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Photos © Florian Hölbling
Wer kennt sie nicht, Doro und Michaela, die gemeinsam als „Nakari Duo“ auftreten und sich mittlerweile nicht nur eine eigene Fan-Gemeinde, sondern auch einen Stammplatz im europäischen Tribal Fusion-Zirkus erarbeitet haben. Ihrer Umtriebigkeit, ihres Tatendrangs, ihrer wunderbar synchronen Tanzkunst wegen nennt man sie in gewissen Pressekreisen auch gern das „Dynamische Duo“, und Hagalla ist ihnen ob ihrer fundierten, ausgezeichnet geschriebenen und stets pünktlich abgelieferten Texte zu besonderem Dank verpflichtet.
Caravanseray Vienna 2016 - Der Showbericht
Wien, 25. - 28. August 2016

- von Marcel Bieger

Links:
www.nakari.info
www.caravanseray-vienna.info
www.tribal-news.info
www.facebook.com/NakariTribal
www.youtube.com/user/NakariTribal
Grafik/WebDesign: Konstanze Winkler
Aber die beiden Wienerinnen haben noch viel mehr auf ihrem künstlerischen „Kerbholz“, die Ausrichtung der alljährlich stattfindenden „Caravanseray Vienna“ nämlich, dem größten Tribal-Festival Österreichs und auch im europäischen Rahmen eine der wichtigen Veranstaltungen. Vienna heißt auf Deutsch Wien, und frau hat die englische Bezeichnung gewählt, um den internationalen Charakter der Veranstaltung zu betonen. Die „Caravanseray Vienna“ ist aber mehr als nur eine Gala-Show, es gibt rings herum mehrere Parties oder Haflas, ein Picknick auf der „Donauinsel“ (die heißt wirklich nur so und ist in den 70er und 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts als Naherholungsgebiet künstlich im Strom angelegt worden), dazu Basar und überhaupt viel „Hallo“.
Die „Nakaris“ reisen sehr viel, auch oft ins Ausland, und dort lernen sie die unterschiedlichsten Tänzerinnen und Tänzer kennen. Diejenigen, welche ihnen tänzerisch gefallen oder künstlerisch ansprechen, laden sie dann gern auf ihre „Caravanseray“ ein. Wir meinen, das ist ein genialisches Konzept. Auf ihren Shows und Haflas findet man verhältnismäßig viele Künstler aus Osteuropa, und hier macht es sich bezahlt, daß gerade Österreich in der Mitte des Kontinents liegt. Für Tschechen, Slowaken, Ungarn, Polen und so weiter ist Wien keine Weltreise. Aber hierher kommen auch gerne Tänzer aus den anderen Regionen Europas, und so dürfen Doro&Michaela stolz darauf sein, dem internationalen Gedanken des Tribal eine Heimstatt bereitet zu haben.


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och nun genug der langen Vorrede …

Eine gemischte Mittelalterkapelle mit irischem Einschlag legt los, die Ansagerin eröffnet das Spektakel und los geht es mit der Gala-Show der Caravanseray Vienna 2016, heuer zum 6. Mal in Folge. Die Musikgruppe heißt Narrengold und stammt ebenfalls aus der österreichischen Hauptstadt.

