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Photos, Grafik und Gestaltung: Konstanze Winkler
Bevor es losgeht und die Aula des Kerpener Schulzentrums Horrem-Sindorf sich noch bis auf den letzten Platz füllt, werden Erfrischungen gereicht: Nüsse, getrocknete Früchte, Rosenwasser und Erfrischungstücher. Wir haben ein wenig Gelegenheit, das wie jedes Mal tolle Bühnenbild (Ulrike Först) zu bewundern. Alle zwei bis drei Jahre schreibt die Leiterin Roswitha Sieger (Anjuli) ein neues Stück, und jetzt, 2016, ist es bereits die zehnte Märchen- und Tanz-Show. Anjuli schreibt auch alle Choreographien und betreibt sogar noch ihre Tanzschule.
Wir waren vor etlichen Jahren zum ersten Mal hier, wir waren begeistert, und wir waren mehr als nur gern bereit, uns das neueste Spektakel anzuschauen. Jedes Stück kommt mehrfach zur Aufführung, und wir haben leider den in dieser aktuellen Staffel stattfindenden 100. Auftritt verpaßt (wir sind in der 102. anwesend, wenn wir uns nicht verzählt haben). Jedes Mal strömen etwa 250 Besucher in die Aula, und erleben dann …
WAS DAS HERZ BEGEHRT
10. Show des Orientalischen Tanztheaters Kerpen
Sindorf, 11. März 2016

- von Marcel Bieger

Die Show

Wie stets eröffnet Anjuli persönlich die Show. Unter einem Regen von Blütenblättern gibt sie einen Bollywood und beweist mit ihren lebendigen Bewegungen, daß sie auch zur 10. Show den Spaß am Tanz noch lange nicht verlernt hat. Und das Stück vereint in sich auch langsame und schnelle Passagen, die allesamt stimmungsvoll von der Künstlerin verwoben werden.

Nach ihr beginnt Hakim Kairos (Matthias Kurth) in die heutige Geschichte einzuführen, denn wir erleben hier ja nicht nur Tanz, sondern Tanz-Theater. Es geht um drei junge Burschen, die einen Kräuter- und Gewürz-Handel betreiben, aber nicht so recht wissen, wie sie ihre Ware an den Mann und die Frau bringen sollen. Werbung muß her, und sie lassen sich unterweisen, mit welchen Wunderkräften ihre Gräser, Blätter, Wurzeln, Blüten und so weiter gesegnet sind …

Hat Anjuli schon gefühlvoll begonnen, so wird es jetzt erst recht romantisch, wenn die Gruppe Ya Habibi hingebungsvoll und mit viel guter Laune ein arabisches Lied tanzt.

Noch einmal die Gruppe Ya Habibi, die uns passend dazu einen fröhlichen persischen Hoftanz präsentiert: Nachdem sechs Damen einen Riesenschleier haben wehen lassen, geht es im zweiten Stück deutlich flotter zu. – Genug der Vorreden und Einführungen, die eigentliche Geschichte beginnt …
Der Erzähler führt uns nun in das persische Isfahan des Jahres 1000 und macht uns mit den Gewürzhändlern bekannt …
Die Gruppe Nujoum al Leyl präsentiert uns einen Stocktanz. Das Septett führt hier eine besondere Version des Themas vor, indem sie eher mit dem Stock spielen, als ihn, wie sonst üblich, zu artistischen Darbietungen zu gebrauchen; sehr interessant.

Wir lernen die drei Brüder
Osman (Klaus Lehmann), Saladin (Martin Timm) und Kelim (Michael Frensch) kennen, besagte etwas erfolglose Gewürzhändler, die sich den Kopf darüber zerbrechen, wie sich ihre Waren in klingende Münze verwandeln ließen …
Anjuli ist nun wieder an der Reihe, diesmal mit einem lebenslustigen Orientalischen Tanz, und wie stets gelingt es ihr spielend, das Publikum mitzureißen.
Ihr folgt die Gruppe Anjali, zehn Nachwuchs-Künstlerinnen mit Tamburin und viel Einsatz bei der Sache. Auch die Wechsel von Klein-Gruppen zum Ensemble-Tanz sind eine Augenweide. – Wir werden erstmals in die Wunderwelt der Kräuter und Gewürze eingeführt, Erzähler Hakim mimt den Gelehrten.

Noch einmal Ya Habibi, jetzt mit etwas ganz anderem, einem Fantasy-Tanz mit Nymphen und Schleiern, eine sehr geheimnisvolle und romantische Angelegenheit. – Die drei Brüder tauschen nun das Gelernte auf dem Weg zum Basar aus.

