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Showberichte
Photos © Freddie Kaz und Sean Vallely
Grafik/WebDesign: Konstanze Winkler
ATS® Homecoming -
Meine Reise mit dem Mutterschiff
zu den Wurzeln des Tribal

von Freddie Kaz

Als Anfang 2014 das „ATS® Homecoming“-Festival für Januar 2015
angekündigt wird, ist es vor allem das Konzept, das mich neugierig macht.

Den bereits bekannten Formaten von General Skills (= GS) und Teacher
Training (= TT) wird ein drittes Element hinzugefügt - die Homecoming Workshops:

Drei Tage lang unterrichten Dozenten in allen Bereichen des American Tribal Style®, von Classic bis Modern, über Movement Dialects bis hin zu ausgefallenen Formationen und zahlreichen Requisiten. All diese Angebote sind komfortabel eingebettet in Joga-Kurse mit Anita Lalwani , sowie Flow®-Klassen mit Carolena Nericcio-Bohlman und der Möglichkeit, beim Mittagessen ein Tribal Counsel mit ihr zu buchen.

Nun ist für mich die Chance gekommen, meinen Traum zu verwirklichen und American Tribal Style® am Ursprungsort San Francisco zu erleben.

Das Internet ist mir von da an sehr hilfreich, denn nicht nur die Anmeldung, Bezahlung und Kommunikation mit dem FCBD® Studio laufen online, sondern auch das Organisieren einer Unterkunft ...

... und das Beschaffen eines gebrauchten Fahrrades.
Und so kommt es, daß ich Anfang Januar 2015 als braver ATS®-Pilger die „Mission Street“ entlangwandere, um nach einem Fußmarsch von 2 Blöcken (so rechnet der Amerikaner) vor dem Allerheiligsten zu stehen.

Die berühmte rote Tür, so oft gesehen in den diversen Selbst-Porträts von begeisterten ATS®-TänzerInnen, und nun stehe ich tatsächlich selbst davor! Kneifen Sie mich mal bitte … aber was heißt kneifen auf Englisch? Und ob mich der freundliche Herr auf dem Gehsteig wohl richtig versteht? Er lächelt irritiert. Ich entscheide mich, ihn unbehelligt zu lassen, und verlange klingelnd Einlaß. Schließlich habe ich Privat-Unterricht mit einer FCBD®-Lehrerin gebucht
!
Über das sehr schmale und steile Treppenhaus, vorbei an einer ATS®-Ahnengalerie, die sich bereits im Vorfeld in mein Gedächtnis eingebrannt hatte, gelange ich in eine … Baustelle! Es riecht intensiv nach einem Gemisch aus Wandfarbe und orientalischen Ölen. Julie, die freundliche „Shop-Managerin“ und gute Seele des Hauses, begrüßt mich herzlich und entschuldigt sich für das momentane Chaos. Sie habe den Tanzsaal für uns freigeräumt und wenn ich Interesse hätte, würde sie mir das zukünftige FCBD® Studio erklären. Aber immer gerne!
Und trotz des Rohbaus, der Farbeimer und Plastikplanen kann ich  es bereits vor mir sehen: Hier das Schneider-Atelier für die Bessie-Kollektion, dort der Laden für kostbares Geschmeide von Nakarali, das FCBD®-Tanzstudio mit einem Bildschirm für virtuellen Unterricht neben dem FCBD®Shop - alles nun unter einem Dach. Wie gerne hätte ich nun eine Zeitmaschine und würde ein Jahr in die Zukunft springen! Aus meinen Träumen reißt mich die bezaubernde Sandi Ball, mit der ich nun eine Stunde lang arbeiten werde.
Meine Füße quietschen auf dem berühmten schwarzen Boden genau so, wie ich es schon unzählige Male auf FCBD®-DVDs gehört habe. Es ist ein unwirklich schönes Erlebnis, und die Realität holt mich erst wieder ein, als mich innerhalb von wenigen Minuten plötzlich eine heftige Nies-Attacke aus den Tanzlatschen hebt. Ich kann es mir überhaupt nicht erklären, da ich so einen heftigen Anfall noch nicht erlebt habe: Was haben die bitte für Viren in der U-Bahn verteilt und wieso muß ausgerechnet ich dann auch noch "Hier!" schreien? Zum Glück hat Sandis Mutter einen Zitronenbaum und versorgt  mich mit köstlichsten Früchten aus Mamas Garten.
Sandis fürsorgliche Art und ihre Einladung zu einer privaten Hafla in zwei Tagen heben meine Stimmung enorm. Schließlich beginnen morgen die „General Skills“, und ich darf jetzt alles - nur nicht krank werden!
Ein Hauch von Kerosin ...

