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Photos ©: Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Naya Grigoreva
Grafik/WebDesign: Konstanze Winkler
Vor wenigen Wochen hat sich
Naya Grigoreva bei uns gemeldet. Sie betreibt ein Tribal Festival in ihrer Heimatstadt Odessa (in der Süd-Ukraine, am Schwarzen Meer) und möchte das gern in ganz Europa bekannt machen. Wir wollten mehr erfahren, und am Ende stand das Interview mit ihr, das wir hier präsentieren:
„EINMAL BEI RACHEL BRICE UND ZOE JAKES LERNEN.“

Interview mit Naya Grigoreva

von Marcel Bieger (auch Übersetzung)

Wann hast du mit dem Tanz angefangen, welche Tanzarten hast du gelernt, und arbeitest du heute hauptberuflich als Tänzerin, oder hast du noch einen anderen Beruf?

Ich habe mit 15 mit dem Bauchtanz angefangen, aber nach 2 Jahren wieder damit aufgehört. Von Tribal hatte ich da schon gehört, aber noch keine rechte Vorstellung davon. Er war eben noch sehr unbekannt, sowohl in meiner Heimatstadt Odessa wie auch in der ganzen Ukraine. Aber mit 19 stieß ich bei uns auf eine Tanzschule, wo eine Frau Tribal Fusion-Unterricht gab. Davor hatte ich nur entsprechende Videos gesehen. Die waren ganz unglaublich für mich. Also habe ich nicht lange gezögert und mich in der Tanzschule eingeschrieben. Seitdem tanze ich Tribal Fusion, und das nun schon seit sieben Jahren.

Daneben habe ich auch in anderen Genres Unterricht genommen, wie Zeitgenössisch, Dance Hall, Modern und Bharatanatyam. Das nutzt mir sehr, weil ich daraus immer wieder etwas in meinen Tribal Fusion einfließen lassen kann. Seit sechs Jahren betreibe ich auch Joga. Der hilft mir, jugendlich zu bleiben, den Körper in Schuß zu halten und die Muskeln zu stärken. Kürzlich habe ich eine neue Leidenschaft entdeckt, die mich so sehr begeistert wie Tribal: Vertikaltuchakrobatik. Ich stand einmal vor der Wahl, einen normalen Büro-Job anzunehmen, habe mich dann aber doch für meine Kunst entschieden. Der Tribal ist meine ganz große Liebe. Ich habe noch einen Halbtags-Job, um über die Runden zu kommen, mir bleibt genug Zeit für meine Schülerinnen und mich selbst. Außerdem arbeite ich als DJ bei verschiedenen Veranstaltungen in Restaurants.
Wie hast du überhaupt vom Tribal erfahren, und warum ist er deine große Liebe geworden?

Zum allerersten Mal habe ich davon von meiner ersten OT-Lehrerin gehört. Die hat uns erzählt, daß Tribal-Tänzerinnen zu merkwürdiger Musik tanzten und komische Sachen mit viel Metall dran trügen. Sie hat uns auch gesagt, Tribal sei nichts für uns und wir sollten schön beim OT bleiben. Ich habe mich dann aber doch anders entschieden. Wie fast alle überall auf der Welt haben wir Tribal vor allem im Internet kennengelernt. Die Videos von Rachel Brice, Zoe Jakes und all die anderen berühmten Tribal Tänzer waren so beeindruckend und haben so viel in uns ausgelöst. Ich erinnere mich, einmal beim Zuschauen einen ganz emotionalen Moment gehabt zu haben. Ich hätte bei so viel Großartigkeit am liebsten angefangen zu weinen. Jetzt wißt ihr, wie sehr ich Tribal liebe.

Wie steht es um den Tribal im Süden der Ukraine? Habt ihr Verbindung zu den Tribal-Szenen in den Nachbarländern?

Odessa ist die größte Stadt der Süd-Ukraine. Eingerechnet meinem „Black Sea Tribe“-Studio haben wir drei Tribal-Tanzschulen in Odessa. Ich kennen viele Tänzer aus dem Ausland, und ich würde gern noch mehr aus Europa kennenlernen. Für mich ist es ganz wichtig, stärker mit europäischen Tänzern in Verbindung zu treten.

Wie würdest du deinen eigenen Tanzstil beschreiben, und wie hast du ihn entwickelt?

Ich habe mit den unterschiedlichsten Tribal-Tänzerinnen aus der Ukraine, aus Rußland, Kasachstan, Polen, Slowenien und den USA getanzt. Mein eigener Stil ist eher weich und fließend. Ich füge gern ein paar flüssige Bewegungen hinzu, um das Stück noch interessanter zu machen, und ich versuche, Liebe und Freude all denen zu bringen, die mir zuschauen, wenn ich auf der Bühne stehe. Darauf kommt es mir auch in meinem Unterricht an. Hin und wieder darf es bei meinen Auftritten auch etwas Burlesque sein, und ich versuche ständig etwas Neues (Stimmungen, Musik, Gefühle, sonstige Eingebungen), damit meine Stücke jedesmal anders aussehen.