Noch eine Gruppe, Amirat al Sahara, mit einem spanisch-arabischen Tanz. Wer bei den feurig-flotten Bewegungen der neun Damen an Flamenco denkt, liegt gar nicht so falsch.

Saladin und Kelim sprechen bei der Fürstin Fariba (Anthoula Schiffer) vor, um sie für ihre Ware zu interessieren, doch die ist noch nicht so ganz überzeugt …

Nujoum al Leyl überraschen uns mit einem orientalischen Formations-Tanz, die neun Damen sind mit großer innerer Leidenschaft bei der Sache.

Haci Baba (Hans-Peter Sieger), der Beherrscher Isfahans zeigt sich uns, und ihm geht es gar nicht gut. Unlust und Antriebslosigkeit, wie man heute sagen würde, plagen ihn. Da fallen der Fürstin die Gewürzhändler wieder ein …

Eine hübsche getanzte Geschichte erzählt uns auch Anjuli, in ihrem Oriental-Soul-Fusion geht es sehr lebendig zu. – Der Erzähler weiß noch mehr Wundersames über Heilkräuter zu berichten und erinnert sich dazu an eine Reise.

Aus neun Künstlerinnen besteht Ward as Sahara, und die zeigen uns einen Stammestanz, denn das meint Tribal, und bei ihnen spannt sich der Bogen bis nach Indien. – Wir werden in die Pause entlassen, in der wir verschnaufen und das Gesehene und Gehörte verarbeiten können.

Nach der Pause erfahren wir von Saladin und dem Erzähler allerlei Wissenswertes über Kräuter und Gewürze. – In Meereswogen erscheinen drei Nixen von Nujourn al Leyl zum Fantasy Tribal, im nachfolgenden Stück vermehren sie sich auf fünf und bringen uns Tanz mit Schleier, Voi und Poi. Eine wirklich vielseitige Gruppe. Im dritten Beitrag sind sie dann schon zu neunt, und deren Tanz kulminiert zu einer menschlichen See-Anemone.

Cardamon (Gregor Stephan) und Coriander (Ralf Dobers), die guten Geister des Palastes, erscheinen zum ersten Mal mit flotten und dummen Sprüchen, wir werden sie immer wieder einmal zu sehen bekommen. – Ein Quartett aus der Gruppe Ya Habibi betritt nun die Bühne zu einem leidenschaftlich vorgetragenen Saidi im Gewand eines arabischen Hits.

Die Fürstin und der Gelehrte tauschen sich über die Schönheitspflege im Harem aus, wobei natürlich auch wieder Kräuter eine große Rolle spielen.

Ein Schlangentanz-Quintett führt uns zurück in altägyptische Zeiten, fünf Hofdamen mit Handspiegel treten hinzu, und der Tanz entwickelt im Wechsel der beiden Gruppen seinen Charme. Im zweiten Stück legt die Gruppe Amirat al Sahara alle Accessoires ab und wiegt sich zum rhythmischen Orientalischen Tanz, eher noch zum ägyptischen Straßentanz.

Nachdem der Erzähler uns Einblicke in seine Düfte-Philosophie gewährt hat, erwartet uns ein Trio der Gruppe Nujoum al Leyl mit schwarzen Isis-Flügeln, und ja, es wird ein wenig unheimlich zu lateinischem Gesang.

Osman und der Erzähler tauschen Neuigkeiten aus, wie so manche Episode der Geschichte vornehmlich dazu dient, zum nächsten Tanz-Stück überzuleiten. – Die Nachwuchsgruppe Anjali hat sich in der Südsee umgesehen, und das, was früher Hula hieß, heißt heute polynesischer Tanz. Die zehn Mädels tanzen beschwingt und fröhlich, nicht nur wegen der Blumenketten ein hübsches i-Tüpfelchen in diesem Programm.

Die Fürstin und der Erzähler bereiten charmant den nächsten Tanz vor. – Wenn Anjuli & Gitta Flamenco tanzen, dann geht es aber feurig auf der Bühne zu! – Im Anschluß gleich weiter nach Indien, Ya Habibi bittet mit neun Tänzerinnen zum fröhlichen Bollywood.

Die Mädels von Anjali greifen direkt ins Geschehen ein und entführen den Gewürzhändler Osman in den Palast, denn nichts mehr kann ihren Vater, der Beherrscher Isfahans, aufheitern. – Mit einem Orientalischer Tanz der hübschen und lockeren Art, so sehen wir Amirat al Sahara immer wieder gern.