...
liegt in der kalifornischen Winterluft, und das Dröhnen der startenden Flugzeuge wummert in meinem Bauch, als ich auf die breite geschwungene Hotelauffahrt einbiege. Trotz 10 Grad über Null sehe ich meinen Atem in dicken Dampfwolken aufsteigen - die Luftfeuchtigkeit muß sehr hoch sein. Mit hochgezogenen Augenbrauen wird meine Bitte um einem Parkplatz registriert, doch können sich die Hotelpagen in Uniform ein Lächeln nicht verkneifen, als ich sage, daß ich zum Tanz-Kongreß möchte. Ich bin wohl nicht der erste Gast, und unsere Präsenz blieb nicht unbemerkt …
In der Hotellobby bestätigt sich meine Vermutung: zahlreiche Frauen in „25-yard-Röcken“ und schwarzen Oberteilen, auf denen das FCBD®-Logo prangt, bahnen sich ihren Weg durch die Schar der Hotelgäste und ernten neugierige Blicke. Ein schüchterner Herr verneigt sich vor mir und flüstert mit fragendem Augenaufschlag, ob es sich hier um einen internationalen Kongreß handle. Aber klar doch, wir sind Belly-dancers! "Aha, Ballet-dancers ... " murmelt er ehrfürchtig und sucht offensichtlich eingeschüchtert das Weite. Völlig perplex verpasse ich den geeigneten Moment, Aufklärungsarbeit zu leisten und mache mich statt dessen auf die Suche nach dem Empfangstisch des Homecoming Festivals, um mich anzumelden.
Terri Allred begrüßt mich strahlend, als ich vor dem Tanzsaal eintreffe. Sie ist die hauptverantwortliche Organisatorin des Festivals.

In den kommenden Tagen wird Terri für mich der Inbegriff von Organisationstalent, Freundlichkeit und Professionalität werden - Talente, die ihr schon vor langer Zeit den Spitznamen "Wonder Woman" nach einer gleichnamigen Comic-Heldenfigur eingebracht haben. In der Tat hat sie die gleichen blauen Augen und die dunklen Haare ihrer Namensgeberin und scheint bei Bedarf auch Superkräfte zu entwickeln.
"Schwinn" steht auf dem alten Chromschild meines Fahrrads, und so "schwinne" ich mich im Morgenlicht des 5. Januar 2015 auf den Sattel meines Drahtesels und strample die 3,6 Kilometer, die zwischen meinem Zuhause und dem Veranstaltungsort liegen. Mein Weg führt entlang der San Francisco Bay Richtung Marriott-Hotel, das von nun an das „Tribal Village“ für Tänzerinnen und Tänzer aus aller Welt sein wird.
Hinter mir ein kullerndes Lachen und viel Bunt. Fröhlich und aufgedreht wartet Kajira Dhoumana, bis sie an die Reihe kommt, um Ihr Namensschildchen von Terri zu erhalten.

Erstaunt über das, was ich eben gesehen habe, und in Gedanken versunken betrete ich den Ballsaal. Froschgrüner Teppichboden ist auf der gesamten Fläche von 370 qm ausgelegt, und zum Glück habe ich meine Tanzschuhe eingepackt - bei fast 40 Stunden Tanz auf diesem Untergrund werden es mir meine Fußsohlen bestimmt danken. Die Raumhöhe ist niedrig, es gibt kein Tageslicht, und für frische Luft sorgt nur die Klimaanlage. Mittig ist eine ca. 40 cm hohe Bühne aufgebaut, auf der die Kursleiter gut zu sehen sein werden.