Wer ist als erste auf die Idee gekommen, in Odessa eine eigenes Tribal-Festival ins Leben zu rufen? Und wie habt ihr die Idee in die Tat umgesetzt?

Als erste hat Vika Om ein großes Festival mit ausländischen Dozentinnen veranstaltet. Vika ist eine wunderbare Tribal-Tänzerin in Odessa. Inzwischen sind wir beide Partner beim „Tribal Burn Festival 2017“. Das wird dann ihr viertes Tribal Festival in Odessa, das sie (mit)veranstaltet.

In der Vergangenheit haben zwei andere Tanzschulen in Odessa jeweils ein Festival mit Tänzerinnen aus dem Ausland abgehalten. Nachdem ich an Workshops von Manca Pavli aus Slowenien teilgenommen hatte, wußte ich, daß ich mein eigenes Festival in Odessa ins Leben rufen wollte. Im letzten Jahr war Manca unser Stargast beim ersten Tribal Burn Festival
und ist als Tänzerin und als Dozentin aufgetreten.

Das Tribal Burn Festival findet in diesem Jahr zum zweiten Mal statt. Was wird es dabei Neues geben? Welche Höhepunkte habt ihr für die diesjährige Veranstaltung gefunden?

Oh, wir sind alle schon furchtbar aufgeregt! Aus Brasilien reist unser diesjähriger Stargast, Joline Andrade, an und wird auf dem Tribal Burn 2017 auftreten und Workshops geben. Sie ist eine einzigartige Lehrerin, nicht nur für unsere Gegend, sondern für unsere Besucher aus ganz Europa. Wir sind sehr stolz darauf, die Möglichkeit anbieten zu können, bei einer der größten gegenwärtigen Künstlerinnen lernen zu können. Ich persönlich hoffe, dadurch das Niveau unserer ukrainischen Tribal-Tänzerinnen noch weiter steigern zu können. Aber auch unsere ausländischen Besucher werden diese Workshops mit Gewinn besuchen.

Wie bereits erwähnt, arbeite ich in diesem Jahr mit Vika Om zusammen. Sie leitet die Tribal Burn-Show, die draußen in der Innenstadt auf dem Hauptplatz von Odessa, im historischen Stadtkern, stattfindet. Dahinter steckt natürlich die Idee, Tribal noch bekannter zu machen und unsere Kunst und Leidenschaft mit allen zu teilen, die guten Willens sind und so etwas lieben.

Warum lohnt es sich, ein wenig länger in Odessa zu bleiben?

Ich liebe meine Stadt und möchte, daß Menschen aus der ganzen Welt sie kennenlernen. Odessa hat wirklich seinen Charme und ist eine Stadt mit Seele. Man bekommt eine Menge zu sehen, wenn man nach Odessa kommt: Schöne Frauen und gutaussehende Männer, interessante Architektur aus dem Neunzehnten und Zwanzigsten Jahrhundert (Odessa ist eine alte Urlaubsstadt, die russische bessere Gesellschaft ist vor dem Ersten Weltkrieg regelmäßig dorthin in die Sommerfrische gefahren). Man speist in luxuriösen Restaurants oder trinkt einen Kaffee in einem verträumten Café. Außerdem gilt Odessa als Hauptstadt des Humors. Wir haben ein sehr reges Nachtleben, und den ganzen Tag über wird einem allerlei auf dem Schwarzen Meer geboten. Wußtet ihr schon, daß Odessa über viele großartige Strände verfügt? Alle nachsowjetischen Staaten nennen Odessa nur „Mama Odessa“. Also stellt euch vor, ihr kommt nach Hause ins Heim eurer Mutter. Diese Stadt ist ein warmer und einladender Ort. Odessa begrüßt seine Gäste mit einem weiten Herzen. Na, schon überzeugt genug …

Was hast du für Zukunftspläne?

Meine Zukunftspläne lauten: noch mehr an mir selbst arbeiten, mehr Tribal Festivals besuchen und, wenn möglich, dort auftreten und mich von all den Tribal-Göttinnen auf der ganzen Welt inspirieren zu lassen. Mein Fernziel ist, einmal bei Zoe Jakes und Rachel Brice zu lernen. Das Leben geht weiter, und manchmal werden Träume wahr. Ich denke geradeaus, weiß, was ich will, und vertraue darauf, daß meine Pläne sich umsetzen lassen.
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