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Showberichte
Photos © Konstanze Winkler
weiter zur Tribal Fusion Night...
ORIENTALE 2012
Düsseldorf, 16. - 26.2.2012
von Marcel Bieger

Der runde Geburtstag (20) liegt längst zurück, man steuert das Jubiläum an (25), und selbstredend ist dieses älteste und längste Festival des Orientalischen Tanzes eine feste Größe im Jahresreigen der Veranstaltungen. Im folgenden geht es um eine Auswahl des Veranstaltungs-Reigens: Traditionell ist die Gala, gleichsam die Ouvertüre dieses Festivals, ausverkauft, aber auch andere Abende können sich daneben sehen lassen, vor allem der Tribal-Abend, der seit seiner Premiere 2010 sein Publikum gefunden hat. Ebenso entwickelt sich die Offene Bühne, in diesem Jahr zum zweiten Mal dabei, vor allem fachkundiges Publikum findet den Weg dorthin und wird kaum enttäuscht, im Gegenteil. Manis’ Projekt-Show muß in diesem Zusammenhang genannt werden, die in diesem Jahr ebenfalls vor vollem Haus getanzt wurde. Dieser Bericht wird auch auf ein tolles Experiment eingehen, den „Colours“-Abend, bei dem das Tanzhaus unter Beweis stellen konnte, wozu es in der Lage ist.
ERÖFFNUNGS-GALA
16. Februar

Die Gala versteht es Jahr für Jahr, auf die kommenden (Tanz-)Ereignisse neugierig zu machen und gleichzeitig eine Art Resumee zu ziehen, was sich seit dem Vorjahr auf der (Tanz-)Welt getan hat. Gleichzeitig gelingt es den Verantwortlichen immer wieder, ausschließlich hochqualifizierte Künstler zu verpflichten.

Den Startschuß gibt Festival-Leiterin Dorothee Schackow in ihrer gewohnt angenehm kurzen Ansprache, dann besetzen Ratatouille in Kompaniestärke die Bühne und trommeln und percussionieren uns in die schönste erwartungsvolle Grundstimmung. – Ihnen folgen Sinam & Manis auf die Bühne und lassen zu wild romantischer Musik, die bunten Poi-Schleier wirbeln. Manis und Schleier sind ohnehin synonyme Begriffe, und so entfaltet sich auch heute abend vor uns wieder ein Feuerwerk der Anmut und Farbenpracht.