Ich verkrümle mich links hinten in eine Ecke in der nur wenige Tänzerinnen sitzen. Wir tauschen erste freundliche Blicke und Worte. Gespannte Erwartung ist uns allen ins Gesicht geschrieben. Einige sind so wie ich einmal rund um den halben Globus gereist, um hier zu sein. Eine Tänzerin kommt aus Patagonien. ATS® gibt es sogar in Feuerland!

Dann schnappe ich meine Wasserflasche, um sie aus den großen glucksenden Wasserballons an der Eingangstüre zu befüllen. Dort sitzt ein Grüppchen schwarz gekleideter Frauen, intensiv in ein lebhaftes Gespräch vertieft.
Während das Trinkgefäß in meiner Hand immer schwerer wiegt, schweift mein Blick über diese Runde und nun werde ich ein zweites Mal an diesem Morgen überrascht: Aus Portland angereist sind Rachel Brice und Colette Todorov (langjährige  FCBD®-Tänzerin), zusammen mit Tabra Bay, Joanna Ashleigh und Traci Stenson Hildner.

Das Wasser schwappt über meinen Handrücken. Während ich notdürftig die kleine Überschwemmung trockenlege, die ich gerade angerichtet habe, betritt Manca Pavli als dritte Überraschung dieses Morgens den Tanzraum und setzt sich neben die Frauen aus Portland.

'Aller guten Dinge sind drei' sage ich zu mir selbst, und nachdem ich noch 25 Minuten Zeit habe, bevor die General Skills beginnen, trete ich nochmal vor die Türe und lüfte ich bei einem kleinen Spaziergang am Ufer der San Francisco Bay mein Hirn aus.

Während ich den großen Vögeln aus Eisen beim Starten und den kleinen Vögeln mit Federn beim Fischen zusehe, gehen mir viele Fragen durch den Kopf: Warum kommen all diese Tribal-Größen hierher? Warum machen sie die General Skills? Und absolvieren sie am Ende auch noch das Teacher Training? Was treibt sie an? Was für Gründe haben sie?


Zurück im Ballsaal

Beim der Rückkehr in den Ballsaal leuchten mir die farbenfrohen Tattoos der Tänzerinnen entgegen. Ich frage mich, welche Geschichten hinter all diesen Motiven stecken, aber dazu habe ich nun keine Zeit mehr, denn Carolena beginnt ihre Kurse äußerst pünktlich.

Als Carolena zusammen mit den Co-Trainerinnen Kristine Adams und Philippa Moirai den Raum betritt, senkt sich der Lärmpegel, und eine erwartungsvolle Stille tritt ein - ein feierlicher Moment, dessen Zeuge ich schon mehrfach sein durfte. Es beeindruckt mich immer wieder von Neuem: Carolenas Präsenz füllt den großen Raum, einfach so.
Das Ritual des Durchzählens der Teilnehmer (und diese Nummer sollte man sich merken!), der Schwur niemals die Pobacken beim Tanzen zusammenzukneifen, und die Erklärung der „Moving Meditation“, die hierzulande als Tribal-Gebet bekannt ist, das sind für mich bereits vertraute Rituale, denn ich besuche die General Skills nicht zum erstenmal. So steigen wir ein in 4 Tage hochkonzentrierte Tanzarbeit.

In den ersten zwei Tagen der General Skills werden alle klassischen Bewegungen aus dem FCBD® Repertoire analysiert und eingeübt, das entspricht in etwa dem Inhalt der DVD Volume 1 bis 4.

