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Grafik/WebDesign: Konstanze Winkler
Photos ©: 1 Domonique Cognee, 2 Shellie Gilbertson, and others - publication with kindly permission of Moria Chappell
Moria Chappell war noch in ihrer Tanzausbildung, als sie von Miles Copeland für die BDSS entdeckt wurde. Bald wurde sie einer der Stars dieser Gruppe und war zum Schluß die Leiterin derselben. Dann wurde es, vorsichtig ausgedrückt, still um die BDSS, und Moria begann ihre Solo-Karriere, die sie vor allem nach Asien führte.

Beim Studium des Odissi entdeckt sie Ähnlichkeiten dieses uralten indischen Tanzes mit anderen Tänzen in Südost-Asien und im Nahen Osten. Sie kam bald zu der Erkenntnis, daß es einst einen Ur-Tanz gegeben haben muß, und seitdem ist sie …
" ... DEM UR-TANZ AUF DER SPUR"

Interview mit Moria Chappell

von Marcel Bieger (auch Übersetzung)

Wie ist dir der Übergang vom Ensemble-Mitglied bei BDSS zur Solo-Künstlerin bekommen?

Ich habe die Tournee-Pause in den letzten Jahren (wir waren als BDSS ja oft Monate unterwegs) als Bereicherung und Weiterentwicklung empfunden. Dank BDSS habe ich viele neue Länder kennengelernt und konnte vor vielen Menschen auftreten. Ich werde Miles Copeland (Gründer und Chef der BDSS) ewig dafür dankbar sein, mir so etwas ermöglicht zu haben. Zu meinem Glück ist der Übergang von der Leiterin der BDSS-Tanztruppe zur Solo-Künstlerin erfolgreich verlaufen. Ich bin allein in diesem Jahr in vierzig Ländern dieser Erde als Künstlerin und Dozentin aufgetreten. Die Stempel in meinem Paß können sich sehenlassen. Übrigens nehmen bei den Belly Dance Super Stars die Überlegungen langsam Formen an, 2017 wieder auf Tournee zu gehen.

Du verknüpfst in deinem Tanz ein erstaunliches Spektrum von Genres, die du alle sehr gut beherrschst, aber eines ragt deutlich heraus: der klassische indische Tanz. Was sind die Gründe dafür?

Die Grundlage für die Beherrschung der Tanzstile, die einem wichtig sind, besteht meiner Meinung nach im ununterbrochenen Erlernen derselben und in der andauernden Auseinandersetzung mit ihren Inhalten. Ich hatte immer schon eine ganz besondere Schwäche für die Tänze des Altertums, im Besonderen für diejenigen, die sich vor 5000 Jahren entlang der alten Gewürzstraßen entwickelt haben.

2008 bin ich zum ersten Mal nach Indien gereist, um in Odischa den Odissi zu lernen. Dabei bin ich auch kreuz und quer durch den

Subkontinent gezogen und habe mir die unterschiedlichsten Tänze angeschaut und sie erlernt, so die Volkstänze in Radschastan bis zur eigenwilligen Kampfkunstart Chhau, aber auch den Kathak, den Bharathanatjam und den Odissi selbst. Dabei ist mir aufgefallen, daß die Brustkorb-Arbeit wie auch die Arten des Gesichtsausdrucks sehr denen der Tänze im Nahen Osten gleichen. Dieser indische Tanz besteht als einziger von denen fort, die schon vor 5000 Jahren getanzt worden sind.
Ich bin auch den Routen der sogenannten Gewürzstraßen von Ost-Indien über Thailand, Indonesien, Kambodscha, China und Polynesien gefolgt. Zu meinem großen Erstaunen bin ich dort auf deutliche Ähnlichkeiten in den Tanzformen gestoßen, die nur in diesen Gegenden und sonst nirgendwo in Gebrauch sind. Elemente alter kambodschanischer Tempeltänze haben mehr gemein mit den Tempeltänzen in Odissi als mit den Volkstänzen der Region. Daraus darf man wohl schließen, daß die alten Tempeltänze von Generation zu Generation weitergegeben, bewahrt und auf den Gewürzstraßen weitergetragen wurden wie Weihrauch, Stoffe und andere Waren. Vermutlich als kultische Verehrung für eine Göttin. So richtig fasziniert hat mich aber, daß diese Tänze auch noch nach 5000 Jahren noch in der einen oder anderen Form vorhanden sind. Ihre Verbreitung hat zwar deutlich abgenommen, aber gleichwohl können wir sie auch heute noch bewahren und weitergeben.

