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Auf deiner Seite (http://www.KelliLiDance.com), erfahren wir, daß du dich in einer Vielzahl von Tanzstilen auskennst: OT, Tribal Fusion, Arabische Volkstänze und auch in der nahöstlichen Musik. Mit vier Jahren hast du Ballett gelernt, dann Jazz-Tanz, Hip-Hop, House, Popping, Soul-Step, Modern und Zeitgenössisch sowie Lyrischen Tanz. Wo hast du nur die Zeit gefunden?

Ich glaube, ich habe großes Glück gehabt, in dem ich einfach auf die besten Tanzlehrer gestoßen bin. Als ich mit vier Jahren angefangen habe, stand mir ein großartiger Ballett-Lehrer zur Seite. Damals wußte ich natürlich noch nicht, ob der Tanz in meinem Leben eine Rolle spielen sollte. Aber dank des Lehrers habe ich zehn Jahre lang Ballett betrieben. Bis ich auf die Junior High gekommen bin. Dort herrschten sehr strenge Bräuche: Wir mußten den ganzen Tag in der Schule blieben und uns auf die Vorprüfungen für die Senior High School vorbereiten.

Street Dance habe ich in einer der berühmtesten Tanzschulen in Taipeh (Hauptstadt Taiwans) gelernt, in der alle möglichen Arten von Street Dance gelehrt wurden. Ich habe mich damals für Popping, House, Soul-Step und Hip-Hop entschieden. Später kamen Jazz, Zeitgenössisch und so weiter hinzu, und überall bin ich auf tolle Lehrer gestoßen.

Aber leider hat der Tag nur 24 Stunden, und so muß ich Prioritäten setzen; denn schließlich will ich mich ja auch im Bauchtanz fortbilden. Mein Schwerpunkt liegt auf Jazz-Tanz bei dem bedeutenden Lehrer Danny Lee, zu dem ich schon seit sieben Jahren gehe. Mit ihm habe ich ebenfalls Glück gehabt, denn er ist professioneller Tänzer mit einer Ausbildung in Ballett, Jazz-Tanz, Lyrischem Tanz, Hip Hop und afrikanischem Tanz. Wenn ich in Taipeh bin, gehe ich dreimal in der Woche zu ihm, und dank seiner breiten Palette lerne ich auch etwas über andere Tanzstile.

Nach einer Ausbildung in Ballett, Jazz und Zeitgenössisch ist es nicht gerade der vorgezeichnete Weg, sich dem Orientalischen Tanz und dem Tribal Fusion zuzuwenden. Wie bist du auf diese Genres gestoßen, und warum haben sie dich nicht mehr losgelassen? Und inwieweit beeinflussen die Stile, die du früher gelernt hast, deinen OT und deinen Tribal Fusion?

Unterschiedliche Tanzformen üben unterschiedliche Einflüsse auf einen Tänzer aus. Grundsätzlich gesagt: Viele Jazz-Tanz-Bewegungen sind isoliert und verlangen dem Körper einiges ab. Für mich ergänzen sich Jazz-Tanz und OT sehr gut miteinander. Street Dance zeichnet sich durch schnelle Bewegungen und überhaupt eine hohe Beweglichkeit aus.
Er hilft mir, mir in kurzer Zeit Bewegungsfolgen einzuprägen und überhaupt noch mehr Spaß beim Tanzen zu haben. Der Zeitgenössische Tanz bietet die unterschiedlichsten Ansätze, Krafteinsätze und Formen, die ich alle gerne gebrauche. Mir gefallen überhaupt interessante Tanzabläufe besser als bloßes hübsch aussehen wollen. So haben alle Tanzstile ihre Vorzüge und helfen mir, über den Tellerrand zu schauen.

Du tanzt beides, OT und Tribal Fusion. Wo liegen für dich als Tänzerin die Hauptunterschiede zwischen beiden?

Ich glaube, die Hauptunterschiede liegen in der Bewegungs-Qualität und in der Intension. Weitere Unterschiede dürften in der Ausdruckskraft, der Körperbeherrschung, der Ausdehnung im Fluß bestehen. Aber auf dem Gebiet des Raks Sharki habe ich noch einiges zu lernen, deswegen füge ich lieber gleich hinzu, daß das nur meine Meinung ist.

Wie machen sich Bauchtanz und Tribal auf Taiwan?

Taiwan ist keine besonders große Insel, und wie in den meisten Ländern in der Welt ist der Raks Sharki sehr beliebt und bekannt. Wir bieten viele Workshops an, und etliche ausländische OT-Stars kommen zu uns. Die Tribal-Gemeinde ist deutlich kleiner, und die Tribal Fusion-Szene fast schon winzig. Aber unsere Tänzerinnen gehen sehr leidenschaftlich an die Sache und wollen immer noch mehr lernen. Und mittlerweile haben wir auch mehr Tribal und Tribal Fusion-Veranstaltungen. Ich persönlich veranstalte das jährlich im Herbst stattfindende „Fuse the World“ (in diesem Jahr vom 7. – 15. Oktober und bereits im sechsten Jahr!).

Du bist Präsidentin der taiwanesischen Tanz-Vereinigung („Association of Dance Art in Taiwan“). Was macht diese Vereinigung?