Am Nachmittag des 2. Tages erreicht mich eine kurze Nachricht von Sandi Ball, ob ich mich gesund genug fühlte, an der Hafla bei einer befreundeten Tänzerin teilnehmen zu können? Ja, klar möchte ich! Und dank pharmazeutischer Keule kann ich auch zusagen. Ich treffe mich nach dem Workshop mit einer großen Schar Tänzerinnen in der Hotel-Lobby, die das gleiche Ziel haben wie ich. Fahrgemeinschaften bilden sich schnell. Wir - Mareike Baiersdorf, Martha Mc Gonigal und ich - warten gemeinsam auf unsere charmante Mitfahrgelegenheit, die noch im Stau steckt.
Sandi Ball parkt schmunzelnd direkt auf der Hotelauffahrt, und als wir uns zu viert in ihr Auto quetschen, ernten wir wieder neugierige Blicke der besagten Hotelpagen - sicherlich wären sie nur zu gerne mit uns eingestiegen, anstatt langweilige Luxuskarossen zu parken. Auf einem Wendehammer in einem beschaulichen Wohngebiet auf einem der Hügel San Franciscos halten wir. Welches Haus ist es nun? Das mit dem schaurigen Gartenzwerg? Klar! Und immer nur dem lieblichen Klang der Zimbeln folgen … Tek-ke-Dum, Tek-ke-Dum ...
Hafla bei Leigh-Anne

Im oberen Stockwerk wird bereits getanzt, helle Zaghareets trillern und  durchdringen das ganze Haus, während der geduldige Ehemann von Leigh-Anne an seinem Schreibtisch zu arbeiten versucht. Ich springe schnell in meinen Rock und eile die Treppe hinauf. Dort finde ich 14 wirbelnde Tänzerinnen vor.
Tag 3 ...

... der General Skills und mit dem heutigen Tag beginnen die Unterweisungen in "GS Modern", das entspricht in etwa dem FCBD® Repertoire von DVD Nr. 7. Als ich im Ballsaal wieder meine linke hintere Ecke ansteuere sehe ich, dass sich die Truppe aus Portland zu uns gesellt hat.
Und wieder entfaltet ATS® seine kraftvolle und schier unerklärliche Magie vor meinen Augen und reißt mich mit. Über eine Stunde tanzen wir, kommunizieren ohne ein Wort, bilden Formationen, lösen sie wieder auf, bilden neue Paarungen, die nie zuvor miteinander getanzt haben - es funktioniert! Und als wir nach ausgelassenem Hüftschwingen wieder in der Wohnküche landen und gemeinsam zu essen beginnen, spiegelt sich meine Gelöstheit und mein Glücksgefühl in den Gesichtern meiner Tribal-Sisters wieder.

Tiefe Gewißheit, daß ich für mich das Richtige gefunden habe, wird heute nacht mein Schlummerkissen sein. Nachdem ich fürsorglichst bis vor meine Haustüre kutschiert werde, lege ich mich erschöpft schlafen.
Vor so hochkarätigen Tänzerinnen zu tanzen …  doch meine anfängliche Scheu erweist sich als völlig unbegründet, denn die 5 aus dem Norden entpuppen sich als bescheidene, herzliche und vor allem sehr hart arbeitende Mittänzerinnen:  Als ich nach der Mittagspause vorzeitig im Ballsaal eintreffe, verfolge ich eine anschauliche Einführung in die tänzerische Anatomie, den Tabra erklärt Rachel im kleinsten Detail als das Erspüren bestimmter Muskelpartien im Hüftbereich, von denen ich noch niemals gehört habe.

Meine Freundinnen Connie und Marianne kommen hinzu und ergreifen die Gelegenheit, Rachel die Frage zu stellen, die uns hier wohl alle beschäftigt: Was sind ihre Beweggründe, hier teilzunehmen?

Rachel erklärt, daß Carolenas Erfindung für sie der Ursprung allen Tribal-Bellydances ist. Um dieses Phänomen wirklich zu verstehen, muß man zur Quelle zurückgehen. Wenn Sie lange auf Tournee ist, dann hilft ihr ATS® wieder die richtige Haltung zu erlangen und die Muskelgruppen aufzubauen, die sie für Ihre Arbeit braucht.

