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Photos ©: Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Olga Meos
Grafik und WebDesign: Konstanze Winkler
Olga Meos ist zu Gast beim
10. Internationalen Tribal Festival in Hannover, 09. - 11. Juni 2017
www.tribal-festival.de
Tribal ist wahrhaft international, und wer das immer noch nicht glaubt, der werfe einen Blick auf die Liste der internationalen Gäste. In diesem Jahr ist Asien sehr stark auf dem Tribal Festival zu Hannover vertreten.

Aus Japan kommen sie im Dutzend, aus Mittelasien sind mehrere Vertreterinnen dabei, und wir stellen heute die wichtigste Vertreterin des Tribal aus Kasachstan, dem neuntgrößten Land der Erde, vor, von woher wir, glauben wir noch nie eine Künstlerin auf der Bühne hatten – willkommen, Olga Meos.
“TÄNZER SIND MENSCHEN,
DIE MUSIK VISUALISIEREN.”


Interview mit Olga Meos

von Marcel Bieger (auch Übersetzung)
Leider wissen wir nur sehr wenig über dich, stell dich uns doch bitte vor.

Hallo, Tanzwelt, ich heiße Olga Meos und mit Mädchennamen Shereykayte. Aber ich fühle und denke schon lange als eine Meos. Ich kam in Zentral-Kasachstan zur Welt, habe schon im Kindergarten angefangen zu tanzen, und während all meiner Jahre hat der Tanz mich in der unterschiedlichsten Weise und in den verschiedensten Formen begleitet. Und ich habe oft davon geträumt, auf einer richtigen Bühne aufzutreten. Und wenn ich dann tatsächlich auf einer richtigen Bühne gestanden habe, fühlte sich das auch immer genau richtig an. Meine Mutter hat eine starke künstlerische Ader, und sie hat meinen Wunsch zu tanzen immer unterstützt. Aber in meiner Heimat galt so etwas nicht als richtiger Beruf. Und mein Traum, einmal ein eigenes Tanzstudio zu eröffnen, lag in fernster Ferne (Kasachstan ist ein islamisches Land). Deswegen habe ich den Beruf einer Programmiererin ergriffen und sogar ein Jahr lang ausgeübt. Doch ich habe rasch gemerkt, daß das nicht das Richtige für mich ist: den ganzen Tag nur sitzen, jeden Tag der gleiche Ablauf, nur 30 Urlaubstage im Jahr …

Aber am Abend tat sich eine ganz andere Welt für mich auf. Tanz, Kreativität, Spaß, positive Erlebnisse und viele Gespräche mit Gleichgesinnten. Meine IT-Ausbildung hilft mir natürlich bei vielen Gelegenheiten, aber meine Seele hat immer nach Kunst, Tanz, Bühne, Tanzen lehren und Veranstaltungen organisieren gestrebt.

Wie haben sich der Tribal und du kennengelernt, und warum hat er dich nicht mehr losgelassen?

Vor zehn Jahren bin ich für meinen Tanzlehrer eingesprungen und habe Raks Sharki unterrichtet (sechs Jahre hatte ich bei ihm gelernt). Als Tänzerin hatte ich einiges erreicht, aber das Lehren war mir völlig neu. Irgendwann bin ich dann, wie so viele Tribal-Tänzerinnen, bei You Tube auf BDSS-Videos gestoßen, und die haben mein ganzes Leben verändert. Und ohne, daß ich jemals davon auch nur zu träumen wagte, haben die “Sterne” mich zu euch und zu diesem Interview geführt. Kurzum, der Tribal hat mein ganzes Leben erfüllt.

Du lebst in Astana, der Hauptstadt von Kasachstan, gibt es dort oder überhaupt in Zentralasien so etwas wie eine Tribal-Szene?

Ich habe bis 2016 in Kasachstan gelebt, und ich habe den Tribal nach Astana gebracht. Ein halbes Jahr lang hatte ich nur eine Schülerin, und niemand hat verstanden, was wir da eigentlich gemacht haben. Aber nach ein paar gemeinsamen Auftritten, wuchs die Gruppe ständig an. Als wir 10 waren, habe ich uns den Namen “Tribal Pro” gegeben. Fünf Jahre lang habe ich in Astana Tribal unterrichtet, dann waren einige meiner Schülerinnen so weit, selbst zu unterrichten. Das war mir sehr lieb, denn ich mußte nach Almaty im Südosten des Landes umziehen. In Almaty bin ich rasch auf Gleichgesinnte gestoßen, und daraus wurde dann die Süd-Dependance von “Tribal Pro”. Dort wurde dann auch das erste Tribal-Tanzstudio eröffnet (Almaty ist die größte Stadt Kasachstans). Zwei Jahre danach bin ich dann mit meiner Familie wieder zurück nach Astana, und meine Lehrerinnen in Almaty haben die Tanzschule fortgeführt. In der Hauptstadt habe ich dann ebenfalls ein Tanzstudio eröffnet, das heute das größte von Kasachstan ist. In anderen Städten – Karaganda und Temirtau, beide im Nordosten des Landes – haben sich ebenfalls Tribal-Gruppen gebildet, die bei Tribal Pro mitmachen wollten. Wir machen daraus kein Geschäft, denn es geht uns um die gemeinsame Sache.