Indien war nur eine Station auf den Gewürzstraßen, von dort ging es westwärts weiter zum Zweistromland bis nach Karthago und schließlich Spanien. Wenn man sich die Routen anschaut – die Gewürze wurden ja per Schiff und nicht auf dem Landwege befördert -, versteht man auch, warum einige Schritte im Flamenco, im tunesischen Tanz und im Odissi Ähnlichkeiten aufweisen. So ähnlich wie bei gewissen Sprachmerkmalen, die auf eine gemeinsame Ur-Sprache schließen lassen. Wir erkennen und tanzen die Bewegungen, die sich auf einen Ur-Tanz zurückführen lassen, der einst den Nahen Osten mit Südost-Asien verbunden hat.

Alles, was ich über den Odissi weiß, habe ich von meiner Tanzlehrerin Dr. Ratna Roy. Sie hat mir dessen spezielle Form des Mahari-Odissi beigebracht, den sie selbst von den Tempeltänzerinnen erlernt hat. Die letzte von ihnen ist vor ein paar Jahren verstorben, aber es war mir vergönnt, sie noch bei den Reisen mit meiner Lehrerin durch Indien kennenzulernen. Die Dame war bereits blind und konnte nicht mehr gehen. Aber sobald sie mitbekommen hatte, daß Besuch erschienen war, erwachte sie wie zu neuem Leben und hat im Sitzen für uns einen Radscha Krischna-Tanz vollführt. Sie hat dazu auch gesungen und bestimmte Mudras ausgeführt, und ihre Mimik ließ sie wie eine Sechzehnjährige erscheinen.

Wenn ich nicht auf Tournee bin, reise ich gern in den Nordwesten der VSA, genauer an die Pazifikküste, um dort mit meiner Odissi-Lehrerin zu arbeiten und zu tanzen. Sie ist mittlerweile 71, in Indien aufgewachsen und hat die uralte Methode des Odissi gelernt. Dank des wachsenden Einflusses von Modern und Ballett in die Tanzwelt, hat sich auch bei den indischen Tänzen so manches verändert und unterscheidet sich deutlich von dem, was die Tempeltänzerinnen vorgeführt haben.

Die Maharis (die Tempeltänzer in Odischa, Anm. d. Red.) haben sich auf die Atmung, die Brustkorb-Artikulation und die Bewegungen der Handgelenke konzentriert. Insgesamt wirken ihre Darbietungen eher geschmeidig als abgehackt, eher rund als eckig. Die Maharis haben meiner Lehrerin erzählt, daß es früher dabei auch Hüftbewegungen gegeben habe, die jedoch nach den Reformen des Odissi in den 50er, 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts abgeschafft worden seien, um den Tanz leichter beibringen zu können; kurzum, die Schüler sollen ihn sich besser einprägen können.

Ich war die erste, die jemals Odissi mit Tribal Fusion verknüpft hat. Mittlerweile ist diese Fusion recht populär geworden, und ich freue mich sehr, hier all den Künstlern, die nach mir gekommen sind, eine Tür geöffnet zu haben. Deshalb würde ich mich freuen, immer als diejenige erwähnt zu werden, die diese Fusion als erste gewagt hat, denn es gab eine Menge Ängste und Tabus zu überwinden, ob man so überhaupt mit dem Odissi umgehen dürfe.
Bild unten: Die Figuren im Jogini-Tempel in Odischa
(Quelle:
https://commons.wikimedia.org/... ) © Prithwiraj Dhang
Wenn ich ein neues Stück erschaffe, komme ich mir oft so vor, als würde ich den Tanzschritten die Hüft- und Oberkörper-Bewegungen zurückgeben. Ich konzentriere mich auf Odissi-Elemente, bei denen man spürt, daß dort einmal Oberkörper- und Hüft-Bewegungen gewesen sein könnten, bis alle Teile nahtlos ineinander übergehen. Mit meiner Mutter arbeite ich in dieser Hinsicht auch oft zusammen, wir schreiben zum Beispiel ein Buch über den Jogini-Tempel in Odischa, in dem 64 Joginis zuhause sind. In den vergangenen acht Jahren haben wir zu erforschen versucht, wofür jede diese Figuren steht. Was bedeuten ihre Gestalt, ihr Schmuck, ihre Waffen und so weiter. Wir haben eine ganze Photo-Serie geschossen und darin jede Jogini wiederhergestellt; im Laufe der Zeit, die Figuren stammen aus dem Mittelalter, sind immer wieder deren Gesichter und Glieder von fremden Eroberern abgeschlagen worden. Wir planen eine achtbändige Serie darüber, und das erste Buch mit den ersten acht Figuren soll bald erscheinen. Ein wahres Lebenswerk!