Gebannt verfolge ich das Gespräch, und erst Carolenas Zähl-Ritual holt mich wieder in die Gegenwart zurück.Wir werden nun an Laybacks arbeiten … eine Bewegung, an die ich mich noch lange nicht heranwagen werde, und so nutze ich diese Zeit und schnappe meine Kamera, um noch ein paar Eindrücke festzuhalten. Es sind diese Momente, die am besten für mich ausdrücken, was ich unter Tribal Sisterhood verstehe
So gehen die 4 Tage General Skills ihrem Ende entgegen und obwohl ich diesen Intensiv-Workshop bereits mehrmals durchlaufen habe, kann ich auch diesmal zahlreiche Details entdecken und mein Wissen vertiefen. Beim Verlassen des Tanzsaals wimmelt das Hotel nun von neu angereisten Tanz-Gästen. Umarmungen und Zaghareets überall - in der Lobby treffen sich Tänzerinnen aus aller Welt. Auch ich nehme ein regelrechtes Bad in Wiedersehensfreude, denn so viele Menschen haben mich bereits auf meinem Weg begleitet. Auf Emine di Cosmo aus Argentinien und Elena "Fifi" Wei-Dupont aus Paris freue ich mich ganz besonders: Uns verbanden bereits in der Vergangenheit kostbare Momente, die für uns unvergänglich sind.
ATS® Homecoming

Der nächste Morgen: 3 Tage ATS® Homecoming-Workshops beginnen. Wer das vollgepackte Tagesprogramm absolvieren möchte, muß nun sehr früh aufstehen. 

Also strample ich im Licht der ersten Sonnenstrahlen auf "Schwinnie" den Bayshore Highway entlang. Von den Kaffee-Terrassen diverser Hotels auf dem Weg wird mir zugewunken und Zaghareets trillern durch die Morgenluft.

Beginnend mit der Jogastunde bei Anita Lalwani (FCBD®): Hier sind die Übungen so sorgfältig gewählt, daß sie unseren Körper auf die Arbeit des kommenden Tages vorbereiten. Im Anschluss heißt Carolena alle Teilnehmernnen herzlich willkommen und eröffnet offiziell die Homecomings mit einem Workshop für alle Teilnehmer  "Energetic Body and quiet mind".

Nach dem Mittagessen gibt es in kleineren Gruppen Workshops à la carte, das heißt, unter dem Motto "Classic ATS®" und danach "ATS® mit Accesoires", kann ich mir aus je 3 Workshops einen herauspicken.

Meine Wahl fällt auf ATS® mit Körben und einen anatomischen Workshop über die wichtigsten Muskeln beim ATS® - Tabra Bay hat bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen.
Am Abend wird es die Show für Teilnehmer geben. Da sich mein Heimweg nicht lohnt, bleibe ich bis zur Show im Hotel und erfahre nun am eigenen Leib, worüber schon einige Tänzerinnen in den letzten Tagen lautstark geklagt haben: Das Marriott Hotel stellt sich als sehr kostspielig heraus, da freies Internet nur in der Lobby verfügbar ist und dort wird man genötigt, etwas zu bestellen – und das bei sehr, sehr hohen Preisen. Diejenigen, die ein Zimmer gebucht haben und es sich teilen, haben kein Frühstück inklusive. Das ist der vielleicht einzige Wermutstropfen an der gesamten Tribal-Veranstaltung, und für Tänzerinnen, die knapp bei Kasse sind, war das bestimmt sehr enttäuschend. Deshalb wird sich Terri Allred für das nächste Jahr nach einem anderen Veranstaltungsort umsehen. Soviel ist sicher! Ich ziehe daraus meine Konsequenzen und nehme mein Abendessen dort ein, wo ich bislang jeden Mittag gespeist habe: In einer Hummer-Verkaufshalle, die auch einen Imbissbereich für Laufkundschaft hat - vom Hotel nur einen Steinwurf weit entfernt. Frisch, günstig und extrem lecker!
Die Show

