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So kann es nicht nur gehen, so geht es tatsächlich zu beim Wettbewerb „Bellydancer of the World“ des Orientalischen Tanz-Festivals Europas von Leyla & Roland Jouvana. Zugegeben, die Konkurrenz ist groß, und die Jury besteht aus ausgesuchten Hochkarätern der internationalen Tanzwelt, aber wer es bis aufs Siegertreppchen schafft, der hat es geschafft. „Bellydancer of the World“ ist die Eintrittskarte zum internationalen Ruhm.

Lest hier die Geschichte von Carmina,
die diesen Weg gegangen ist, und im Begriff ist, sich in so jungen Jahren bereits einen Namen zu machen …
"GEFÜHL! GEFÜHL! GEFÜHL!"

Interview mit Carmina Suliman

von Marcel Bieger

Du hast syrische Wurzeln, liegt der Bauchtanz dir im Blut, oder wie sind der Tanz und du euch begegnet, und warum hast du dich in ihn verliebt?

Meine Eltern sind vor Jahren aus Syrien nach Deutschland gezogen. Ich bin in Deutschland geboren, habe jedoch in meiner Kindheit viel von meiner Herkunfts-Kultur mitbekommen. Dennoch bin ich der Meinung, dass man eine solch herausragende Kunst wie den orientalischen Tanz nicht einfach im Blut haben kann. Unser Tanz, nämlich der kurdische, ist zwar sehr reich an Folklore, jedoch nicht an Bauchtanz selbst. Ich habe also nicht direkt seit meiner frühsten Kindheit in engem Kontakt mit dem Bauchtanz gestanden. Vorher war ich sogar mit anderen, stark gegensätzlichen Bewegungsarten wie Leichtathletik und Kickboxen beschäftigt! 

Mein erster Kontakt zum Bauchtanz ist aus Zufall entstanden. Meine Mama hat einfach angefangen sich auf YouTube Videos anzuschauen, und als ich mal selbst dort nachgeschaut habe, befanden sich bei meinen Empfehlungen Bauchtanz-Videos auch von kleinen Kindern!
Ich hatte zwar eine grobe Vorstellung von Bauchtanz, aber ich wußte damals gar nicht, daß man dabei z. B. auch mit Schleier tanzen kann. Irgendwie fiel mir auch auf, daß ich die Drehungen und manche Bewegungen schonmal gesehen hatte. Hinzu kommt, daß bestimmte Instrumente, Rhythmen und Wörter mir nicht fremd waren. 
Es war im Grunde genommen mit dem Bauchtanz bei mir so, daß er mir - wegen meiner Herkunft - zwar nicht  von Anfang an fremd war, ich  habe mich aber nicht unbedingt in ihm zuhause gefühlt. Erst durch meine jetzige Lehrerin, Leyla Jouvana, habe ich mich mehr mit ihm beschäftigt und an ihm ganz neue Facetten kennengelernt und entdeckt. Auch wenn ich durch meine Herkunft mit der Kultur und Musik aufgewachsen bin, war mein Weg bis hierher mit viel Arbeit und Training verbunden. 


Du kennst dich nicht nur mir Bauchtanz aus, du trittst auch mit und bei Ballett-Aufführungen auf. Welche Tanz-Genres hast du außer dem Bauchtanz gelernt?