Außerdem arbeite ich an mehreren Shows mit Tänzen und Szenen aus den Tänzen, auf die ich bei meinen Reisen gestoßen bin und die durch die Gewürz-Straßen miteinander verbunden sind. Darunter finden sich zum Beispiel chinesische Tänze aus Dun Huang an der chinesischen Seidenstraße, nepalesischer Charya-Tanz, kambodschanischer Apsara, Dai Tanz aus dem chineischen Yünnan, javanesische Solo-Tänze und Hula und tahitianischer Tanz. Die alle verknüpfe ich zu Formen und Mustern, wie sie möglicherweise dem Tanz der Ahnen entsprechen.

Was werden wir in diesem Jahr von dir auf dem Festival von Leyla und Roland zu sehen bekommen?

Auf Leyla und Rolands Festival in diesem Jahr werde ich in den Workshops die Dinge behandeln, die ich eben aufgeführt habe: Jogini Fusion, tunesischer Fusion, javanesischer Fusion, Hula Tribal Fusion und Odissi Tribal Fusion.

Weiters tanze ich mit Foxycat Alice ein Duo, in dem es um den Pfauentanz der Dai-Kultur geht. Der kommt aus Süd-China, und wir verbinden ihn mit Bauchtanz, eine ganz neue Fusion. Alice hat mich in ihre Heimat eben im Land der Dai mitgenommen, und wir haben diesen uralten Tanz studiert, der vor 3000 Jahren aus Indien dort eingeführt worden ist. So steht es jedenfalls in den alten Schriften von Foxycats Volk geschrieben.

Wie sehen deine weiteren Pläne aus?

Ich trete oft mit einer Tanzgruppe auf (und schreibe die Choreographien für sie), die sich aus ehemaligen BDSS-Tänzern und einigen meiner Schülerinnen zusammensetzt. Sie sind über die ganze Welt verstreut, teilen aber meine Begeisterung für die uralten Tänze und ihre Verbindungen untereinander. Wir nennen uns „Wild Saffron“ („Wild-Safran“, aber nicht „Wilder Safran“, denn der ist etwas anderes, Anm. d. Red.) Unsere Auftritte erinnern in ihrer Gefühlswelt an eine Oper und werden von einer Traumlandschaft zusammengehalten. Es gibt keine feste Geschichte drumherum, sondern nur das Gefühl einer andersartigen Welt, eine alte Zeit, durch die der Wind einer neuen Welt weht. Letztes Jahr haben wir eine zweistündige Show mit dem Titel „Nocturnal“ („Des Nachts“) vorgestellt, im Herbst folgt ihr „Incantation“ („Beschwörung“). Darin nehmen wir das Publikum mit auf die Reise eines Helden, der seine Unschuld verloren hat und sie durch Verwandlung wiederfindet.

Ich plane auch, online-Unterricht zu verfilmen, damit all das Tanz-Wissen, das ich im Laufe meiner Reisen zusammentragen durfte, an all die Menschen weitergegeben werden kann, die sich ebenfalls für dieses Thema interessieren. Eine meiner großen Ängste besteht nämlich darin, daß alle diese alten Tänze im Sinne unserer modernen Tanz-Prinzipien umgemodelt werden und das, was sie mit dem Bauchtanz verbindet, aus ihnen entfernt wird. Das vollzieht sich gerade bei den Tempeltänzen in Südost-Asien. Wenn ihr euch ebenfalls für meine Reisen interessiert, schaut gern auf meiner

Fan-Seite bei facebook vorbei (Moria Chappell), besucht mich auf
Instagram oder schaut auf meine Homepage
www.moriachappell.com, da steht auch alles über meine Workshops und meinen online-Unterricht.