Das Nakari-Duo zeigt sich und beginnt eines seiner eleganten und grazilen Darbietungen, ihnen schließt sich nach einer Minute der Rest der Wüstenrosen an, bis sich schließlich acht Frauen auf der Bühne drehen. Die Nakaris sind aus den Wüstenrosen gekommen und gehören ihnen weiterhin an. Dieser Stamm, einer der ältesten Österreichs, entstand als ATS-Tribe, hat inzwischen aber sein Repertoire deutlich um Tribal Fusion und ITS erweitert. Die Frauen auf der Bühne führen das fort, was das Duo begonnen hat, bis sich alles über den Schwenk Säbel-Trios zum Original-ATS wiederfindet, komplett mit Chorus, einer Führenden und bis zu zwei Tänzerinnen. Und dazu unentwegt „Narrengold“.
Die Italienerin Patrizia Pin bewegt sich ebenfalls zur Musik von Narrengold, und die flirtet mit energetischem Tango. Dazu tanzt Patrizia hypnotisch wie eine Zauberin, und ihre Bauchwellen scheinen ganz eigenen Gezeiten zu folgen. - Klassischen ATS hat die tschechische Gruppe Isizwana zu bieten, das Quartett zimbelt, die Führenden wechseln sich ab, und die Frauen haben eine Menge Spaß, auch sichtlich zur Live-Musik der Kapelle.
Yolanda ist die Übermutter des polnischen Tribal, und im Sommer feierte man in Krakau das zehnjährige Bestehen des Tribal in unserem Nachbarland (Bericht folgt in Kürze). Die Künstlerin zeigt gern Old School, diesmal den Indian Tribal, wie frau ihn auch hierzulande getanzt hat. – Ein Tänzer aus Brasilien betritt nun die Bühne, Com.Fusion, und sein Tribal Fusion lebt von Tango und Modern; eine hübsche, ungewöhnliche Einlage mit gekonnten Bauchrollen und formvollendeter Isolation. Übrigens der einzige Mann, der heute das Tanzbein schwingt.
Alicja aus Polen wirbelt die Klinge zum Säbel-Tribal Fusion, doch statt, wie andere, weitläufig die Bühnenluft zu zerschneiden, bewegt sie sich nur in einem kleinen Radius.
Photos: Die Wüstenrosen (oben)
Isizwana (links), Patrizia Pin (unten)
Yolanda (rechts)
Narrengold
Die Dancecraftians setzen sich aus dem Duo Nakari aus Wien und Melli Sarina aus Augsburg zusammen. Das Trio gibt sich ebenso elegant wie geheimnisvoll, und weil alle drei Spitzenkönnerinnen sind, will man auch keine Sekunde des Vortrags verpassen.
Com.Fusion
Alicja
The Dancecraftians
Tschechien entsendet Maya Full Power, und die bringt auch einen gefühlvollen Indian Tribal Fusion mit, dazu ein persisch geprägtes Kostüm (die beiden Kulturkreise überschneiden sich auf mehreren Ebenen). – Die Bastet Tribal Dance Company kommt aus Kroatien, tritt mit sieben Frauen an und führt uns etwas vor, was wir als Showtanz-Tribal bezeichnen möchten. Ein ganz besonderer Tupfer in dieser farbenreichen Show.
Die Tribletten (aus Deutschland) nennt sich ein klassisches ATS-Sextett, das uns diese Stilrichtung so zeigt, wie man sie sehen sollte und sehen möchte. – Als nächste steht Eve aus Deutschland an, die düster und melancholisch Tribal Fusion tanzt, ohne sich dabei deutlich von der Stelle zu bewegen
Den Abschluß der ersten Halbzeit bildet das Quartett Teachers‘ Collaboration, zu dem sich Eliana, Philippa Moirai und Doro & Michaela vom Duo Nakari zusammengefunden haben. Die Aufführung beginnt mit den beiden Gastgeberinnen, die uns zunächst zeigen, daß sie mit ihrem Tribal Fusion auch im Modern zuhause sind. Doch bald gesellen sich die beiden anderen hinzu, und es kommt zu einem dramatischen, geradezu futuristischen Finale, nach unserer bescheidenen Meinung das beste Stück des ganzen Abends.
Bastet Tribal Dance Company
Maya Full Power
Die Tribletten
Teacher's Collaboration
Alicja