Ich habe als Kind immer "Barbie"-Filme gesehen und war von der Eleganz, die sie zum Beispiel. in "Schwanensee" gezeigt hat, unglaublich fasziniert! Ich fing in unserer Wohnung einfach an zu tanzen, mich zu drehen und ihre Posen einfach zu imitieren. Kurz darauf hat meine Mutter mich in einer Ballettschule in Duisburg angemeldet, da war ich 7 Jahre alt. In diesem Alter fing ich an, meine ersten Bühnenerfahrungen zu sammeln, und die waren eine tolle Basis für meine weitere Tanzkarriere! Neben meiner großen Liebe, dem Bauchtanz, hat mich der Zeitgenössische Tanz sehr gereizt. Dieses Tanz-Genre wirkte von Anfang an neuartig und undefinierbar auf mich. Was mich daran so fasziniert hat, war, daß es hauptsächlich um das Zentrum und das Gefühl im Tanz geht und die Technik eher im Hintergrund steht. Während man in eleganten Tänzen sehr auf Fußspitze und Haltung achten muß, ist man im Zeitgenössischen Tanz gerne mal verzerrt. Neben Ballett und Bauchtanz mal was ganz anderes, was ich ausprobiert habe. 
Du bist auch bei anderen Projekten aktiv, die wir - in Ermangelung eines besseren Begriffes - als Tanz- und Bewegungs-Theater bezeichnen möchten. Erzähle uns doch bitte etwas darüber.
Das erste Projekt im Tanztheater, das ich kennengelernt habe, war "Alltag Allemanya". Ich erhielt Einblick in den Alltag von Gruppen-Choreographien für Kindergruppen, was eine tolle Erfahrung für mich war. 

Im Laufe der Zeit bin ich selbst als Choreographin tätig und auch engagiert worden: in der internationalen Kinder- und Jugendbühne "Bahtalo" Duisburg. Wie arbeiten dort mit Kindern an großen Musical-Produktionen, die über das ganze Jahr laufen. 

Neben meiner Tätigkeit als Choreographin habe ich auch in Zeitgenössischen Projekten selber mitgetanzt, beispielsweise im Rahmen der Duisburger Akzente, wo ich bei der choreographischen Installation 'Dead Reckoning' mitgewirkt habe. Später folgte die "Carmina  Burana" (übrigens die Lieblingsoper meines Vaters, deshalb gab er mir auch den Namen Carmina), eine Benefizveranstaltung in der Duisburger Salvatorkirche. 
Wie haben sich Leyla/Roland und du kennengelernt, wie lange bist du schon bei ihnen?

Meine Mutter und meine Tante kannten Leyla dank ihrer Tourneen schon, bevor ich überhaupt auf der Welt war! Das war noch in Ostfriesland, wo ich auch geboren bin. Im Laufe der Zeit sind wir nach Duisburg gezogen, wo Leyla auch ihre Tanzschule hat. Wie es das Schicksal so wollte, sind wir irgendwie immer unbewußt verbunden gewesen. Ich hatte während meiner Kindheit aber erstmal keinen direkten Bezug zum Bauchtanz. Meine Mutter hatte auch keinen Kontakt zur Tanzschule von Leyla Jouvana, bis ich plötzlich in den orientalischen Tanz verliebt war; da wußte sie sofort, wo ich hin mußte. Wir sind gleich zur nächsten Hafla bei ihr im Studio gegangen! Ich war sehr begeistert, am Ende haben wir als Zuschauer sogar mitgetanzt! 

Doch der absolute Höhepunkt war das Orientalische Tanz-Festival Europas. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich gesehen, was orientalischer Tanz wirklich ist und wie man ihn auf der Bühne präsentieren kann. Und ich muß wirklich sagen, ich hatte keine Worte dafür, es war einfach unbeschreiblich ...
Und von diesem Moment an wußte ich endgültig: ich will unbedingt den Orientalischen Tanz bei Leyla von Grund auf lernen und beim Festival dabei sein und habe mich ohne zu zögern bei Leyla Jouvana angemeldet. 
Im letzten Jahr bist du beim Contest "Bellydancer Of the World" in der Kategorie "Raks Sharki/Solo" auf dem 1. Platz gelandet, ein großartiger Erfolg, denn dieser Wettbewerb ist nicht nur in der ganzen Tanz-Welt ein Begriff, "Raks Sharki/Solo" ist auch seine Parade-, seine Königinnen-Disziplin. Und vor wenigen Wochen hast du auch bei der German Championship in Iserlohn den 1. Platz gemacht. Wie ergeht es einem in einem solchen Moment, und wie wirkt sich das auf die weitere eigene Tanz-Entwicklung aus?