Nach dem Genuss für den Gaumen folgt der Schmaus für die Augen - Tänzerinnen aus 5 Kontinenten gestalten die Show ab 20.00 Uhr. Es eröffnen die "Blue Diamonds", eine hochkarätige Studentengruppe aus der FCBD®-Schmiede, gefolgt von "MEM - Mujeres En Movimento" mit meiner großartigen Emine di Cosmo, begletet von Lore Rojas und Cecy Garcia. 
Dann tritt Sara Arrell mit einem Solo auf, Wild Card Bellydance mit dem Doppelsäbel, die "Troupe Britannia" mit Sister-Studios rein aus Briten und dem Ehrengast Kristine Adams und Philippa Moirai mit ATS® Skirt moves, Mareike Baiersdorf und Gudrun Herold mit einer Korb-Darbietung, DeAnna und Liz Malcolm von der Devyani Dance Company u.v.m.
Was mich aber besonders berührt und mir im Gedächtnis bleiben wird, ist die spontan gegründete Gruppe "The Lone Wolves" - zusammengesetzt aus 17 Tänzerinnen rund um den Erdball, die gemeinsam haben, daß sie allein zu dieser Veranstaltung angereist sind. Sie bringen einen frei improvisierten Auftritt auf das Parkett und für mich die geballte Magie des ATS® zum Ausdruck. "It’s ATS® gone global!" ATS® wird zum weltweiten Phänomen - und so ist es wirklich!
Carolena, die durch den Abend moderiert, ist sichtlich bewegt von so viel Engagement und Enthusiasmus. Und so endet dieser Abend nach einem erfüllten Tanztag. Ich schwinge mich auf mein Fahrrad und radle mit einer Sicherheitsweste weithin sichtbar durch die kühle kalifornische Nacht nach Hause.
Am nächsten Morgen: Joga, 9/8 Rhythmen im ATS® entwickelt von Mimi Fontana aus New York City, Mittagessen in meiner Hummer-Kantine, Workshops über ATS®-Formationen mit Sandi Ball und ATS®-Modern Bewegungs-Repertoire aus der DVD Volume 9 von Devyani Dance Company.

Dann ist es fast 18 Uhr und bald wird die nächste Show steigen - diesmal die der Dozenten. Es eröffnen die "FCBD® instructors" und wer verfolgt hat, daß Carolena vor über einem Jahr die FCBD®-Truppe offiziell aufgelöst hat, der wird eines Besseren belehrt: Sie tanzen meisterhaft, präzise aufeinander abgestimmt wie ein Uhrwerk, mit einem Temperament, das der Tanzboden Feuer fängt. Nahtlos fügen sich die beiden Mittänzerinnen Jesse Stanbridge und Janet Taylor ein, die seit neuestem ebenfalls im Mutterschiff unterrichten. FCBD® ist tot? Es lebe FCBD®!

Und unsere Dozenten stehen um nichts nach: Terri und Lisa Allred mit Schleiern, Dawn Ruckert und Dayanisma mit Körben, Tamarind Tribal mit Schleierfächern, Mimi Fontana und Manhattan Tribal mit ATS® im 9/8 Rhythmus, Kae Montgomery mit Säbel, Kajira Dhoumana mit Black Sheep Bellydance … u.v.m.

In der Pause treffe ich die bezaubernde Masha Archer, die einstige Tanzlehrerin von Carolena. In der ATS® Szene ist Sie eine Legende und wer alte Fotos von ihrer Truppe "San Francisco Classical Dance Company" sieht, weiß, wer Carolena in ihrem Stil entscheidend prägte.
Nun haben sich über eine Generation hinweg die Rollen vertauscht: Mashas Tochter Larissa ist jetzt Schülerin von Carolena! Masha schaut auch heute noch gerne vorbei, um sowohl Carolena als auch ihre eigene Tochter ATS® tanzen zu sehen. Und dann betritt wieder Carolena das Parkett, begleitet von drei Frauen der Devyani Dance Company: DeAnna Freeman, Liz Malcom und Wendi O'Kelly. Sie beginnen ihren Auftritt mit einer Bewegungsabfolge, die oft als "Extended Puja" bezeichnet wird, also eine Erweiterung des Rituals, dass zu Beginn einer jeden ATS®-Klasse weltweit getanzt wird. Ihre großartige Darbietung geht nahtlos in ein Solo von Carolena über. Sie kann den gesamten Zuschauerraum in Bann ziehen: Bauchwellen, Bauchflattern, Floreos und Arm-Undulations. Wieder füllt ihre ausdruckstarke Präsenz den großen Ballsaal, und sie gestaltet ihren Auftritt zum Höhepunkt des ganzen Abends, überwältigend schön - einfach so.
Der letzte Tag

Was kann frau tun, wenn nun "Der letzte Tag" anbricht? In Panik ausbrechen? Peter Fox hören? Einfach ignorieren und das Flugticket zerreißen? Nix da, Fahrrad raus, losstrampeln … Der Zimbel-Workshop bei Wendy Allen beginnt um 8.00 Uhr… ja … ACHT Uhr !