Der zweite Showblock wird wiederum von „Narrengold“ eingeleitet, die erst einmal eigene Stücke ohne Tanzbegleitung spielen. Geige, Trommeln, e-Mandoline, e-Gitarre und Dudelsack kommen zur Geltung, letzterer besonders wichtig, heißt einer ihrer Hits doch „Mein Dudelsack ist supa!“ - Der erste tänzerische Beitrag kommt dann mit der Cibelle Dance Collective, einer reinrassigen ATS-Formation aus Offenburg/Frankfurt mit einem besonderen Gespür fürs Traditionelle. Von den vier Damen sehen wir einen Tanz mit Flechtkörben, dem neuesten Accessoire  der „Großen Mutter“ unter den Tribal-Stilen.
Ebenfalls aus Offenbach ist Eliana angereist, eine der Vorzeige-Künstlerinnen der deutschen Szene. Sie ist immer für eine traumhaft schöne Überraschung gut, heute tanzt sie einen eigens für sie komponierten Walzer (von ihrem Ehemann Marco), der beweist, daß dieser Stil mehr zu bieten hat als nur das Seichte, Zuckrige des Wiener Walzers. – Bellatrix ist ein Stamm aus Tschechien und füllt die Bühne mit zehn Tänzerinnen. Da geht es fröhlich und bunt daher, wenn sie ihren Tribal Fusion mit Bollywood vermählen. Eine wirklich nette Idee.
Höchste Zeit, noch einmal Nakari zu sehen, jetzt mit einer dynamischen, perfekt synchronen Tribal Fusion ITS-Bearbeitung. So sieht ein moderner Tribal-Tanz aus, wenn frau, wie Doro & Michaela, für jeden Stil offen ist und seine Tribal Fusion-Basis so gut beherrscht, daß man leicht Anknüpfungspunkte findet. – ATS mit Flamenco-Ansätzen und vor allem weiten Röcken, das beschert uns Hurriya aus Tschechien. Die fünf Damen sind mit sichtlichem Spaß bei der Sache.
Bellatrix
Cibelle Dance Collective
Eliana
Duo Nakari
Josefine Wandel
Melli Sarina
Hurriya
Melli Sarina ist ein weitere Vorzeige-Künstlerin aus Deutschland, die sich mit viel harter Arbeit und sehr großem Einsatz bis ganz an die Spitze vorgearbeitet hat. Ihre Darbietung ist so vielschichtig wie die Musik, zu der sie sich bewegt, ihre Ausstrahlung sucht ihresgleichen.
Und noch ein Star aus Deutschland, Josefine Wandel, die sich, ebenfalls durch Fleiß und ohne eine Mühe zu scheuen, zur Koryphäe für indische Tänze und deren Verbindung mit Tribal Fusion entwickelt hat. Mal weiblich-mystisch, mal heiter fällt ihr Medley indischer Stilrichtungen aus, und wir fühlen uns bestens unterhalten.
Philippa Moirai ist eine der Säulenheiligen des ATS, stammt aber nicht aus dem Mutterland desselben, sondern aus Großbritannien. Sie übernimmt die schwierige, und deswegen nicht sehr oft in Shows zu sehende Aufgabe, solo ATS zu tanzen.
Wir staunen. – Nach einer Weile gesellen sich die Tschechin Lenka Afsana und die Deutsche Mareike Beiersdorf hinzu, ihrerseits ebenfalls in der europäischen ATS-Spitzen-Liga. Zusammen bildet das Trio die ATS Sister Studio Collaboration, und wir genießen diesen Tanz mit seiner Freude stiftenden und Fröhlichkeit verbreitenden Seite.
Samantha Emanuel ist eine die Pionierinnen des europäischen Tribal Fusion und auf allen Bühnen des alten Kontinents zuhause. Die Britin tanzt gern Beiträge aus der Geschichte des Genres, und es ist schon verblüffend, wie viele andere Stile diese Tanzrichtung geprägt oder zumindest beeinflußt haben. – Doro und Michaela führen ihr Choreographie-Projekt Dumbledore’s Army vor, das einen Zeit- und Raum-Sprung ins Universum der Science Fiction-Serie „Star Wars“ unternimmt. Eröffnet wird das Stück von den beiden Leiterinnen selbst, dann gesellen sich sieben weitere Künstlerinnen hinzu, frönen Burlesque-Formations-Tanz zu Swing-Musik und lassen sich auch von den Märschen der Filmmusik nicht aus der Stimmung bringen. So klingt dann die schöne Show aus Wien aus, und Nakari ruft zum Finale noch einmal alle Stars und Sternchen auf die Bühne. Ein vor allem fröhlicher und heiterer Abend geht zu Ende, und wir wünschen der Caravanseray Vienna Langlebigkeit und Erfolg! Möge die Macht mit Euch sein.
Die Caravanserya Vienna 2017 findet statt vom 24. - 28. August!
Finale
Dumbledore's Army
Samantha Emanuel
Philippa Moirai
ATS Sister Collaboration (Mareike & Lenka)