Seit ich mich in den orientalischen Tanz verliebt habe, war es mein Traum auf der Bühne zu stehen und zu tanzen. Und ich muß wirklich sagen, daß ich gesegnet bin, eine Star-Lehrerin wie Leyla fast bei mir um die Ecke zu haben ... Dank ihrer Ausbildung, vielem Training und harter Arbeit habe ich an ihrer Meisterschaft teilgenommen, und am Ende hat es sich ausgezahlt. 

Ich weiß noch ganz genau, wie wir alle auf der Bühne standen und Leyla sagte "And Place number one ... (kurzer Moment Stille) und dann kam ... Carmina! In diesem Moment wußte ich nichts mehr, ich war so sehr mit Freude überflutet, daß ich nichts anderes konnte als weinen. Eine weitere Teilnehmerin, die neben mir stand, mußte schmunzeln und sagte mir: "Geh nach vorne!" Mit zitterndem Körper versuchte ich, ohne Stolpern nach vorne zu laufen und meinen Preis entgegenzunehmen. Ich stand komplett unter Schock und habe Wochen gebraucht, um das überhaupt begreifen zu können. Für mich ist an diesem Zeitpunkt ein Traum in Erfüllung gegangen. 

Auch bei der deutschen Meisterschaft in Iserlohn war ich überglücklich, den ersten Platz in Solo Oriental (Girls Hauptgruppe 1) belegt zu haben. Solche Momente stärken mich sehr und motivieren mich erst recht weiterzumachen! 

Gerade der Contest "Bellydancer of the World" ist so prestigereich für angehende Tänzer! All die Einladungen auf Festivals weltweit, die man gewinnen kann, sind sehr hilfreich für

die Karriereleiter. Nach meinem Sieg bin ich zu internationalen Veranstaltungen eingeladen worden, unter anderem nach Orlando in Florida zum Festival 'Bellydance Masters', worauf ich mich schon riesig freue! 

Was bekommen wir in der diesjährigen Abend-Gala von dir auf der Bühne zu sehen?

Ich werde etwas klassisch Ägyptisches zu meinem Lieblingslied von der legendären Oum Kalthoum darbieten! Aber ich will nicht zu viel verraten, laßt euch überraschen!  

Was lehrst du uns in deinem Workshop? 

Ich unterrichte meine Choreografie, mit der ich beim Wettbewerb "Bellydancer of the World" gewonnen habe. Das Lied heißt "Lawn Oyounak" von Nancy Ajram, übersetzt "deine Augenfarbe". Ein Ballady Pop Song, den ich so interpretiert habe, daß man aus einem schönen Traum über die Augen eines geliebten Menschen erwacht und die Freude über diesen Traum in einem Tanz auslebt. Das Lied widme ich meiner Mutter, ohne die wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin, und das Lied erinnert mich auch sehr an sie. 

Wie man in
meinem Video dazu sehen kann, beginne ich liegend auf dem Boden und erhebe mich nach und nach im Laufe des Intros, bis es dann mit dem Refrain und den raumgreifenden, temperamentvollen Bewegungen losgeht. Es sind zwei Saidi Parts enthalten, mehrere Shimmies, Bauchflattern, ein Finale mit Drehungen und natürlich: Gefühl, Gefühl, Gefühl! Meine Lieblingszutat als Geheimwaffe in jedem Tanz! 

WORKSHOP mit CARMINA
Mi., 23.11., 17:50 – 19:50 Uhr
Oriental BD Choreo
Carmina unterrichtet ihre Gewinner Choreo (BDotW Oriental 2015). Aufregende ägyptische Tanz- Technik & Kombis inkl. Balady, Balady Pop, Raks Sharki & Saidi Part. Fortg.
Carmina Suliman ist zu Gast beim 24. Orientalischen Tanzfestival Europas von Leyla und Roland Jouvana, 22. - 28. Nov. 2016 in Duisburg!
Infos und Workshop-Anmeldung hier:
www.leyla-jouvana.de
Carmina bei facebook ...
Carmina bei der Preisverleihung des Contests "BDOTW" 2015