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Zu den ersten, die wir als Hagalla begleiten durften, gehört Manis. Wir haben sie als Tänzerin, als Choreographin und als Veranstalterin bewundert und nur selten einen Auftritt von ihr verpaßt. Vor 5 Jahren hat sie zu ihrem 60. Geburtstag eine Riesen-Party geschmissen, und obwohl die einem immer noch wie gestern vorkommt, wird sie heute schon 65 und ist immer noch frisch und voller Ideen. Vielleicht weil sie so viel Dinge anpackt (und auch umsetzt) vergeht die Zeit mit ihr wie im Fluge. Im nun folgenden Gespräch erzählt sie uns, was sie alles unternommen hat und wie es dazu gekommen ist. Bleib so, liebe Manis, auf die nächsten 65 Jahre!
"ICH BIN DIE ANDERTHALBTE GENERATION"
Gespräch mit
Manis
von Marcel Bieger
Kaum zu glauben, du bist heute 65 geworden, und es macht dir nichts aus, das auch aller Welt kundzutun.

Stimmt, ich bin am 14.3.1953 in Singapur zur Welt gekommen und damit eigentlich Chinesin, aber dann hat mich eine indonesische Familie adoptiert, wovon ich allerdings erst viel später erfahren habe, als ich nämlich für meine Hochzeit diverse Papiere benötigt habe. Dann ist in Indonesien, das damals niederländische Kolonie war, der Unabhängigkeitskrieg ausgebrochen, und meine neue Familie ist mit mir nach Deutschland geflohen. Zuerst hat mein Vater, der Gewürzhändler war, in Hamburg eine Firma eröffnet, 1959 oder 1960 sind wir dann nach Köln gezogen. In der Realschule habe ich Bruno Assenmacher kennengelernt, und 1980 haben wir beiden geheiratet. Die Ehe hat bis 1990 gehalten, dann haben wir uns scheiden lassen, sind aber immer noch gut befreundet und arbeiten auch zusammen.

Ich habe als Heimerzieherin gearbeitet und auf Empfehlung meines Supervisors die TZI-Ausbildung absolviert. Das steht für Themenzentrierte Interaktion und ist von Ruth Charlotte Cohn entwickelt worden (sie hat damals in Essen gelebt und ist 2010 in Düsseldorf verstorben). Wer eine TZI-Prüfung abgelegt hat, hat gelernt, mit Gruppen umzugehen und mit Menschen zu reden.

Und daß ich heute kein Geheimnis aus meinem Alter mache, rührt daher, daß ich stolz auf mein Leben und meinen Platz in der OT-Gemeinde bin.

Wie kommt man denn als Heimerzieherin zum Bauchtanz. Verzeih bitte, ich weiß, du magst den Ausdruck nicht sehr, aber damals, im letzten Jahrhundert, hieß der OT doch noch Bauchtanz, oder?

Durch eine Freundin habe ich den Weg in die „Werkstatt e.V.“ gefunden, der Vorläuferin des späteren „tanzhaus nrw“, das in diesem Jahr 20 Jahre alt wird. Ich habe dort mit Jazztanz und Modern begonnen, auch Brasilianisch getanzt, und da hat es natürlich nicht lange gedauert, bis ich weitere Kurse besucht habe. Irgendwann waren es dann derer sieben, und der OT war auch darunter; ich glaube, mit dem habe ich 1983 begonnen.

Damals waren die OT-Tänzer hier aber noch recht dünn gesät, bei wem hast du denn gelernt?

Bei Nahema ((bürgerlich Erika Kwiatkowski, sie gilt zusammen mit Dietlinde Karkutli als erste OT-Tanzlehrerin in Deutschland, Anm. d. Red.)), außerdem bei Bert Balladine, der einmal im Jahr aus den Staaten nach Heidelberg gekommen ist. Und ich habe in dieser Zeit Feyrouz im „Traumtheater Salome“ gesehen, ihr Säbeltanz in der Show hat mich umgehauen, das wollte ich auch …

Und wie bist du dann Lehrerin im Tanzhaus, bzw. in der „Werkstatt“ geworden?

1989 war das, ich hatte da schon einiges gelernt, und weil kaum ein anderer da war, hat man mich in der „Werkstatt“ gefragt, ob ich nicht eine Kindergruppe unterrichten wollte. Und etwas später, ab 1991, habe ich auch Erwachsene unterrichtet, und 1992 wurde dann die erste Projektgruppe, die heute noch als „Reise der Karawane“ läuft, geboren. Ich hatte damals 26 Teilnehmer. Schließlich hatte außer Nahema ja noch keiner so etwas angeboten.
Manis heute
Woher hattest du die Idee zu einem solchen Projekt?