Der klassische Orientalische Tanz ist nun in Gestalt von Surya Gamal an der Reihe, die uns ein Kunstwerk kredenzt, welches man nicht allzu häufig geboten bekommt – eine Melaya, den ägyptischen Tuchtanz, dessen Sitz und Bewegungen im Tanz eine nicht unerhebliche Rolle spielen.  – Patricia von der Gruppe Perlatentia gehört seit langem zur Avantgarde des Tribal Fusion in Deutschland und läßt uns hier an ihren jüngsten Arbeiten teilhaben: Ballett und Fusion gehen bei ihr eine Mischung aus Harmonie und Extravaganz ein.
Die Inderin Sandra Chatterjee, seit einigen Jahren gern gesehener Gast auf der Orientale, kennt sich in der gesamten Spannbreite des indischen Tanzes bestens aus und gehört zu den führenden Vertreterinnen des modernen indischen Tanzes. Gern, und so auch hier, beginnt sie ihre Darbietungen mit einem traditionellen indischen Volkstanz, den man am besten in aller Besinnlichkeit auf sich einwirken läßt. – Nun wird es ganz klassisch, Gamila bringt die Königinnen-Disziplin, den Raks Sharki, in exakter Ausführung zu ihrem Recht, natürlich in der ägyptischen Variante und voller romantischem Sehnen.
Manis und Sophia Chariarse, die sich gern zum Anlaß „Orientale“ zum Duo zusammentun, haben sich auch für dieses Jahr einen gemeinsamen Auftritt überlegt. „Burlesque Fusion“ nennen sie ihr Werk, welches in entsprechender Garderobe vorgeführt wird. – Aus dem französischen Teil Kanadas ist Zafirah angereist. Die quirlige Tänzerin dreht sich frech, sexy und stolz zum Zigeunertanz.
Noch einmal Ratatouille mit elf Akteuren, die ihre Umhängetrommeln bearbeiten, wo immer sich eine Fläche zum Draufhauen bietet. Da hält es kaum einen Zuschauer ruhig auf dem Sitz. – Zum Abschluß des ersten Teils der französische Stargast Illan, der im vergangenen Sommer gerade sein Abitur gemacht hat und entsprechend jung ist. Aber was für ein Über-Talent! Gewiß er unterscheidet sich von anderen Tänzern, flirtet nicht mit dem Publikum, tanzt lieber für sich, so als befinde er sich im Innern eines Käfigs, na und? Da Publikum starrt dennoch atemlos hin, wie sein Körper und sein Tribal Fusion eins werden.
Die zweite Runde eröffnen die sechs Mädels von Sinam und Manis mit
einem Raks Sharki in Ensemble- aufführung in einer hübschen, lockeren Choreographie. Eingebunden darin sehen wir von ihnen einen Stocktanz, den das Ensemble in zwei Dreiergruppen darbietet. Weiterhin ein Khaleegy, mit Gruppen-Haareschwingen, ein Manis-Solo, und als Höhepunkt kommen alle Tänzerinnen zu einem rassigen Trommelsolo zusammen (Choreo von Aziza). Eine großartige Show in der Show, die wesentlichste Formen des Orientalischen Tanzes locker, aber gekonnt vorführt.
Sophia Chariarse kehrt zu ihren eigentlichen Grundlagen zurück, dem indischen Tanz, hier dem Bollywood. Darin erzählt sie die Geschichte einer Frau, die nicht weiß, was sie will – ganz im Gegensatz zu der vortragenden Künstlerin, die sich in diesem Metier bestens auskennt. – Mit ihrem zweiten Beitrag folgt nun Patricia. Sie tribalt zu einer alten Komposition, „In a Persian Market“, obwohl als (Stumm-)Filmmusik komponiert, ist es doch hervorragend zur Interpretation mittels Tribal-Fusion geeignet, und das beweist Patricia eindrucksvoll.
Mit einer dicken Überraschung kehrt Ratatouille zurück, mit „Schrotty“, wie sie dieses Werk selbst nennen, man könnte auch sagen „freies konzertantes Einhämmern auf Eimer und anderen Behälter“, frei nach Bruno Assenmachers Philosophie, daß man auf allem trommeln kann. Doch, das macht wirklich Laune.

Surya Gamal erfreut uns jetzt mit einem klassisch getanzten Raks Sharki mit viel Gefühl für Leidenschaft und Romantik und einer ergreifenden Bühnenpräsenz, die sich auf die Zuschauer überträgt.
Sandra Chatterjee tanzt die Geschichte vom indischen Gott, der die Schlange besiegt, welche den Fluß vergiftet. Ein weiterer Volkstanz aus der reichen Kultur und Geschichte des Halbkontinents, spannend und hübsch anzuschauen dargeboten.

Manis & Gamila sind nicht nur ein phantastisches Duo, sie verbinden auch zwei unterschiedliche Musikstile zu einer Einheit. Das Latin-Stück
„A Night Like This“ umtanzen sie orientalisch und damenhaft verrucht, und das hat wirklich was.

Sehr elegant kommt uns Zafirah mit ihrem Poi-Schleier, etwas melancholisch, mit sehr schönen Figuren und charmantem Kontakt zum Publikum. – Im letzten Stück des Abends erweitert Illan sein Tribal-Fusion-Repertoire um einige indische Elemente, und bei ihm wird natürlich etwas Bravouröses daraus, wir können das nur mit „indischem Tempel-Hip Hop“ umschreiben und die perfekte Körperbeherrschung bewundern.

Moderation: Dorothee Schackow
Ratatouille
Surya Gamal
Sandra Chatterjee
Sinam & Manis
Patricia
Manis und Sophia
Gamila
Zafirah (Canada)
Ratatouille
Illan Rivière (Frankreich)
Manis & Sinam
Ratatouille
Manis und Gamila
Patricia
Sophia Chariarse
Surya Gamal
Zafirah (Canada)
Illan Rivière (Frankreich)
Sandra Chatterjee