Wir geben Unterricht, Wohltätigkeits-Veranstaltungen und ähnliches, um mehr Menschen dafür zu begeistern, sich mit der Tanzkunst, der Tanzmusik und der Tanzgeschichte zu beschäftigen.
Du hast dir international einen Namen als ITS nach Unmata-Künstlerin und -Lehrerin gemacht. Warum hast du dich gerade für diesen nicht ganz einfachen und anspruchsvollen Stil entschieden?

Eine interessante Frage! Ich habe das jedenfalls nicht so geplant, und es ist einfach so gekommen. Wahrscheinlich steckt Gottes Wille dahinter. Ich habe Amy Sigil 2011 beim Tribal Massive kennengelernt. Und sie war eine der Lehrerinnen beim Asia Massive 2012 auf Taiwan. Wir sind ins Plaudern gekommen, und sie hat mir verraten, daß sie 2013 ein ITS Intensive veranstalten wolle. Da stand für mich fest, daß ich zu Tribal Umrah mußte, um an meinem ersten Unmata ITS Intensive teilzunehmen, und das war 2013.

Bislang habe ich Level 1 ungefähr viermal gemacht, Level 2 drei Male, Level 3 zwei Male und Level 4 ebenfalls zwei Male, und jedes Mal habe ich das Gefühl, wieder etwas dazugelernt zu haben.

Meiner Meinung nach ist ITS nach Unmata nicht nur ein Tanz-Format, es bringt mir darüber hinaus auch Arbeit in der Gruppe, Führungsqualitäten, Vertrauen, das Achten auf Kleinigkeiten, Großzügigkeit und überhaupt ein großes Herz bei. Mit anderen Worten, ich lerne dabei wirklich eine ganze Menge.
Was werden wir von dir beim Tribal Festival auf der Bühne sehen?

Einen Tribal Fusion mit einer Menge Improvisation. So ganz genau habe ich mich aber noch nicht entschieden. Ganz ehrlich, ich entscheide mich meist je nach Art der Veranstaltung darüber, was ich tanzen werde, und das hängt auch davon ab, wie ich mich dann gerade fühle. Sogar zum selben Musikstück tanze ich unterschiedlich, das hängt ganz von der Atmosphäre meines Auftritts ab. Aber keine Bange, wenn es so weit ist, steht mein Entschluß fest!

Was lernen wir in deinen Workshops in Hannover?

Ich gebe auf dem Tribal Festival zwei Workshops: Zum einen "ITS EXPOSURE", für den ich einige Schritte und ein paar Spaß-Formationen vorbereite. Das Weitere richtet sich danach, wie sehr die Teilnehmer sich einbringen. Wir werden auf jeden Fall viel Spaß dabei haben, den ITS zu erkunden.

Zum anderen „Multified Drum Solo Workshop“. Dabei geht es nicht darum, Schritte zu irgendeinem beliebigen Trommelsolo zu lernen. Nein, wir wollen erkunden, wie man traditionelle Trommelsolo-Choreographie-Techniken auf rhythmische elektronische Musik überträgt. Wir übertragen verschiedene Variationen in den Electro Pop. Tänzerinnen reagieren auf unterschiedliche Rhythmen mit unterschiedlichen Layerings. Das ist die große Gelegenheit für euch, eure Techniken auf die Probe zu stellen und dabei auch noch Spaß zu haben.

Homepage:
(http://www.KelliLiDance.com)
Kelli Li bei facebook ...

Kelli Li ist zu Gast beim 10. Internationalen TRIBAL FESTIVAL in Hannover, 9. - 11. Juni 2017! www.tribal-festival.de
Sa., 10. Juni 2017, 15 – 17 Uhr,
Unmata ITS Exposure Workshop

Unmata wurde von Amy Sigil ins Leben gerufen. Inzwischen gibt es beim ITS (Improvisational Tribal Style) 4 Stufen. In diesem Workshop geht es darum, einen Überblick über alle Levels zu bekommen, es werden einige Bewegungen und Codes vorgestellt und dann wird getanzt!

So., 11. Juni 2017, 10 – 12 Uhr,
Electric Music – Multifid Drum Solo

In diesem WS verwenden wir viele Ideen aus dem klassischen Trommel-Solo, um die Choreographie aufzubauen. Wir werden viele Variationen von Electric Music nutzen. Die Tänzer/inne können die verschiedenen Beats mit verschiedenen Moves belegen: dies ist eine großartige Gelegenheit, Technik mit viel Spaß zu verbinden!

Workshops mit Kelli Li (Taiwan)
weitere Infos und zur Anmeldung hier entlang ...
Das Tribal Festival zu Hannover ist wahrlich ein internationales Festival, schließlich sind Bauchtanz und Tribal ja auch internationale Angelegenheiten. Aus dem fernen Taiwan, der großen Insel vor dem chinesischen Festland, stammt Kelli Li, und die kommt ganz schön herum. Sie war sogar schon bei Tribal Umrah, gilt als eine der führenden ITS-Tänzerinnen und reist jetzt endlich auch zu uns an. Willkommen, Kelli Li.
„ES IST EINFACH SO GEKOMMEN!“
Interview mit Kelli Li
von Marcel Bieger (auch Übersetzung)