Ich bin in Nahemas erster Projektgruppe gewesen, und danach haben die Teilnehmerinnen sich zu einer Showgruppe zusammengefunden. Unser Name war „Fan Baledi“. Die Show bestand aus Gruppentänzen und Solo-Auftritten. Wir sind zum erstenmal in der „Werkstatt e.V.“ mit unser eigenen Show „Ein Tag im Orient“ aufgetreten, dort hat Shahrazad uns gesehen und gefragt, ob wir mit ihr zusammenarbeiten und gemeinsam in Essen in der Zeche Carl bei ihrer Show auftreten wollen, 14 von den 18 in unserer Gruppe haben zugesagt. So kam es, daß ich auch bei „Salomons Töchter“ (Shahrazads Show-Ensemble) mitgemacht habe. Es folgte unsere zweite eigene Show von "Fan Baledi", diese hieß „Traumreise“. Natürlich habe ich in der Zeit auch bei Shahrazad Unterricht genommen. Aber ich bin nicht allzu lange dabeigeblieben, weil ich etwas Eigenes auf die Beine stellen wollte.

Dann kam doch wohl die Gruppe SINAM ins Spiel?
Die Gruppe SINAM besteht seit 1995 und ist aus einer frühen Projektgruppe entstanden. Der Name bedeutet übrigens MANIS, nur umgedreht. Zu jener Zeit bin ich zusammen mit Dr. Gamal Seif aufgetreten, und SINAM waren da auch einige Male dabei. Wir sind auch in seinen Shows dabei gewesen, und seine erste wurde in der „Werkstatt“ abgehalten. Später war SINAM noch einmal mit ihm auf der Bühne, auf der Jubiläums-Show „10 Jahre SINAM“.
Da gab es ja damals schon die „Orientale“, und bei der warst du auch dabei, und hast sie mitorganisiert.

Die erste „Orientale“ hat noch in der Werkstatt stattgefunden, so um 1990, und diese Festival-Reihe hat bis 2014 alljährlich über 10 Tage stattgefunden (in späteren Jahren immer weiter gekürzt). 2015 kann dann noch ein Nachzieher, die „Oriental Dance Days“. Das Tanzhaus und vorher die Werkstatt hatten die schöne Tradition entwickelt, alle möglichen Festivals zu Tanzstilen aus der ganzen Welt zu veranstalten; das hat sich heute allerdings alles etwas verschoben. Jedenfalls kam damals jemand auf die Idee, wir müßten auch einmal etwas mit Orientalischem Tanz machen. Zuerst gab es ein „Orientalisches Sylvesterfest“, aber dann bekamen wir so viele Anfragen, ob wir so etwas nicht an Karneval veranstalten könnten, weil es eine Menge Leute gab, die mit Karneval nicht viel am Hut hatten (na ja, Düsseldorf eben, Anm. der Kölner Redaktion). Seitdem fand die Orientale stets zu Karneval statt. Die Organisation des Festivals lag mit in meiner Hand, und ich habe auch die Künstler eingeladen. Wir waren aber nicht das erste OT-Festival in Deutschland, diese Ehre gebührt Reyhan und Djamila in Frankfurt/M. Unsere Orientale kam von Anfang an gut an und wurde bestens besucht.

Ab wann war denn Gamila dabei, deine Tanz- und Seelenschwester aus Ingolstadt?

Wir haben uns 1997 bei einem Workshop kennengelernt, sie nahm Unterricht bei mir, und wir haben uns angefreundet. Ich tanzte schon eine Weile mit Semiramis (Freiburg) als Duo, und wir sind dann auf Gamilas eigener Show als Trio aufgetreten. Seitdem tanzen Gamila und ich gerne und oft zusammen. Uns eint die gemeinsame Liebe zum traditionellen orientalischen Tanz.

Du giltst auch als eine der führenden Choreographinnen in Deutschlands OT.