Zum Glück sind die Zimbeln so laut, daß ein Einnicken unmöglich ist. Außerdem ist Wendys Allens Unterricht spannend, detailreich und erfordert höchste Konzentration. In der Schlußrunde im Kreis spielt sie jeder einzelnen Tänzerin ein neues kompliziertes Zimbelmuster vor, das aus den erlernten Bausteinen zusammengesetzt ist. Jede versucht, ihre Vorgaben nachzuspielen. Das Hirn qualmt mit den Fingern um die Wette und die Mundwinkel wandern Richtung Ohrläppchen.

Ausgestattet mit einem Kaffee von einer berühmten Kaffee-Kette aus der Lobby geht es dann weiter in den letzten Workshop vor dem Finale: Die "Indian Temple Dance Poses for Stretching and Dancing" was so viel bedeutet wie die wundervolle erweiterte Version der "Moving Meditation", die die Frauen der Devyani Dance Company am Abend vorher mit Carolena auf der Bühne getanzt haben. Leider kann Megha Gavin diesen Workshop nicht leiten, da sie wegen einem Krankheitsfall in der Familie zuhause geblieben ist, aber DeAnna Freeman, assistiert von Liz Malcom, geben uns einen kleinen Einblick in die Philosophie der Hindu-Religion, die ursprüngliche Bedeutung der Tempeltanz-Haltungen und wie wir im ATS® diese Bewegungen auf unseren Tanz übertragen können.
Wir lernen die Technik und die korrekte Ausführung einer jeden Pose und als das Bewegungs-Repertoire abgeschlossen ist setzen wir diese Abfolge in eine geordnete Formation. Als der letzte Ton der Musik verklingt, fließen Tränen, sowohl bei den Teilnehmerinnen, wie auch bei unseren Dozentinnen. Diesem Workshop wohnt ein Zauber inne, dem sich niemand entziehen kann. Derart beflügelt begeben wir uns in unsere Mittagspause.

Der letzte Programmpunkt für mich ist ein besonderer Workshop mit Carolena Nericcio-Bohlmann. "Dancing in Flow®" bedeutet, sich über den Zeitraum von 60 Minuten von Carolena führen zu lassen. Die einzig zugelassene Art der Kommunikation ist der Tanz selbst. Lediglich zwei 2-minütige Trinkpausen werden den Tanz kurz unterbrechen. Es wird um absolutes Schweigen gebeten, denn das ist der entscheidende Punkt an diesem Erlebnis. Das Ziel lautet, die zum Plappern neigenden Gedanken auszuschalten und den Körper mit der Musik zu verschmelzen, im Einklang der Rhythmen sich allein dem Tanz hinzugeben, ohne zu denken oder zu sprechen. Es ist still im großen Ballsaal, in dem wir so vieles gemeinsam erleben durften. Die Musik beginnt, und Carolena nimmt uns mit auf ihre ganz persönliche Reise, ihre ganz persönliche Interpretation der Klänge, die den Raum füllen.
Es ist schweißtreibend, doch es geschieht genau jene Metamorphose, die sie uns im vornherein geschildert hat: Irgendwann ist der Körper so beansprucht, dass er den unruhigen Geist beiseiteschiebt und nur noch mit der Musik korrespondieren will. Und dann ist der eigene Körper auch nicht mehr wichtig, sondern nur noch das Ganze, die Bewegung vieler Körper im Einklang, alt, jung, dick, dünn, blond, schwarz, groß, klein … egal. Wir sind. Hier. Jetzt. Eins.
Ein langer Abschiedsreigen reiht sich vor Carolena auf. Jede möchte einen ganz eigenen Moment mit ihr teilen und sich bei ihr bedanken. Auch ich möchte dies tun und werde in flagranti von meinen Sisters erwischt.
Die Abreise

