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Grafik/WebDesign: Konstanze Winkler
Elisabeth Medina mit ihrer Lehrerin Colleena Shakti
Die wunderbar originelle Biographie auf deiner Homepage erzählt uns eine Menge über die vielen Tanz- und Bewegungssport- Sprossen auf deiner Karriereleiter (Zeitgenössisch, Ballet, Kampfkunst, um nur einige zu nennen). Wir erfahren auch tolle Dinge über Indien und wie du dich in alles Indische verliebt hast, aber wir lessen nur wenig darüber, wie der OT und der Tribal deinen Weg gekreuzt haben oder was dich dazu gedrängt hat, dich bis heute von ihnen begleiten zu lassen.

Stimmt! Ich glaube, meine Begegnung mit dem Bauchtanz erfolgte eher intuitiv. Als ich zwanzig war, sah ich eine orientalische Folklore-Aufführung und darunter eine Saidi-Tänzerin mit einem wunderhübschen Kostüm und einem Stock, den sie zum Rhythmus “dum tak-tak dum tak” tanzen ließ. Das alles hatte eine sehr hypnotische Wirkung auf mich. Nach dem Auftritt wollte ich unbedingt von ihr erfahren, was sie denn dort getanzt habe, und so kam ich an meine erste Lehrerin, Narjes Montasser. Vier Jahre habe ich bei ihr gelernt. Jahre später, zwischen meiner Zeit auf dem Konservatorium und meiner ersten Reise nach Indien, habe ich eine junge Frau kennengelernt, die heute noch zu meinen besten Freunden zählt und bereits damals Tribal Fusion-Tänzerin war, Hel Valozic. Wir warteten gerade auf unseren Auftritt bei einer Hafla und ich erzählte etwas von der “Shakti School of Dance” und meiner anstehenden Reise dorthin, und sie hat Mund und Augen aufgerissen, weil ich zu Colleena wollte. Wir haben uns danach angefreundet, uns viel über Tanz unterhalten, und mir hat ihre Begeisterung für den Tribal sehr gut gefallen; selbstredend auch die Art, wie sie getanzt und wie effektiv sie ihre Bewegungen eingesetzt hat. Kurzum, Hel ist damals meine Tribal-Lehrerin geworden und es bis heute geblieben.

Man kennt dich wegen deines ganz eigenen Stisl, den “IndOriental”, eine Fusion zwischen klassischen indischen und orientalischen Tänzen. Wenn dieser Begriff fällt, denkt automatisch jeder an dich und Colleena Shakti. Erzähl uns doch bitte, was Colleena und du für die Entwicklung dieser Stil-Richtung getan habt.

Colleena ist meine Lehrerin, aber “IndOriental” ist mein Stil. Ich erwähne sie aber gern im Zusammenhang mit diesem Stil, weil Colleena uns den Weg weist, wie wir die Elemente des indischen Tanzes mit dem Tribal verknüpfen. Sie hat mir auch die Augen für eine völlig neue Welt der Einordnung von Tanzbewegungen, des Respekts vor Traditionen, der kulturellen Annäherung und der Bedeutung von Wiederholungen geöffnet.

Man kann also sagen, Colleena ist meine Muse. Ich sollte vielleicht noch kurz erwähnen, daß Colleena nichts, auch nicht in künstlerischer Hinsicht, mit der Tanz-Marke “IndOriental” zu tun hat, sondern daß sie die Quelle meiner Inspiration, meine Lehrerin und mein Vorbild für “IndOriental” ist. Ich versuche nur, in aller Bescheidenheit meinen Stil gemäß ihrer Ansichten von Tanz und Fusion zu entwickeln.
Worin bestehen die Hauptunterschiede zwischen “IndOriental” und anderen “Indian Fusion”-Stilen?

Ich beziehe gern meine tänzerische Entwicklung in den indischen Fusion ein, genauer gesagt, Elemente aus den Stilen, die ich immer noch betreibe. Also dürfte es sich bei “IndOriental” um einen Stil irgendwo zwischen Ethno-Zeitgenössisch, Sufi und persischen Tanz verbunden mit Kalbelia und Elementen des klassischen indischen Tanzes handeln … und das alles dargeboten in einer Tribal Fusion-Mischung.

Glaubst du, daß nach dem großen Bollywood-Rummel auch eine Renaissance der klassischen indischen Stile stattfindet, vornehmlich hier in der westlichen Welt?

