlesque“, die Tanzrichtung aus den USA, die sich dem alten Tingel Tangel verschrieben hat und weniger die Tanzkunst als den Eros in den Vordergrund stellt. Doch zur Beruhigung für alle Veranstalter, es handelt sich dabei nur um ein Spiel mit der Phantasie und kommt nie zum äußersten. Dia Dence gibt ihre Kenntnisse übrigens auch als Dozentin an der diesjährigen Sommer-Akademie von Manis weiter. – Die weltberühmte Anasma erscheint im Katzen-Schleichgang auf der Bühne. Ohne Musik stellt sie pantomimisch die typischen Bewegungen und Verhaltens-Eigenheiten dieser Tierrasse dar, begleitet von der italienischen Clownin Chiara als „Frauchen“. Anasma besitzt nicht nur eine sagenhafte Körperbeherrschung, sie versteht es auch, auf die nun einsetzende Musik „katzenhaft“ zu tanzen.

Ensemble Lazurie, ein junges Septett, bietet mit jugendlichem Elan und Pep einen schwungvollen Shaabi dar. – Nun aber die Meisterin selbst, Manis wirbelt ihre Doppel-Fächerschleier zu den Dub Step-Klängen von „Crystallize“, das Lindsay Sterling eigens für sie eingespielt zu haben scheint. Mit den romantisch leidenschaftlichen Bildern, die Manis zu den Klängen entwirft, erschafft sie in den Köpfen der Zuschauer ganz eigene Assoziationen.

Mit einem atemberaubenden Kostüm rauscht Deb Rubin auf die Bühne und beschert uns einen Tribal Fusion, begleitet von den schrill verklärten Gesängen eines Frauen-Chors. In ihrem zweiten Stück trumpft sie zum Trommel-Solo von „Beatbox Guitar“-Chef Pete List auf, das einst die New Yorker Tänzerin Elisheva berühmt gemacht hat. Aber Deb tanzt sie nicht nach, sondern gewinnt dem Stück ganz eigene Akzente ab. – Die letzte in der ersten Halbzeit ist die ukrainische Vorzeige-Tänzerin Marta Korzun die dieser Orientale-Gala das schenkt, was ihr bis jetzt gefehlt hat, den orientalischen Paradetanz Raks Sharki nämlich. Komplett mit Schleier-Intro, natürlich, und mittendrin das obligatorische Trommel-Solo. Und der eigentlich „arabische Tanz“ schließlich mit einer bravourösen Mischung aus melancholisch-romantischer und dann wieder rassig leidenschaftlichem Ausdruck. Marta war zum ersten und hoffentlich nicht letzten Mal im „tanzhaus.nrw“.

Aber nun zu den einzelnen Abenden des laufenden Jahres. Den Reigen eröffnet das Ensemble Pierre Moussa mit eine flotten orientalischen Tanz, der das Publikum gleich in die richtige Stimmung für den weiteren Abend bringt. – Sophia Chariarse zeigt uns eine ihrer Spezialitäten: klassischen indischen Tanz, eine ungewohnt turbulente Nummer mit geheimnisvollen rituellen Bewegungen. Sophia Chariarse ist übrigens Dozentin an der gerade angelaufen Sommer-Universität von Manis. Manis und Sinam präsentieren anschließend ein Stück mit Voi-Pois und tollen Leucht-Effekten, die bis zu den letzten Bewegungsabläufen immer schillernder werden.
Nach Bollywood entführt uns Sophia Chariarse, die sich in diesem Genre einen großen Namen gemacht hat und hier die ganze Bandbreite an Emotionen zeigt, für die dieser Tanz bekannt ist: von traurig, bis fröhlich bis überglücklich.

Delanna zeigt sich nun solo und schafft sich bei einem Street Dance Shaabi auf Hip Hop-Basis. Ihre stimmigen Bewegungen beweisen wieder einmal, was für ein großes und vielseitiges Talent sie ist. – Ganz klassisch orientalisch kommt uns danach Sinam, in der hübschen Choreographie erschaffen sie mit ihren kleinen und großen Formationen ebenso anmutige Bilder. Im Anschluß gibt es noch ein schmissiges Trommel-Solo.

Marta Korzun zum Zweiten, diesmal tanzt sie zu einem Stück von Um Kulthum romantische Lebensfreude, und im Gegensatz dazu entfesselt sie sich anschließend in einem Trommel-Solo von selten gesehener getanzter Wildheit. – Anasma hat zwei Clowns aus Italien mitgebracht, zusammen sind sie die „Compagnia Degli Gnomi“. Clown Massimo tritt als Dompteur auf, Anasma als Äffin und Clownine Chiara als Zauberin. Die Zauberin ist eifersüchtig und verwandelt die Äffin in immer neue Tiere, um den Dompteur zu verwirren. Bis die Böse besiegt ist, erleben wir eine klug umgesetzte getanzte Geschichte, in der, natürlich, Anasma weit herausragt, aber die beiden Italiener verstehen es, eigene Akzente zu setzen. Anasma hat sie nicht ohne Grund ausgewählt.

Tingel Tangel-Königin Dia Dence beweist uns auch in ihrem zweiten Stück, das Entblättern zu Musik nicht einfach Kleiderablegen, sondern eine Kunstform ist. – Eine besondere Sensation erwartet uns nun, die beiden Tanzlehrer am „tanzhaus.nrw“, Manis für OT und Takao für Hip-Hop, finden sich zum Duo, zur Fusion ihrer Stile. Zunächst tanzen sie, nebeneinander her, ihre Soli, bis sich einzelne Schritte angleichen. Am Ende sind sie aufeinander zugegangen und b-boyen/trommelsoloen im Gleichklang. Eine aufregende Darbietung, wie man sie öfter sehen möchte.

Der zweite Teil beginnt frisch und romantisch mit einem Voi-Tanz von Delannas Ensemble, und dessen ansteckende Stimmung breitet sich im ganzen Publikum aus.
Bis auf das Zeitfenster änderte sich allerdings wenig, Festival-Leiterin Dorothee Schackow stellte mit tatkräftiger Unterstützung von Manis ein formidables Programm zusammen. Wie in jedem Jahr. Das „tanzhaus.nrw“ legt weniger Wert auf tagesaktuell moderne und angesagte Sternchen, sondern präsentiert lieber solche Künstler, die sich schon seit Jahren behaupten. So erhält man ein gleichbleibend hohes Niveau, und das läßt das Haus sich auch etwas kosten. Unterkunft im Hotel, Gage plus WS-Einnahmen erwarten die Künstler, ganz zu schweigen von den in der Regel als traumhaft empfundenen Arbeitsbedingungen im Tanzhaus. Auf dieser Basis soll es übrigens auch für 2015 weitergehen.
Grafische Gestaltung/WebDesign: Konstanze Winkler