Zwei der Gewürz-Brüder sind beim Sultan, und er zählt ihnen endlos seine verschiedenen Leiden auf, man ahnt aber, daß da noch mehr kommt.

Nujoum al Leyl nehmen uns mit in noch weiter entfernte Gefilde, nach China nämlich, zum Tempeltanz und Drachenflug, wie das Programmheft verkündet; eine hübsche Choreographie bringt uns diese Kultur näher.

Der Sultan bittet die Brüder um ein Mittel zur Stärkung der Manneskraft, da bekommt der Begriff Lustlosigkeit eine ganz neue Bedeutung …

Anjuli führt einen Fantasy-Tanz mit starken Zigeunertanz-Anklängen und dem Einsatz von Voi-Poi vor, ein besonderer Beitrag zur Abrundung des Abends.

Der Erzähler verkündet, daß nun alles gut ausgegangen ist uns in Isfahan wieder alles zum Besten stehe. - Und was nun zum Finale kommt, sieht man nicht alle Tage:
die Gruppe Ya Habibi in aztekischen Kostümen zu einem rhythmischen Trommelsolo im Formationstanz. Ja, so hält man diesen Abend in der besten Erinnerung!

Wir haben leider nicht alle Shows dieser Truppe gesehen, aber was uns bisher geboten wurde, war immer Unterhaltung im besten Sinne. Zehn Stücke hat die Leiterin bislang verfaßt, und daß diese immer so gut ankommen, spricht ja auch für sich. Dabei ist Anjuli ja nicht nur Stückeschreiberin, sondern auch Choreographin und hat als solche ein besonderes Händchen dafür, selbst kompliziertere, weil fremdartige Tänze so zu bearbeiten, daß sie auch für ein großes Publikum zum Genuß werden. Zum Gelingen eines solchen Projektes gehört aber ebenso eine tanzbegeisterte Truppe, die treu bei der Fahne bleibt. Immerhin kam es 1997 zur ersten Show, und etliche von „damals“ sind heute noch dabei. Leider nicht alle, dafür aber ist nun die nächste Generation mit in die Startlöcher getreten, und daß es allem Anschein nach noch eine ganze Weile weitergehen wird, freut uns am allermeisten. Zumal Anjuli auch noch keine Ermüdungserscheinungen zeigt. Glückauf, Anjuli und Orientalisches Tanztheater.

Tanz & Theater aus 1001 Nacht

Homepage:
www-anjuli-tanz.de

Anjuli bei facebook ...

Bild links: Eine glückliche Anjuli inmitten ihrer zahlreichen Ensembles.

Das große Finale mit allen Tanzerinnen und Schauspielern von "Was das Herz begehrt". Die Show kam in diesem Jahr ganze dreizehn mal zur Aufführung.
Anjuli eröffnet die Show mit einem indischen Tanz
Hakim Kairos, der Erzähler
Die Gruppe Ya Habibi mit einem persischen Hoftanz
Die Brüder Osman, Saladin und Kelim
Stocktanz à la Nujoum al Leyl
Anjuli orientalisch
Osman und Hakim fachsimpeln über Kräuter
Die Gruppe Anjali erfreut mit ihrem Tamburin-Tanz
Spanisch-arabisches Röckeschwingen mit Amirat al Sahara
Fürstin Fariba ist noch nicht überzeugt, von der Heilkraft der Gewürze ...
Cardamon und Coriander - die guten Geister des Palastes
Sultan Haci Baba geht es gar nicht gut
Oriental-Soul-Fusion von Anjuli
Bild rechts: Ward as Sahara mit einem stimmungsvollen Tribaltanz
Meeresgöttinen, dargebracht von Nujoum al Leyl
Das Schlangentanz-Quintett
Fürstin Fariba hat Fragen an Hakim zum Thema Schönheitspflege
Ein fröhlicher Bollywood von Ya Habibi
Rassiger Flamenco - hier von Anjuli und ihrer Tanzpartnerin Gitta dargeboten
Bild rechts: Grüße aus der Südsee - die Gruppe Anjali tanzt einen lieblichen Hula
Osman wird in den Palast entführt ...
Amirat al Sahara mit einem klassisch-orientalischen Tanz
Anjuli tanzt temperamentvoll mit Voi-Poi
Nujoum al Leyl - mystischer Tempeltanz mit langen Thai-Nägeln
Hakim Kairos schließt die Geschichte
farbenfroh und rhythmisch - Aztekentanz von Ya Habibi