Natürlich stehen beide zueinander in Beziehung. Ich glaube auch, daß Indien heutzutage sehr popular geworden ist – Joga, als Philosophie und als praktische Übung, das Essen, selbst in der Mode finden sich indische Bezüge. Wir lernen die tiefen Wurzeln der indischen Traditionen kennen, und ich halte das für sehr inspirierend: Sie sprechen ihre Wahrheiten, und sie leben mit ihren Wahrheiten. Man kann sie riechen, berühren und sehen, man kann sie genießen oder sie ablehen, sie bleiben immer da. Für mich ist das einer der wesentlichen Gründe dafür, warum der klassische indische Tanz sich uns erschließt und wir uns von seinen Wahrheiten angezogen fühlen.

Obwohl du so viele Dinge angehst, hast du doch die Zeitgenösssiche Seite deiner Karriere nicht vernachlässigt. Erkläre uns doch bitte dein Projekt “AnDanza”.

Ich liebe den Zeitgenössischen Tanz ebenso sehr wie den klassischen indischen. Wenn ich mich zwischen beiden entscheiden müßte, könnte ich das, glaube ich, nicht. Deswegen ist “AnDanza” entstanden. Dabei handelt es sich um ein pädagogisches Auftritts-Projekt, das meine Lehrerin und Seelenverwandte Imma Manresa entwickelt hat, und ich bin glücklich, dabei mitmachen zu dürfen. Nicht zu vergessen den Aspekt des Theaters, der dabei auch eine große Rolle spielt. Dahinter steckt die kreative Vorstellung, den Körper als Übermittler von Gefühlen, Wendungen und Zuständen mit den Mitteln des Zeitgenössischen Tanzes einzusetzen.

Wenn man auf deinen Auftritts-Kalender schaut, kann man leicht erkennen, daß du viel herumkommst. Aber du bist auch auf sehr vielen Bühnen in deiner Heimat Spanien zu sehen. Welche spanischen Festivals sind für deine Kunst besonders empfänglich? (Sieh es uns bitte nach, daß wir uns in der spanischen Szene nicht so gut auskennen.)

Sehr untreschiedliche, je nachdem, mit welchem meiner Projekte ich unterwegs bin. Wenn ich zusammen mit meinen Musikern anreise, dem “Qirbilyan Ensemble”, dann geht es meist auf ein Mittelalter-Festival oder eine andere Veranstaltung, auf der arabische oder mittelalterliche

Kultur gepflegt wird. Wenn ich allein tanze, vor allem als “IndOriental”-Künstlerin, da gibt es genügend Tribal Fusion- oder OT-Festivals, -Haflas, Workshop-Veranstaltungen. Mit “AnDanza” reisen wir zu Universitäts-Festwochen, wo wir dann in einem Theater oder auf der Straße auftreten.
Wenn wir uns nicht sehr irren, wird dein Auftritt beim Oberrheinischen-Tribal-Festival dein erster bei einem großen deutschen Festival sein. Was erwartest du davon und überhaupt von Deutschland?

Ich liebe Deutschland! Ich bin vor fünf Jahren einmal mit dem Auto von Zürich nach Berlin gefahren. Wir sind dabei durch verschiedene Dörfer, aber auch große Städte wie Stuttgart, Nürnberg oder Leipzig gekommen. Deutschland hat unglaublich schöne Landschaften. Ein paar Tage lang haben wir auch im atemberaubenden Schwarzwald gezeltet. Für mich bedeutet es eine große Ehre, mit der Tribal Festival-Gemeinde feiern zu dürfen, und ich bin den Veranstaltern sehr dankbar, daß sie mich für würdig genug halten. Ich hege nicht schon gern vorher Erwartungen, sondern genieße lieber das, was ich antreffe, lerne dazu und teile alles mit meinen Freunden. Und ich stehe auf Überraschungen.

Was werden wir von dir im Schwarzwald auf der Bühne sehen?

Ich führe zwei verschiedene Stücke auf, die sich auf meine beiden Workshops beziehen:

“Black is the new White” ist ein Zeitgenössisch-Indischer-Wirbeltanz, bei dem ich mich von der Stärke der Frau, der Tiefgründigkeit eines Blicks und der Macht des Lebens nach dem Tode inspirieren lasse. Ein Wochenende mit Miriam Peretz hat mich tief bewegt, wo wir uns viel mit Seelenwanderung beschäftigt haben.