Das kommt sicher daher, daß ich schon immer gern Fusionen getanzt habe; ich gehöre sicher zu den ersten in Deutschland, die den OT mit anderen Stilrichtungen zusammengebracht haben. Dafür bin ich allerdings auch angefeindet worden. 1995 habe ich zu Whitney Houstons „I‘ll Always Love You“ Doppelschleier getanzt, und man hat mir vorgeworfen, ich hätte den „OT verhunzt“. Das war bei den Duisburger Tanztagen, wo ich vier Jahre lang als OT-Dozentin tätig gewesen bin. Ansonsten habe ich bei den Fusionen alles für den OT verwendet, was ich einmal gelernt habe: Jazz-Oriental, Modern-, Afro-, Samba-, Salsa-, Burlesque und so weiter. Mit Sophia Chariarse habe ich sogar einmal Tribal-OT-Fusion getanzt.
Die Fusion-Choreographien studiere ich am liebsten mit meinen Gruppen ein. SINAM ist, wie schon erwähnt, aus der ersten Projektgruppe hervorgegangen, fünf Jahre später kam „Safira“ hinzu, und 2017 ist mein 3. Ensemble "Manisha" entstanden. Mit SINAM, „Safira“ und "Manisha" kann ich alles umsetzen, was mir tänzerisch durch den Kopf geht.

Wie ich schon an anderer Stelle erwähnt habe, hat den Fusionen immer mein Interesse gegolten. Und was soll ich sagen, heute sind Fusionen das große Thema im OT (lacht). Ich gehöre zwar nicht zur ersten OT-Generation in Deutschland, habe ich aber alle kennengelernt und war bei ihnen im Unterricht. Also bin ich vermutlich die anderthalbte Generation!
2015 war mit der Orientale endgültig Schluß, aber du hast weitergemacht und deinen ganzen Erfahrungsschatz genutzt, um eine eigene Show nach deinen Vorstellungen auf die Beine zu stellen, die Oriental Fusion Gala.

Ja, das war ein ziemlicher Hammer mit dem Ende der Orientale, und ich habe mich gefragt, wie es weitergehen sollte. Da hatte Dean (der damalige Betreiber des Bistros im Tanzhaus) die Idee, etwas Neues auf die Beine zu stellen. Vom Tanzhaus kannte ich noch das Konzept, alle Tänze dieser Erde vorzustellen. So etwas wollte ich bei der neuen Gala auch machen. Ich hatte im Lauf der Jahre so viele tolle Sachen gesehen, daß ich möglichst viele davon auch auf die Bühne holen wollte. Die Oriental Fusion Gala hat in diesem Jahr zum dritten Mal stattgefunden, und ich bin diesem Konzept immer treu geblieben. Im Februar 2019 wird es dann die 4. Oriental Fusion Gala geben.

Und als wäre das alles nicht genug, hast du auch noch die „Oriental Summer Academy“ ins Leben gerufen, eine Sommer-Akademie oder Ferien-Universität.

Richtig, und die gibt es in diesem Jahr bereits zum 8. Mal. Die Idee dazu ist mir gekommen, als ich in Gesprächen immer wieder gehört habe, daß im Sommer immer so ein Loch sei, ob man dagegen denn nicht etwas tun könnte? Und eines Tages war sie dann da, die „Oriental Summer Academy“, die inzwischen immer über mehrere Wochen läuft und Workshops in einer Menge anbietet, bei der kaum ein Festival mithalten kann. In meiner Sommer-Akademie kann man seine Tanzkenntnisse auffrischen, vor allem aber viele neue Techniken und Stile erlernen, der Orienttanz ist dabei zwar stärker vertreten, aber immer nur ein Genre unter vielen. Von Hula bis zum Step-Tanz war bisher alles dabei. Zum nächsten Mal vom 4. bis 19. August 2018. Bis jetzt haben bereits Antonio Rodriguez und Eliana als Dozenten zugesagt, die ja bereits auf der Gala im Februar 2018 bestens angekommen sind.


Homepage:
www.manis-tanz.de
Manis bei
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Manis' Oriental Summer Camp 2018
4. bis 19. August 2018
im tanzhaus-nrw, Düsseldorf
Infos demnächst unter www.manis-tanz.de oder auf Manis' fascebook Seite
Manis' 1. Abschlußshow Projekt 1992 - 95, heute nennt sich diese Show "Reise der Karawane"
1995 - Gründung von Manis' Ensemble SINAM
Manis, SINAM, Dr. Gamal Seif, Khaled Seif und Amoura (Wien/Israel)
Projektshow-Teilnehmer 1997/98 in der alten Werkstatt e.V. (oben Mitte: Bruno Assenmacher)
erster Tanz mit Gamal Seif im Jahre 1998 (alte Werkstatt e.V.)
Manis & Gamila, Oriental Fusion Gala 2015
Manis & Sophia Chariarse, Orientale 2011
Safira, "Die Reise der Karawane" 2017, tanzhaus.nrw
Manis' Projektgruppe , "Reise der Karawane" 2016 im tanzhaus.nrw
SINAM, Oriental Fusion Gala 2017, Capitol Düsseldorf
Unterricht mit Manis beim "Oriental Summer Camp" 2011, tanzhaus.nrw