Video unten: Moria Chappell und ihre Tanzgruppe Wild Saffron's mit "Nocturnal" - klicke aufs Bild, und Du wirst zu YouTube weitergeleitet ...

Moria Chappell ist zu Gast bei
Leyla und Roland Jouvanas
24. Orientalischen Festival Europas
22. - 28. November 2016 in Duisburg

Kartenvorverkauf, Workshop-Anmeldungen
und alle Infos unter:
www.leyla-jouvana.de

ALLE WORKSHOPS mit MORIA CHAPPELL in Duisburg:

Di, 22.11., 11:00 – 13:00 Uhr
BDSS Moria Chappell - Odissi Tribal Fusion Bellydance
Der Odissi Indische Tempel-Tanz ist einer der ältesten klassischen Tanzformen der Welt. Technik & Kombis, die zu einer Odissi Tribal Fusion Choreographie führen.
Weitergegeben von dem Guru an seinen Schüler über Tausende von Jahren. Odissis fundamentale Kombis & Übungen die den Tribal Fusion Bellydance ergänzen. Moria war die erste, die diese 2 Tänze fusioniert hat zu ihrem einzigartigen und unvergleichlichen eigenen Stil. Körperisolationen, Tempel Tanz, Odissi Posen, Heilige Geometrie und Mudras, angewendet zu moderner Musik und mit modernen Bewegungen.

Mi., 23.11., 13:30 – 15:30 Uhr
Moria - Hula Avant Garde Tribal Fusion - Technik, Kombis & Choreo
Moria unterrichtet fundamentale Hula Fußarbeit, Hüft-Schwünge und Hand- und Arm-Gestik in ihrer traditionellen Art und fusioniert es mit dem Avante Guard tribal fusion zu einer mystischen aber lebensfrohen Choreo zu wilden Trommelklängen. TRIBAL FUSION HULA findet Ihre Wurzeln im traditionellen Hula Tanz, einem alten Tempel Tanz zu Gesang und Trommeln dessen Ursprung uns von Indien nach Thailand, über Indonesien zu den Polynesischen Inseln führt.

Do., 24.11., 20:15 – 22:15 Uhr
Moria Chappell – Javanese Fusion - Slow Transitions & Graceful Poses
JAVANESE FUSION - Grazile Moves des traditionellen Javanese Dance in Verbindung mit dem kontrollierten und muskelisolierten BD. Emotionale, spirituelle Moves mit eleganten Posen & Gestik. Video von Moria's Javanese Fusion bei YouTube ...

Fr., 25.11., 12:30 - 14:30 Uhr
BDSS Moria Chappell - TUNISIAN FUSION – Ancient Goddess
Frische und einzigartige Tanz-Technik, Haltung und Posen mit neuen Twists und unerwartete Boden-Tanz-Übungen sowie High-Energy-Kombis. Entdecke die Ur-Göttin und die heilige Weiblichkeit in Dir " the crown chakra". Traditionelle Tunesische Kombis fusioniert mit Tribal Fusion BD.
Moria's Tunisian Fusion Dance Video bei You Tube ...

So., 27.11., 09:15 -11:15 Uhr
BDSS Moria Chappell -YOGINI FUSION
Die 64 Yogini Statuen befinden sich in einem Open-Air-Tempel von Hirapur/Indien und repräsentieren die gesamte Energie des Universums. Moria's langanhaltende Forschung ihrer Geschichte, Legende, Mythologie & ihrer Tänze, vereinbart sie in dem grazilen jedoch kraftvollen YOGINI FUSION. Entdecke die DEVAS und aktiviere die heilige Weiblichkeit/Göttin in Dir und erkenne Deinen Archetyp.
Moria's Yogini Fusion Video bei YouTube ...

Javanese Fusion
Odissi Fusion
Yogini Fusion