Als zweites Stück zeige ich “Saank Charming”, was soviel wie Schlangenbeschwörung bedeutet. Es handelt sich dabei um eine reine klassische “IndOriental”-Choreographie. Ich habe sie angesichts der Kabelia-Stammesmitglieder entwickelt, wie sie ihre Kobras schützen und sich von diesen erstaunlichen Tieren anregen lassen. Während des Stücks werde ich buchstäblich von einer Schlange beschworen, und diesen Moment dürft ihr einfach nicht verpassen!

Was wirst du uns in deinen Festival-Workshops beibringen?

1.   “IndOriental® Dance *Bases* Workshop”
“IndOriental®” -Tanz ist von Elizabeth Medina entwichelt worden. Die wesentlichen Bestandteile dieser Stilrichtung zeigen sie als darstellende Künstlerin. “IndOriental” setzt sich aus verschiedenen Elementen zusammen, die dem klassischen indischen Tanz und den “Mutter”-Volkstänzen entnommen und mit dem Orientalischen Tanz und dem Tribal verknüpft worden sind. Im Workshop lernen wir die fundamentalen theoretischen und praktischen Elemente des “IndOriental”-Fusion. Aus anfänglich einfachen Schrittfolgen werden schwierigere, sobald wir ein weiteres wichtiges Element hinzufügen, die Intention. Die methodologischen und theoretischen Inhalte sind kumulativ verwendbar: •Inspiration durch Kathak und Kalbelia •Arme: Weg und Entwicklung  • Tempo und Rhythmus •Mudras •Sira (Kopf) •Dristi (Augen) •Intention •Reisen
Die Schönheit, die von diesem Tanz ausgeht, wird durch Einüben der Technik und

Einstudieren der Technik noch erhöht. Versenk dich in die magische Sprache, wo man keine Worte braucht, um sich mitzuteilen.

2. “Choreographic repertoire: “Beyond Borders”
Der Titel dieses Workshops leitet sich von dem Streben ab, jenseits der Grenzen zu gelangen. Daran werden wir zwei Stunden lang arbeiten. Wir übersetzen dabei indische, “IndOriental”-, Tribal- und Zeitgenössisch-Tanzelemente in eine ganzheitliche Choreographie und erarbeiten deren Ablauf dann gemeinsam. Ich beginne damit, wie man sich den indischen “Mutter”-Tänzen nähert, die uns für unser eigenes tänzerisches Vokabular wichtig sind, wie man alles miteinander in Zusammenhang bringt und dabei den Respekt und die Förderung der eigenen Phantasie nicht außer acht läßt. Die Komposition wird in räumlicher Hinsicht offen sein, und in ihr finden sich an bestimmten Stellen eingesetzte improvisierte Momente, Wiederholungen, verschiedene Rhythmus-Interpretationen, Drehungen und Verknüpfungen. Beim improvisierten Teil dieses Workshops tanzen wir “IndOriental”. So erschaffen wir auf dieser Grundlage eine gemeinsame Komposition. Um dem Stück soviel Effizienz und Dynamik wie möglich zu verleihen, empfehlen wir den Teilnehmern an diesem Workshop auch den Kurs über “IndOriental” zu besuchen. Damit wird sichergestellt, daß man sich nicht einem völlig femden Tanz-Vokabular gegenübersieht, sondern sofort dabei mitarbeiten kann, die Choreographie zu entwickeln.

Elisabeth Medina ist zu Gast beim 6. Black Forest Tribal Fest
30. September - 2. Oktober 2016
in Oberhamersbach (bei Offenburg)

Infos - auch zu den Workshops - hier: http://tribal-festival.jimdo.com/
Homepage: http://www.elizabeth-medina.com
Elizabeth tanzt auch Kalbelia
“WO MAN KEINE WORTE BRAUCHT, UM SICH MITZUTEILEN … “

Interview mit Elizabeth Medina
von Marcel Bieger (auch Übersetzung)

Spanien fällt einem nicht gerade als erstes ein, wenn die Rede auf Indischen Fusion kommt. Und dennoch ist hier von einer jungen Spanierin die Rede, Elizabeth Medina, die eine tiefe Liebe zu allem Indischen verspürt. Und als wäre das noch nicht genug, liebt sie auch den Zeitgenössischen Tanz … und den Bauchtanz … und noch vieles andere mehr. Lest bitte selbst, was sich alles in ihrem Tanzleben ereignet hat, und ihr werdet staunen.