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Bereits zum dritten Mal in Folge lud Una Shamaa die düsteren Tanzgeister nach Dresden, um mit Ihnen die “Proserpina Nacht” zu zelebrieren. An drei Tagen und Nächten wird nicht nur eine Galashow geboten, es gibt nun auch zum zweiten Mal eine Open Stage und das Workshop-Programm erstreckt sich über das gesamte Wochenende. Grund genug also, sich ein eigenes Bild zu verschaffen. „Hagallady“ Rea, selbst mit einem Bein im Gothic zuhause, machte sich auf den Weg.

IN DEN UNTERGRUND, UM NEUES ZU ERREICHEN
Una Shamaas „Proserpina Nacht“

von Rea Frenken

Den Impuls, das Festival ins Leben zu rufen, bekam Una durch das “Gothla”-Festival, das Salamandrina alljährlich zum Wave-Gotik-Treffen in Leipzig organisiert. Eine Gothic-Tanzveranstaltung im Jahr sei einfach zu wenig, befand sie, und so ließ sie ihre Vision, die Geschichte der Proserpina tänzerisch zu erzählen, kurzerhand Wirklichkeit werden. Darin wird Tochter von Ceres und Jupiter wird von Pluto entführt, die Fruchtbarkeitsgöttin Ceres ist daraufhin untröstlich, und nichts kann mehr wachsen und gedeihen. Nach zähen Verhandlungen darf Proserpina zwar auf die Erde zurück, allerdings unter der Bedingung, dass sie eine Zeit in der Unterwelt verbringt.

Una interpretiert diese Geschichte als Allegorie auf das künstlerische Schaffen: Auch als Künstlerin muss man sprichwörtlich in die Unterwelt eintauchen, um Neues zu erleben, erst dann kann man wieder an die Oberfläche gelangen, um dort etwas Neues zu schaffen.


Die Veranstalterin selbst tanzt seit ihrem 14. Lebensjahr und ist schon früh in Kneipen und Clubs mit Gothic Bellydance aufgetreten (auch wenn der damals noch keinen derart klangvollen Namen hatte). Nach siebenjähriger Tanzpause beschloss sie dann mit 28 Jahren, dass sie einfach wieder tanzen müsse. Die Lust auf Tanz hatte sie derart gepackt, dass sie ihren Job aufgegeben und den Versuch gewagt hat, von jetzt auf gleich nur noch vom Tanzen zu leben - und die Rechnung ging auf. Heute tanzt sie neben dem orientalischen Tanz auch Modern Dance, macht eine Ausbildung zur Tanztherapeutin und unterrichtet in Dresden und Leipzig.


Im nun bereits dritten Jahr seines Bestehens hat sich das Festival deutlich weiterentwickelt: Das tänzerische Niveau ist gestiegen, und es sind mehr überregionale Gäste zugegen - sowohl im Publikum als auch auf der Bühne. Gleichfalls hat die Experimentierfreude unter den Künstlern weiter zugenommen. Dennoch legt Una Wert darauf, dass die „Proserpina Nacht“ auch in Zukunft ein kleines, familiäres Festival bleiben soll. Kein Wunder also, dass die gut 100 Zuschauerplätze bei der Gala-Show dieses Jahr blitzschnell ausverkauft waren.
Una verrät im Gespräch noch mehr über ihre Wünsche und ihre Beobachtungen der Gothic-Bellydance-Szene: “Wir brauchen keine tausend Kopien von Ariellah und Rachel Brice, das ist auf Dauer einfach langweilig. Die Leute müssen Risiken eingehen, und das bedeutet auch, dass man einmal schlecht sein darf. Aber Mut beweisen und auf der Bühne ehrlich sein, darauf kommt es an, besonders im Gothic Bellydance.”

So soll auch der Austausch mit anderen Szenen gefördert werden, Hauptsache man bleibt authentisch: “Viele denken, sie müssten Gothic Tribal tanzen, weil es gerade Mode ist. Natürlich verlange ich keinen ‚Grufti-Ausweis’ bei der Anmeldung, aber es gibt so viel gute Musik, so tolle Filme und andere Inspirationen in der schwarzen Szene.

Dann ist es einfach schade, wenn jemand etwas Düsteres tanzt, weil man es ‚muss’. Irgendein Anknüpfungspunkt an die Szene sollte allerdings schon da sein.”

Den Reigen auf der Gala-Show eröffneten Una und Clayton Grey, die Gastgeberin und ihr Tanzpartner zeigten ein leidenschaftliches Duo mit anspruchsvollen Hebefiguren und Artistikeinlagen. - Las Fuegas, mittlerweile Stammgäste bei der Proserpina, zeigten einen martialischen Dolchtanz.