Vor dem Tanzraum kommt meine Freundin Emine völlig aufgelöst auf mich zu: Ihre Zimmergenossinnen habe ihre Reisepläne geändert, und nun steht sie vor der Wahl, entweder ein teures Zimmer allein zu bezahlen, oder in der Lobby zu schlafen. Das geht natürlich nicht. Ich biete ihr an, sich mit mir mein kuscheliges Gartenhäuschen zu teilen und bei mir zu übernachten. Tribal Sisters teilen nun einmal.

Am nächsten Morgen wird Emine mit dem Auto abgeholt und von Sandi Ball zum Flughafen gebracht. Mein Koffer reist per Anhalter mit, doch ich schwinge mich ein letztes Mal auf mein geliebtes Fahrrad, um von meinem Gartenhäuschen den nun so vertrauten Weg zum Hotel zu fahren. In meiner Hummer-Kantine verweilen ich und Sandi für ein letztes Mahl, und nachdem wir ihr Auto präpariert haben, kann mein Fahrrad mit vereinten Kräften in ihrem Kombi verstaut werden.
Es dämmert, als ich mitsamt Koffer, aber ohne Fahrrad im Hotel eintreffe, und auch hier nehme ich mir die Zeit und verabschiede mich von vielen liebgewonnenen Menschen, mit denen ich diese kostbare Zeit verbracht habe.

Mein Flugzeug verläßt San Francisco International Airport pünktlich um 8.50 p.m. und beim Start kann ich die rote Leuchtschrift des Marriott Hotels an mir vorbeihuschen sehen. Vielleicht schaut ja gerade jemand zu mir herüber?

Homepage Freddie Kaz: www.freddie-kaz-tribal.com
Homepage FCBD: www.fcbd.com
Die Damen aus Portland, v.l.n.r.: Joanna Ashleigh, Traci Stenson Hildner,
Tabra Bay, Colette Todorov, Rachel Brice
Die berühmte rote Tür ...
die Unterkunft für die nächsten Wochen
... und das schmale Treppenhaus
Foto links: Sandi Ball,
Foto oben: Freddie Kaz
In Sichtweite - Der Flughafen von San Francisco
Terri Allred, die Organisatorin der Festivals
Foto oben, die Gruppe aus Portland mit Rachel Brice, Colette Todorow, Tabra Bay,
Joanna Ashleigh und Traci Stenson Hildner.


Foto links:
Manca Pavli
der froschgrüne Teppich
Terri und Kajira
fröhliches Lachen - Kajira Dhoumana und Terri Alred
Carolena beginnt mit dem Unterricht
Die Co-Trainerinnen Kristine Adams und Philippa Moirai
Carolena tanzt vor ...
... ihre Schülerinnen schauen gebannt zu.
Der schaurige Gartenzwerg im Vorgarten -findet hier die Hafla statt?
Tabra erklärt Rachel spezielle Muskelpartien
Connie und Marianne im Gespräch mit Rachel Brice
Das gemeinsame Üben der "Laybacks"
"Sisterhood"
Freddie (links) mit Emine di Cosmo aus Argentinien
und Elena "Fifi" Wei-Dupont aus Paris.
Foto links: Freddie Kaz
rechts: ATS mit Körben
MEM - Mujeres En Movimento
Die "Blue Diamonds"
Wild Card Bellydance
rechts:
"The Lone Wolves"
Die "FCBD® instructors" eröffnen die Show
Freddie und Masha Archer
Carolena und die Devyani Dance Company
Der letzte Unterrichtstag - Zimbeln mit Wendy Allen
Philippa Moirai und Wendy
Tempeltanz-Haltungen und ATS® passen durchaus zueinander
"Indian Temple Dance Poses" mit DeAnna Freeman
"Dancing in Flow" - ein letzter Unterricht bei Carolena
Carolena Nericcio-Bohlmann