Ich habe dadurch viele wunderbare Menschen, begabte Tänzerinnen und Frauen mit einem großen Herzen kennengelernt. Wenn man Mitglied bei Tribal Pro werden will, reicht schon der Wunsch. In diesem Jahr feiern wir Achtjähriges, wir sind zehn Lehrerinnen und wir haben alles zusammen über 100 Schülerinnen. 2017 bin ich mit meinem Mann nach Hongkong umgezogen, und im Nachhinein bin ich darüber sehr froh. Unsere Familie hat hier ein neues Stadium erreicht. Aber ich versuche immer noch, mit allen bei Tribal Pro in Kontakt zu bleiben. Und zweimal im Jahr werde ich zurück nach Kasachstan reisen.

Kasachstan besitzt eine reiche Tradition an Volkstänzen, hat das in irgendeiner Weise deinen Tanzstil beinflußt?

Aber natürlich. Einmal sind wir als Gruppe zu kasachischer Musik aufgetreten. Leider ist es nicht ganz einfach, für meinen Stil die richtige Volksmusik zu finden. Kasachische Musik wird in der Regel von Orchestern gespielt, und so etwas läßt sich nicht leicht auf Tribal übertragen. Deswegen ist es auch bei unserem einen Auftritt geblieben. Aber wir tragen gern den Schmuck unserer Volkskunst auf unseren Gewändern, und der sieht dem turkmenischen sehr ähnlich. Sehr schöne Sachen mit Mustern von Widderhörnern.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben, und wie hast du ihn entwickelt?

Eigentlich haben wir in den acht Jahren unserer Gruppen-Auftritten so gut wie alles einmal ausprobiert. Heute nennt man uns eine Kombination aus Weiblichkeit und Wagemut mit toller Bauchtanz- und Isolationstechnik.

Wenn du an einer neuen Choreographie arbeitest, was kommt dann zuerst: eine Musik, ein neuer Schritt, ein Gefühl? Und wenn das gefunden ist, wie geht es dann weiter?

Die Inspiration kann von verschiedenen Quellen herrühren. Beim letzten Stück stand ein toller
bunter Stoff am Anfang meines Tanzes, und dann habe ich nach der passenden Musik gesucht. Die Schritte kommen automatisch mit der Musik, denn als Tänzer sind wir Menschen, die Musik visualisieren. Wir müssen die Musik ganz einfach anderen vermitteln. Das Publikum soll sie durch uns hören. Tänzer zeigen uns die musikalischen Momente, die wir sonst vielleicht gar nicht bemerken würden. Die Gefühle des Komponisten oder Liedschreibers haben die Musik oder das Lied zur Welt gebracht, wir wiederum nehmen die Emotionen daraus in uns auf und präsentieren sie dem Publikum.

Was wirst du uns beim Festival auf der Bühne zeigen?

Ich werde dort zeigen, wie glücklich ich bin, als Gast auf euer Festival eingeladen worden zu sein. Es macht mich so stolz, bei euch zu tanzen, und ich will all meine Energie mit euch teilen.

Was lernen wir in deinen Workshops?

Ich gebe euch meine persönlichen Erfahrungen mit auf den Weg, wie man sich selbst in der Technik entwickelt und wie man in sich selbst neue Schritte sucht. Wir begeben uns in unseren Körper, nach oben und unten, nach links und nach rechts.

Im zweiten Kurs füllen wir unseren Tanz mit Gefühlen und lernen zu verstehen, wie so etwas funktioniert und welche Hilfsmittel wir dafür brauchen.

Homepage Tribal Pro: http://protribal.kz/index.php/ru/
Olga Meos bei facebook ...
WORKSHOP am Sa., 10. Juni 2017, 12:30 – 14:30h

Olga Meos / JUST DRILL IT! Pimp your Level!

Mindblowing layering, breathtaking beauty and power of Tribal Fusion…

Complete tribal atmospheric immersion in your body, with a bit of amazing music, drilling non-stop for a new level of perfection of your technique. From the simplest moves to the most blow-mind layerings and transitions!

Hier entlang zur Anmeldung ...

WORKSHOP am So., 11. Juni 2017, 10:00 – 12:00h

Olga Meos / "Roller Coaster“ – Contrast of eMotion Olga Meos Style

After learning of the standard 8-counting combinations we often have a desire to make our dance more alive and interesting for the viewer. And this contrast makes people laugh, cry with joy or cry. For example roller-coaster that move slowly, and then almost throw you into the abyss before gently returning back to earth. That is what we are going to do on the class – the addition of emotions in motion, contrast, slow and fast to make your dance more incredible and powerful.

Hier entlang zur Anmeldung ...