Die drei Tanzschwestern der Soeurs Gotiques legten sich zu mitreißendem Gothic-Rock von Scream Silence im wahrsten Sinne des Wortes in Ketten und überzeugten durch choreographische Präzision. -Samira Saabet zeigte einen Vintage-inspirierten Totentanz mit aufwendiger Gesichtsbemalung.

Danach betrat Katári die Bühne und befreite sich auf Musik von Metallica symbolisch von ihren Fesseln. - Latifah Abdel tanzte einen hochdramatischen, wunderbaren Flamenco Oriental, eine ungemeine Bereicherung für die Vielfalt des Abends. Elena Sapega, nicht nur bekannt als Tänzerin bei Perlatentia, sondern auch als Moderatorin großer Festivals, überzeugte auch solo mit ihrer Tribal-Fusion-Darbietung zur wunderbaren Musik von Valravn.

Jdee tanzte mystisch-melancholisch bis psychedelisch in dem ihm ganz eigenen Stil, der ihn wohltuend von anderen Fusionären abgrenzt. -Indrani ließ die Welt der alten Göttinnen wieder auferstehen. Ihr Tanz war nicht nur wild und ekstatisch, sondern auch eine Zelebration der Weiblichkeit.

Der brasilianische Tänzer
Horus glänzte mit technischer Präzision und bewies mit seiner Musikwahl (Run Boy Run von Woodkid) ein geschick- tes Händchen. Bex Priest tanzte einen selbstironischen Rockabilly-Fusion auf “Subcultural Girl” und begeisterte damit das Publikum.

Der zweite Teil des Abends begann mit einem Duo von Indrani und Bianca Stücker, die auch schon bei Auftritten des Violet Tribe gemeinsam auf der Bühne gestanden haben. Auf Musik von Band konnten die beiden getrost verzichten, Biancas Gesang wurde von Indranis Zimbelspiel untermalt, und so zauberten die beiden eine ganz besondere Atmosphäre.

Die Stammesschwestern von Spicy Black Chai trugen einen temporeichen, innovativen Tanz mit Riesentüchern vor, die sie in
immer neuen Formationen miteinander verwoben.
Mahasati zeigte einen modern-experimentell angehauchten Schleiertanz.

In die Unterwasserwelt entführten uns die Meerjungfrauen von
Las Fuegas, die einen märchenhaften Traumtanz mit Isis-Flügeln und allerlei Leucht-Accessoires darboten. - Experimentell ging es auch bei Alasina zu, die im hautengen Lycra-Anzug zur Musik von Peter Heppner einen Modern Fusion Dance hinlegte.

Lydelfria überzeugte mit einem ausdrucksstarken und kraftvollen Jazz- dance zu klassisch angehauchter Musik, ein echter Gänsehautmoment.
Danach tanzte Gastgeberin Una mit eigens abgestimmter Videopro-jektion einen fulminanten Industrial-Tanz. Wie keine andere schafft es Una, die gesamte Palette menschlicher Gefühle mit schauspiele- rischem Können und tänzerischer Präzision auf die Bühne zu bringen. Die Art der Darstellung ist dabei ebenso visionär wie ihr Tanzstil.

Powerfrau Arzo zeigte den Zuschauern die harte Seite des Gothic-Bellydance: Von der Maschinenfrau wandelt sie sich auf der Bühne selbst zur Waffe. Den Abschluss des Abends bestritten Bex Priest, die sich dem Publikum gefühlvoll und verletzlich zeigte, und Horus, der einen klassischen Tribal Fusion tanzte.

Spätestens beim Finale zeigte sich noch einmal die wahnsinnige Bandbreite, die Una mit der Proserpina Nacht zusammengestellt hat: Von Modern über Jazz Dance, von Fantasy und Apokalypse bis hin zur Reinkarnation der Sagenwelt. Diese Show beweist eindrucksvoll, dass Gothic (Belly-)Dance viel mehr kann als nur Einheitsschwarz.

Wir für unseren Teil fiebern jetzt schon der nächsten Edition 2015 entgegen … Una Shamaa - Proserpina Nacht!
Bilder der After-Show-Party, oben "Hagallady" Rea
Una und Clayton Grey
Las Fuegas
Soeurs Gothiques
Samira Saabet
Spicy Black Chai
Katári
Jdee
Horus
Indrani
Latifah Abdel
Elena Sapega
Bex Priest
Indrani und Bianca Stücker
Spicy Black Chai
Las Fuegas
Mahasati
Alasina
Lydelfria
Una Shamaa
Horus
Bex Priest
Arzo
Homepage Una Shamaa: www.una-dance.de
Homepage Proserpina: www.proserpina-nacht.de
Dresden, 17. - 19. Januar 2014